Von der „Ruhe vor dem Sturm“ im Kampf gegen die Covid-19-Erkrankungen sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor wenigen Tagen. Keiner könne genau sagen, was in den nächsten Wochen noch kommt. Fakt ist: Die Zahlen steigen weiter – auch im Landkreis Schwäbisch Hall. Am Montagabend meldete die Kreisverwaltung 437 bestätigte Corona-Erkrankte. Die Zahl 229 des Robert-Koch-Instituts hinkt der Realität mehrere Tage hinterher. Elf Menschen aus dem Landkreis Hall sind bisher an dem Virus verstorben. Am Dienstagabend vor einer Woche waren es 201 bestätigte Corona-Erkrankte, Todesfälle wurden nicht gemeldet. Daher sei es weiterhin nötig, dass sich möglichst alle Bürger an die Regeln halten, auf soziale Kontakte soweit möglich verzichten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, appelliert Landrat Gerhard Bauer.

„Wenn jeder sich an die Regeln hält, dann sinken die Zahlen, dann kommen wir früher zur Normalität zurück. Ich habe den Eindruck, das gelingt im Landkreis. Wir mobilisieren alle Kräfte, um in den Krankenhäusern vorbereitet zu sein, um weiter Kapazitäten zu schaffen“, erklärt er beim jüngsten Pressegespräch in einem Sitzungssaal in der Fassfabrik auf dem Karl-Kurz-Areal in Schwäbisch Hall-Hessental, wo das Landratsamt einen zweiten Standort hat. Wann der Umschwung zu sinkenden Zahlen geschafft werde, könne niemand sagen, aber der Landrat hat auch eine gute Nachricht: 100 der Infizierten sind wieder gesund.

Landratsamt bittet medizinisches Personal um Mithilfe

Beim Gesundheitsamt gibt es eine Arbeitsgruppe, die von 40 Mitarbeitern aus allen Ämtern der Landkreisverwaltung aktuell auf 80 verdoppelt wurde. Die Mitarbeiter betreuen unter anderem die Telefon-Hotline, entlasten von anderer Verwaltungsarbeit. Das Gesundheitsamt wuchs mittlerweile von einer kleinen Gruppe zum größten Amt im Landratsamt, so der Landrat.

Um sich rechtzeitig auf weiter steigende Patientenzahlen vorzubereiten, ruft der Landrat medizinisches Personal zum Helfen auf. 14 Personen wie beispielsweise Ärzte im Ruhestand haben sich bereits gemeldet, informiert Bauer. Auf der Website des Landkreises wird aktuell ein Kontaktformular zur Verfügung gestellt, um die Hilfe einfach zu verwirklichen. Interessierte können auch an die E-Mail-Adresse unterstuetzung-corona@LRASHA.de schreiben.

Zudem schafft die Kreisverwaltung weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Patienten, die nicht am Coronavirus erkrankt sind, die aber einer Pflege bedürfen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, sich aber nicht alleine daheim versorgen können. „Das Auslagern ist möglich, die Räume sind bereits eingerichtet“, sagt Landrat Bauer. In Crailsheim gibt es ein frisch renoviertes Asylbewerberheim. In Michelfeld handelt es sich um eine Containeranlage für Flüchtlinge, die für diesen Zweck nicht gebraucht wird.

Fieberambulanzen sollen als Teststellen die Drive-in-Zentren ablösen


In den nächsten Tagen sollen die beiden Drive-in-Zentren in Michelfeld und Crailsheim als Teststellen durch Fieberambulanzen abgelöst werden. Der Landkreis stellt dafür die Räume in der Straßenmeisterei in Michelfeld und im EDT-­Gebäude in der Flügelau 36 in Crailsheim zur Verfügung. Die Kassenärztliche Ver­einigung richtet die Fieber­ambulanzen gemeinsam mit den Kreisärzteschaften in Schwäbisch Hall und Crailsheim ein und betreibt diese. „Es geht darum, die Hausarztpraxen zu entlasten und das Risiko einer Infektion von Patienten und Personal zu reduzieren“, erläutert Dr. Pascale Welisch, die Leiterin des Gesundheitsamts im Landratsamt Schwäbisch Hall, beim Pressegespräch. Die Proben werden alle in ein Labor nach Karlsruhe-Ettlingen geschickt. Die Labore seien schnell am Anschlag gewesen, mit der Zentralisierung seien Kapazitäten aufgebaut worden.

Der Gemeinderat in Untermünkheim hat kürzlich in einer Sondersitzung beschlossen, dass es beim 19. April für die Bürgermeisterwahl bleibt. „Ich finde es nicht gut“, sagt Landrat Gerhard Bauer beim Pressegespräch. Die Gemeinde wäre bei einer Verschiebung auch übergangsweise mit dem Amtsinhaber handlungsfähig geblieben. Eine Meinungsbildung sei für die Bürger schwierig bis unmöglich. Komplett auf Briefwahl umzustellen wie in Bayern, sei in Baden-Württemberg nicht möglich, habe das Regierungspräsidium erklärt.

Beim Gesundheitsamt des Landratsamts Schwäbisch Hall wurde eine Telefon-Hotline mit der dafür notwendigen personellen Besetzung, Technik und Räumlichkeit eingerichtet. Die Hotline mit der Telefonnummer 07 91 / 7 55 74 00 ist werktags von 9 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr besetzt.

„Den Empfang der Wirtschaft haben wir abgesagt“, informiert Landrat Bauer. Das gesellschaftliche Großereignis samt Medienpreisverleihung im Jahresverlauf der Veranstaltungen des Landkreises war am 27. Mai in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim geplant. Die Veranstaltung soll wie viele andere eventuell im Herbst dieses Jahres nachgeholt werden. cus