Der Flugverkehr schadet der Umwelt. Knapp drei Prozent des CO2-Aus­stoßes, der durch die Nutzung fossiler Brennstoffe entsteht, stammen aus den Triebwerken von Jets. Diese Zahl veröffentlicht das Klimaschutz-­Portal – eine Internetplattform des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geht von 5 Prozent aus.

Das Reisen per Flugzeug ist vor dem Hintergrund der Erderwärmung, die wesentlich durch CO2 verursacht wird, in die Kritik geraten. Dass die Menschen auf das Fliegen verzichten – darauf gibt es allerdings nur wenige Hinweise. In Schweden – von dort ist das Wort Flugscham (flygskam) überliefert – sei ein Rückgang der Kurzstreckenflüge zu verzeichnen, mehr Passagiere seien auf den Zug umgestiegen. Global gesehen kommen die Experten allerdings zu dem Schluss, dass sich die Zahl der Flugpassagiere im Lauf der kommenden 20 Jahre in etwa verdoppeln werde. Dies prognostiziert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Und in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts im ersten Halbjahr 2019 mehr Menschen denn je mit dem Flieger unterwegs gewesen.

Haben Reisebüros in Hall, Crailsheim und Gaildorf den Eindruck, dass ihre Kunden auf Flugreisen verzichten? Nein.

Reisebüros im Kreis Hall stellen keinen Rückgang der Buchungen fest

„Es geht den Kunden allein um Preis und Qualität, nicht um Umweltverträglichkeit“, sagt Tanja Zurek vom Crailsheimer Reisebüro Holiday-Land. Es könne aber sein, dass es ein Umdenken bei sehr kurzen Flügen gibt. „Mal kurz wo hinfliegen – vielleicht wird das ein bisschen reduziert“, vermutet die Reisespezialistin. Viel mehr als durch Umweltschäden seien die Kunden durch die Pleite des Reiseanbieters Thomas Cook verunsichert. „Derzeit warten viele Menschen mit der Buchung ihrer Reise ab“, so die Beobachtung von Tanja Zurek.

„Die, die es immer gemacht haben, machen es auch weiterhin“, sagt Carina Abel über die Kurzreisen zu populären Zielen wie Barcelona oder Mallorca. Von Flugscham in Deutschland hat die Fachfrau aus dem Haller Reisebüro Flugbörse bei den Kunden noch nichts bemerkt. „Alles ist wie davor.“

Seitdem es die Umweltdebatte ums Fliegen gibt, stellt Alexandra Scheuermann vom Gaildorfer Reiseparadies im alten Rathaus keinen Rückgang der Buchungen fest. „Alles ganz normal“, so ihr kurzes Resümee. Unterm Strich stelle sie aber schon fest, dass insbesondere Familien es vorziehen, mit dem Auto nach Kroatien zu fahren, als an das Urlaubsziel zu fliegen. Alexandra Scheuermann führt das allerdings nicht auf Umweltschutzgründe zurück, sondern auf finanzielle Aspekte. Das Fliegen sei in den zurückliegenden Jahren nach und nach teurer geworden.

Die Pleite von Thomas Cook – ein Leitartikel von Thomas Veitinger Reisen verändert

Ulm

Bei Kreuzfahrten ist das Klima eher Thema

Mehr Sorgen um die Umwelt scheinen sich Passagiere zu machen, die eine Kreuzfahrt buchen wollen. „Es gibt Gesellschaften, die klimaneutrale Kreuzfahrten anbieten. Wer Bedenken hat, bucht bei diesen“, berichtet Tanja Zurek aus ihrer Erfahrung. „Bei Kreuzfahrtbuchungen wird schon eher mal nach dem Umwelt-Aspekt gefragt“, beobachtet auch Alexandra Scheuermann vom Gaildorfer Reiseparadies.

Ob Kunden die Umweltschäden, die durch ihre Flugreisen entstehen, kompensieren, können die lokalen Reisebüros nicht wissen. Online-Portale bieten die Möglichkeit, die Beeinträchtigungen auszugleichen. Sie beziffern für jede Reise den entstehenden Umweltschaden. Diesen können die Kunden ausgleichen. Mit ihrem Geld werden Aufforstungen, Wind- und Solarparks unterstützt.

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Euro kostet es pro Passagier, den CO2-Ausstoß eines Hin- und Rückflugs von Stuttgart nach Palma de Mallorca zu kompensieren. Die Anbieter investieren in Klimaschutzprojekte, Technologie und Armutsbekämpfung.

Private und geschäftliche Reisen


Wie die Datenbank Statista ermittelt hat, reisten im vergangenen Jahr 2,47 Millionen Menschen in Deutschland aus geschäftlichen Gründen mit dem Flugzeug, 23,7 Millionen aus privaten. Doch dies sagt nichts darüber aus, wie viele Flüge aus geschäftlichen, wie viele aus privaten Gründen unternommen werden. Manche Geschäftsleute sind jede Woche mit dem Flugzeug unterwegs, manche Urlauber dagegen nur einmal im Jahr. just