Von den 17 Menschen im Landkreis, die am Donnerstag erwiesenermaßen den Erreger Sars-CoV-2 im Körper trugen, weist keiner dermaßen schwere Symptome auf, dass er beatmet werden müsste. Sollten künftig schwere Fälle auftreten, stehen am Haller Diak-Klinikum mindestens 20, am Crailsheimer Kreisklinikum zwischen 7 und 18 Plätze bereit, an denen Kranke beatmet werden können. Dr. Lothar Jahn, Chefarzt und ärztlicher Direktor am Haller Diak, sowie Werner Schmidt, Geschäftsführer des Crailsheimer Landkreis-Klinikums, machten deutlich, dass sich diese Kapazität möglicherweise erhöhen ließe, kaum jedoch die Zahl der Mitarbeiter, die die Patienten medizinisch versorgen.

Am Donnerstag hatte der Koordinierungsstab des Landkreises zu einem groß angelegten Pressegespräch in ein kleines Besprechungszimmer gerufen. Im Karl-Kurz Areal gaben Fachleute Auskunft über den aktuellen Stand der Dinge und die Perspektiven.

Landrat Gerhard Bauer versucht es mit einem Appell an die Menschen. Man möge Desinfektionsmittel doch bitte nicht horten – und schon gar nicht stehlen. Genau das aber passiere in Kliniken, Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen.

„Normales Händewaschen reicht völlig“, so Bauer. Direkt neben dem Landrat saß Dr. Pascale Welisch. Die Leiterin des Gesundheitsamts nickte zustimmend. Tags zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel davon gesprochen, dass 60 bis 70 Prozent der Menschen mit Corona infiziert werden könnten. Diese Angabe stützte Dr. Helmut Kopp. „Eine Durchseuchung wird es geben“, sagte der Vorsitzende der Ärzteschaft Crailsheim.

Breit angelegte Massentests werde es im Landkreis Schwäbisch Hall nicht geben. Es stehe nur eine eingeschränkte Zahl an Diagnosesets zur Verfügung, auch können die Labore nicht beliebig viele Test analysieren. Es fehlt zudem an Schutzkleidung und Atemmasken, außerdem ist das medizinische Personal in Praxen und Kliniken nicht beliebig erweiterbar. Für den Landkreis Schwäbisch Hall können täglich rund 50 Abstriche untersucht werden. „Wir müssen mit den Ressourcen verantwortlich umgehen“, betonte Gerhard Bauer.

Jeder kann ein Corona-Verbreiter sein

Weil Arztpraxen und Kliniken die Tests in unterschiedliche Labore senden, könne die Zahl der bisher geprüften Proben nicht benannt werden. Es dauere zwischen einem und vier Tagen, ehe die Ergebnisse vorliegen.

Allein diese Einschränkungen erfordern es, genau zu differenzieren. Nur noch diejenigen Patienten werden einem Abstrich unterzogen, die entweder Kontakt zu einer nachweislichen infizierten Person hatten oder die sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Trifft das eine oder das andere zu, müssen sich zudem schwerere Krankheitssymptome einstellen, um zu einem Test zugelassen zu werden.

Die Ärzte betonten, dass es keinen Grund gebe, Angst zu haben. Infizieren sich Kinder, Jugendliche und junge Menschen ohne Vorerkrankung, weisen diese meist allenfalls leichte Symptome auf. Jedem müsse allerdings klar sein, dass er ein möglicher Verbreiter ist, der gefährdete Menschen anstecken kann. Dazu gehören insbesondere Chemo- und Bestrahlungspatienten sowie chronisch Kranke.

Dringender Appell

Einen dringenden Appell richten Landratsamt und Ärzteschaft an Menschen, die befürchten, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben: nicht ohne telefonische Absprache in Arztpraxen oder Kliniken gehen! Ist einer der Hilfesuchenden tatsächlich von dem Virus infiziert, bestehe große Gefahr, dass das Personal angesteckt wird – und anschließend ausfällt. Unabdingbar sei eine telefonische Kontaktaufnahme.

Gesichert erscheint, dass sich am Sonntag, 1. März 2020, bei einem Kirchenchorkonzert in Kupferzell-Eschental eine nicht näher bekannte Zahl von Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hat. Vier bestätigte Erkrankte von Sängern und Zuhörern leben im Landkreis Hall.

CDU-Kreisverband sagt alle Veranstaltungen ab


„Der Vorstand des CDU-Kreisverbandes hat beschlossen, sämtliche CDU-Veranstaltungen bis auf Weiteres abzusagen“, informiert der Vorsitzende Dominik Schloßstein. Dadurch fallen auch die vier im März geplanten Regionalkonferenzen auf dem Weg zum CDU-Landtagskandidaten aus, der am 28. März in Kirchberg hätte nominiert werden sollen – auch diese Veranstaltung wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Bei den Regionalkonferenzen sollen sich die drei Bewerber Dominik Schloßstein, Isabell Rathgeb und Vanessa Dreschner vorstellen. „Die Mehrheit des Kreisvorstandes war der Meinung, dass aufgrund der Corona-Situation diese Veranstaltungen eine zu große Gefährdung darstellen könnten“, nennt Schloßstein den Grund der Absage. Alle sollen später in diesem Jahr nachgeholt werden. cus