Covid-19 hat in den Halbjahresstatistiken der angefragten Krankenkassen keine nennenswerten Ausreißer nach oben verursacht. Der wegen der Corona-Pandemie befürchtete massenhafte Ausfall von Arbeitskräften ist ausgeblieben.
Die Techniker Krankenkasse, die ihre Daten landesweit aufbereitet, registrierte Ende März mit 5,78 Prozent zwar einen auffallend hohen Krankenstand, danach sind die Krankmeldungen jedoch deutlich zurückgegangen. Ende Juni lag der Krankenstand in Baden-Württemberg nur noch bei 2,97 Prozent und damit niedriger als in den Vorjahren 2019 (3,21) und 2018 (3,29).

Diagnose Covid-19 sehr selten

Krankmeldungen aufgrund einer Covid-19-Infektion spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich bei 0,03 Prozent der TK-Versicherten im Land war Ende März diese Diagnose Grund der Krankschreibung. Und dieser Anteil sank im Mai und Juni sogar auf 0,01 Prozent.
Die AOK, die ihre Daten aufgrund ihrer besonderen Struktur lokal differenzierter erfasst, meldet für die Region Heilbronn-­Franken einen leichten Anstieg des Krankenstandes um 0,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 kletterte er von 5,5 auf 5,7 Prozent (Hall: Anstieg von 5,3 auf 5,7 Prozent). Das Plus bei den Krankmeldungen im März, April und Mai sei unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass sich Betroffene bei leichten Atemwegsinfekten vorsichtshalber telefonisch krankmelden konnten. Im Hohenlohekreis, der als Corona-Hotspot galt, lag der Anteil der Krankmeldungen wegen einer Diagnose im Zusammenhang mit Covid-19 mit 2,1 Prozent höher im Vergleich mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (0,8 Prozent) und dem Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie dem Main-Tauber-Kreis mit jeweils 0,6 Prozent.

Weniger Krankschreibungen

Die durchschnittliche Krankheitsdauer lag im Landkreis Schwäbisch Hall pro Fall bei 11,6 Kalendertagen; die Zahl der Krankschreibungen unterschritt den Vorjahreswert um 11 Prozent. Platz eins bei den Ausfalltagen oder der Krankheitsdauer nehmen nach AOK-Angaben nach wie vor orthopädische Beschwerden ein, gefolgt von Atemwegserkrankungen. Auf Rang drei lag unverändert der Diagnosebereich Psyche, gefolgt von Verletzungen. Nach Fallzahlen ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Hier rangierten Beschwerden der Atemwege vor Muskeln und Skelett, Verdauung und Verletzungen.
Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) indes registrierte im März 2020 „rekordverdächtig“ viele krankheitsbedingte Arbeitsausfälle (bundesweit 7,1 Prozent gegenüber 5,6 Prozent im Vorjahresmonat). Frauen in Baden-Württemberg waren mit 12,4 Ausfalltagen 1,9 Tage länger krankgeschrieben als 2019. Auch bei den Männern stieg hier die Krankheitsdauer von 10 auf 11,7 Tage. Häufigster Grund für Krankschreibungen waren laut KKH Erkältungskrankheiten.
Mitarbeiter in der Kinderbetreuung und -erziehung sowie Alten- und Krankenpfleger beziehungsweise Krankenschwestern waren davon am häufigsten betroffen. Die Zahlen lassen vermuten, dass in der Pandemie-Hochphase viele Arbeitnehmer bei Corona-ähnlichen Symptomen zu Hause geblieben sind, um andere Menschen nicht zu gefährden. Bezeichnend: Mit zunehmender Lockerung der Corona-Regeln sank auch der Krankenstand wieder deutlich, im Mai und Juni war er sogar etwas niedriger als in den Vorjahresmonaten.

Aus Angst zum Arzt

Die KKH registrierte zudem deutlich mehr (plus 80 Prozent) psychische Erkrankungen. Es sei denkbar, dass viele Menschen aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit, der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen nicht zurechtkamen und deshalb bereits während der Pandemie einen Arzt aufsuchten.
Die vorläufige Auswertung der Daten der „Barmer“ rundet das Bild ab, dass es keinen signifikanten coronabedingten Peak in der Krankenstatistik gibt. Im 1. Halbjahr 2020 meldeten sich hier sogar 0,04 Prozent Versicherte weniger krank als im Vorjahreszeitraum. Die Kasse verweist darauf, dass es noch zu Nachmeldungen kommen kann.

80


Prozent mehr psychische Erkrankungen verzeichnete die KKH im ersten Halbjahr 2020. Die Fallzahlen stiegen von 14 600 im Vorjahreszeitraum auf  rund 26 700 in der ersten Hälfte dieses Jahres.