Bei seinem Gemeindebesuch in Fichtenau sei er von Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann und einigen Bürgern auf die erheblichen Biberschäden, die die Kläranlage in Unterdeufstetten und Privathäuser betreffen, aufmerksam gemacht worden, schreibt FDP-Landtagsabgeordneter Stephen Brauer in einer E-Mail. Im Anhang findet sich eine Pressemitteilung zum Thema, in der er die mangelnden Hilfeleistungen des Landes im Landkreis Schwäbisch Hall kritisiert.

Vorausgegangen war eine Fragestunde in der Plenarsitzung in Stuttgart am vergangenen Donnerstag. Eine mündliche Anfrage kam von Brauer, die zum Thema Biberschäden. Er fragte die Landesregierung: Wie haben sich die Schäden im Landkreis Hall seit 2011 in den einzelnen Gemeinden verändert? Und welche Gegenmaßnahmen und Entschädigungen wurden bisher geleistet?

Land erhebt keine belastbaren Zahlen zu Biberschäden

Für die Landesregierung antwortete Dr. Andre Baumann, ehemals NABU-Landesvorsitzender und seit 2016 Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium. Baumann trug einen Arm in der Schlinge, was wiederum einen SPD-Abgeordneten zu der Frage veranlasste, ob es sich dabei um die Folge eines Biberzwischenfalls handele. Heiterkeit im Saal – doch zu dieser Bemerkung sagte Baumann nichts, dafür zu den Bibern.

Zu Biberschäden würden der Landesregierung keine belastbaren Zahlen vorliegen, betonte Baumann, derartige Schäden würden nicht systematisch erfasst. Zudem wäre die Abgrenzung zu anderen Schadensverursachern schwierig. Aktuell würden Konflikte zwischen Mensch und Biber verstärkt in Fichtenau, Satteldorf und Crailsheim auftauchen. Meist ginge es dabei um Vernässungen von landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Bayern entschädigt Betroffene

Grundsätzlich gebe es in Deutschland keine Entschädigungspflicht für Schäden, die durch Wildtiere verursacht werden, so Baumann weiter. Allerdings würden in Bayern Zahlungen an bestimmte Betroffene geleistet. Wichtiger als die Kompensation sei die Prävention, betonte der Staatssekretär von Bündnis 90/Die Grünen. Am einfachsten sei es, Gewässerrandstreifen anzulegen, weil ­Biber 90 Prozent ihrer Aktivitäten auf ein Umfeld von zehn ­Metern verlegen würden. Als ein Beispiel führte Baumann die ­Gemeinde Satteldorf an. Dort habe ein Ankauf durch die Kommune zur Konfliktminderung beigetragen.

Bei sich anbahnenden Konflikten sei eine fachkundige und frühzeitige Beratung erforderlich, sagte Baumann und verwies auf die höhere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart, auf die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Schwäbisch Hall und auf die 13 ehrenamtlich bestellten Biberberater. Außerdem fördere das Land Material für Präventionsmaßnahmen: Baumschutzdraht, Drainagerohre, Drahtmatten, solche Sachen. 2018 gab das Land dafür 13.000 Euro aus, 2017 7000 Euro und 2016 5800 Euro. Nicht zu vergessen: Vom Landratsamt könnten Elektrozäune ausgeliehen werden.

Biber bringen Kläranlage in Unterdeufstetten in Not

Um die Umsetzung von Maßnahmen kümmerten sich in den meisten Fällen die Kommunen, stellte Baumann klar, denn sie seien für die Unterhaltung von Gewässern zweiter Ordnung zuständig. Unterstützend könne allerdings der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums tätig werden.

Brauer reichte das als Antwort nicht, er fragte noch mal nach. Dass Präventionsmaßnahmen manchmal nicht ausreichen würden, zeige der Fall in Unterdeufstetten, so Brauer. Dort gelange Wasser, das durch den Biber in der Rotach angestaut werde, in die Kläranlage. Wie könne in solchen Notsituationen schneller Abhilfe geschaffen werden?, will Brauer wissen.

5500 Biber im Land

Zu dem konkreten Fall könne er nichts Genaues sagen, antwortete Andre Baumann. Generell seien die personellen Ressourcen in den Regierungspräsidien und Landratsämtern verstärkt worden, was das Bibermanagement angeht. Aber: In Einzelfällen könne es auch mal schwierig werden und dazu kommen, dass nicht jede Anfrage sofort bearbeitet werde. Man sei bemüht, durch ein einheitliches Bibermanagement, das auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre aufbaue, die Reaktionsmöglichkeiten der Verwaltung und auch der Ehrenamtlichen zu verbessern. Und dann nannte Baumann noch eine interessante Zahl. Rund 5500 Biber gebe es in Baden-Württemberg – das Ergebnis einer Erhebung aus dem vergangenen Jahr.

„Die Antwort der grün-schwarzen Landesregierung auf meine Anfrage ist absolut beschämend und geht an den immer stärker zunehmenden von Bibern verursachten Schadensfällen für die heimische Landwirtschaft und die örtliche Bevölkerung komplett vorbei“, schreibt Brauer in seiner Pressemitteilung. Seine Schlussfolgerung, was Fichtenau angeht: „In einem solchen Fall könne die Kommune keine vier Wochen auf eine Reaktion aus Stuttgart warten.“ Brauer weist daraufhin, dass den vor Ort Betroffenen das Anlegen einer Abhilfe schaffenden Drainage untersagt worden sei.

Brauer beklagt behördliche Bevormundung

„Mit Präventionsprogrammen alleine ist es keinesfalls getan“, findet der FDP-Politiker. Vielmehr sollte das Land dem Beispiel Bayerns folgen, so Brauer weiter, „und entsprechende finanzielle Unterstützungsleistungen gewähren und den vor Ort in den Kommunen betroffenen Personen die Möglichkeit einräumen, in akuten Gefährdungsfällen selbstständig und ohne behördliche Bevormundung aus Stuttgart tätig werden zu können“.

Nicht nur im Kreis Hall sorgen Biber zunehmend für Ärger. In den vergangenen Jahren haben sie sich auch in anderen Landkreisen zunehmend ausgebreitet.