Eine Frage treibt die Hohenloher mächtig um. Was passiert im medizinischen Notfall, wenn das Krankenhaus in Künzelsau am 15. November schließt? Viele Bürger befürchten, dass eine qualitativ gute Versorgung rund um die Uhr dann nicht mehr gewährleistet sein wird. Was sind die Fakten? Sind weitere Fachärzte in Künzelsau überhaupt nötig, die mit einem zusätzlichen Dienst Bereitschaftslücken nachts und an Wochenenden schließen sollen?

Diese und ähnliche Fragen lagen bei der jüngsten Sitzung des Kreistags in der Luft, als der aktuelle Stand in Sachen ambulantes Gesundheitszentrum auf der Tagesordnung stand. Die kontroverse Debatte zeigte: Das Thema Notfallversorgung ist komplex und breit gefächert und lässt sich nicht allein auf die Notfall-Ambulanz im Krankenhaus begrenzen, die ab Freitag Geschichte sein wird.

Vielmehr gelte es, Notfälle nach ihrer Schwere zu klassifizieren und die zur Verfügung stehenden Hilfearten unter die Lupe zu nehmen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Sachverhalte bei der Notfallversorgung oft durcheinandergebracht oder absichtlich so zugespitzt werden, dass den Menschen Angst und Bange werden kann.

Freie-Wähler-Rat: Kreisrat Anton Baron „schürt Ängste“

Die AfD treibt dieses Spiel besonders gerne. „Ihre Grafik suggeriert, dass ein 24/7-Notfalldienst da sein sollte. Tatsächlich ist das gar nicht der Fall, weil die Krankenhausbetten weg und Eingriffe deshalb gar nicht mehr möglich sind“, meinte etwa Kreisrat Anton Baron. Landrat Matthias Neth konterte: „Schwere Notfälle kommen schon bisher nicht ins Krankenhaus in Künzelsau, sondern ins Caritas nach Bad Mergentheim oder ins Diak nach Hall.“ Das entscheide allein der Notarzt und Rettungsassistent, „und nicht der Träger“, so Neth.

Auch Thomas Dubowy, Kreisrat der Freien Wähler, fand es „ganz schrecklich“, wie AfD-Mann Baron Ängste schüre, die faktisch unbegründet seien. „Weil keine Chirurgie da ist, war das Krankenhaus Künzelsau nicht mehr so präsent im Notdienst. Es wurden deshalb überhaupt keine Schlaganfälle und Herzinfarkte behandelt. Die Versorgung in anderen Häusern ist gewährleistet.“

Tatsächlich waren 2018 in der Notfallaufnahme des Krankenhauses die häufigsten Diagnosen Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen und Insektenstiche. Demgegenüber stehen 100 Verdachtsfälle auf Herzinfarkt. Von den 36 tatsächlichen Herzinfarkten waren 26 leichtere Fälle und zehn lebensbedrohlich, die freilich gar nicht vor Ort behandelt werden konnten. Sprich: Über den DRK-Rettungsdienst und die Notfallnummer 112 wären diese Fälle ebenfalls nicht im Künzelsauer Krankenhaus gelandet.

Rettungsdienst des Roten Kreuzes ist unabhängig

Der Rettungsdienst des Roten Kreuzes ist völlig unabhängig und trifft seine Entscheidungen auch so. Dies scheint AfD-Kreisrat Anton Baron zu wissen. Er forderte, der Landkreis müsse Einfluss darauf nehmen, dass die Hilfsfristen erfüllt und zusätzliche Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge angeschafft werden. „Dafür sind wir nicht zuständig, das ist Sache des Bereichsausschusses“, wies ihn Landrat Neth zurecht. Deshalb lief Barons Antrag ins Leere.

Gleichwohl begrüßt es der Kreis, dass der Bereichsausschuss am 25. November diese Punkte thematisieren wird und die „Rettungsmittel womöglich aufgestockt werden“.

Klar ist bereits, dass alle drei Notarztwagen in Künzelsau ab Dezember 2019 technisch so aufgerüstet werden, dass die Diagnosen von Notfallpatienten sofort an die aufnehmende Klinik übermittelt werden.

Neben der DRK-Rettungswache in Künzelsau, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, der Notfallpraxis und der Aufnahme von Notfällen im neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) sind ab dem 15. November drei Fachärzte abends und nachts in der Klinik erreichbar, wo das MVZ seinen Platz haben wird. So soll die ärztliche Notfallbereitschaft rund um die Uhr gewährleistet sein.