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Crailsheim
Schwäbisch Hall / Marcus Haas  Uhr
Wird das Klinikum Crailsheim in den Diakoneo-Krankenhausverbund integriert? Ein Angebot liegt vor. Landrat Gerhard Bauer hat es erst mal abgelehnt.

Seit Juli gibt es das Unternehmen Diakoneo. Hall und Neuendettelsau verschmolzen zum größten diakonischen Unternehmen in Süddeutschland. Zum Verbund zählen mit dem Haller Diakonie-Klinikum sechs Krankenhäuser. Das Klinikum Crailsheim könnte als weiteres dazukommen.

„Wir haben ein Angebot zur Zusammenarbeit mit einer gesellschaftsrechtlichen Verbindung der beiden Krankenhäuser im Landkreis Schwäbisch Hall vorgelegt“, macht Dr. Mathias Hartmann deutlich. Der Diakoneo-­Chef nennt ein Gespräch zwischen Landrat Gerhard Bauer, Klinikum-Crailsheim-Geschäftsführer Werner Schmidt, Diakoneo-Vorstand Michael Kilb und ihm. Der Vorstandsvorsitzende erläutert Bausteine des Angebots.

Für die Einführung des neuen Namens werden allein in diesem Jahr 200.000 Euro ausgegeben.

Das Klinikum Crailsheim soll in den Diakoneo-Klinikverbund integriert werden und Diakoneo die Mehrheit an der Landkreis Schwäbisch Hall Klinik gGmbH halten. Es würde eine gemeinsame Geschäftsführung des Klinikums Crailsheim und des Haller Diaks unter Federführung von Diakoneo geben und ein Beirat „Gesundheitsversorgung im Landkreis“ eingeführt. Es soll ein Zehnjahresplan für Betrieb und Investition entwickelt werden, der Ausgleich und Abbau der Defizite für das Klinikum Crailsheim regelt. Für die Klinikum-Mitarbeiter bleibe Tarifbindung, betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen.

„Ich habe eine Übernahme des Landkreisklinikums durch Diakoneo ohne mitentscheidenden Einfluss des Kreises abgelehnt und deutlich gemacht, dass ich aufgrund der schlechten Erfahrungen mit der im Jahr 2011 gescheiterten Gesundheitsholding dafür im Kreistag keine politischen Mehrheiten erkennen kann“, reagiert Landrat Gerhard Bauer enttäuscht. Das Ziel, dass der Landkreis die stationäre Versorgung partnerschaftlich mitgestaltet, könne so nicht erreicht werden. Er könne nicht akzeptieren, dass der kommunale Krankenhausträger nur mitreden dürfe und „der kirchliche Krankenhausträger am Ende alleine bestimmt, ohne Verantwortung für das Defizit zu tragen“. Der Landrat will Augenhöhe und favorisiert eine gemeinsame Dachgesellschaft, die beide Krankenhäuser steuert und an der die Gesellschafter Landkreis und Diakoneo gleiche Anteile halten.

„Wir brauchen die Mehrheit“, betont Hartmann und versucht einen Grund per Bild zu veranschaulichen. Die Handelnden seien im Krankenhausbereich im Sturm unterwegs, müssten schnell entscheiden und handeln. Im Landratmodell müsste der Kapitän immer wieder auf der Brücke für Kompromisse diskutieren. Der Vorstandsvorsitzende sieht große Vorteile durch den Verbund. In Crailsheim könnte beispielsweise eine Spezialisierung entwickelt, überregional angeboten und dadurch höhere Fallzahlen gewonnen werden.

Das Crailsheimer Krankenhaus soll ein zweites Herzkatheterlabor bekommen. Der Kreistag entscheidet Ende Juni.

Hartmann macht auf Medizincontrolling und Informationstechnologie aufmerksam, wo sich viel Geld sparen lasse. Insgesamt sieht er durch die gesellschaftsrechtliche Verflechtung die Chance auf sinkende Defizite durch abgestimmte Leistungen und Synergieeffekte. Diese seien aber nur zu heben, wenn Diakoneo die Mehrheit halte. Die sei notwendig für das schnelle operative Handeln der Geschäftsführung, für Personalaustausch, strukturübergreifende Dinge, die gut geregelt werden müssten. Zudem könnten grundsätzliche, wichtige Entscheidungen vorab im Gesellschaftervertrag so geregelt werden, dass ein einstimmiger Beschluss notwendig wäre. Beispielsweise, wenn es um die Schließung von Abteilungen, um Veränderungen am Medizinkonzept geht.

Wie geht es weiter? Landrat Bauer hat alle Mitarbeiter des Klinikums Crailsheim und die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags zum aktuellen Sachstand informiert. Unabhängig der Option der gesellschaftlichen Verflechtung laufen Gespräche zwischen Geschäftsführern und Ärztlichen Direktoren von Klinikum Crailsheim und Haller Diak, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Ergebnisse fließen in den Abschlussbericht der laufenden Untersuchung des Institute for Health Care Business, mit der das medizinische Konzept und strategische Handlungsmöglichkeiten weiterentwickelt werden. Der Bericht soll am 22. Oktober im Kreistag Thema sein.

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Recaro übernimmt nicht alle Mitarbeiter, deren Verträge auslaufen. Das Haller Unternehmen verteidigt diesen Schritt. Flexibilität sei gefragt, auch weil Kunden Aufträge zurückstellen.

Der neue Aufsichtsrat von Diakoneo gründet sich am 24. September

Die neue Führungsstruktur von Diakoneo besteht aus Kuratorium, Aufsichtsrat und Vorstand. Kuratorium und Aufsichtsrat werden zu zwei Dritteln von Neuendettelsau, zu einem Drittel von Hall besetzt. Das Kuratorium wählt den neuen Aufsichtsrat (8 Mitglieder aus Neuendettelsau und 4 aus Hall), zu dem ein neues Vorstandsgremium gehört (6 Vorstände). Einer der Vorstände ist der Haller Diak-Chef Michael Kilb, der den Bereich Gesundheitsversorgung mit sechs Krankenhäusern leitet. Der neue Aufsichtsrat wird sich noch gründen. „Die konstituierende Sitzung ist am 24. September“, sagt Dr. Mathias Hartmann. Informationen dieser Zeitung, dass der Haller OB Hermann-Josef Pelgrim nicht in den neuen Aufsichtsrat gewählt wurde, will der Diakoneo-Chef nicht bestätigen und verweist auf seine Schweigepflicht. Ebenso gilt das für die Info, dass statt Pelgrim das Bausparkassenvorstandsmitglied Jürgen Gießler gewählt worden sei.

Diakoneo gibt einen Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro an. Es hat rund 10 000 Mitarbeiter und mehr als 200 Einrichtungen für Kinder, Senioren, Menschen mit Behinderung und Schulen in Bayern, Baden-­Württemberg und Polen. Im Bereich Gesundheit sind sechs Kliniken mit 1250 Betten miteinander verbunden. Neben dem Haller Diak zählen dazu die Clinic Neuendettelsau (Grund- und Regelversorger), Rangauklinik Ansbach (Fachklinik Lungenheilkunde), Klinik Hallerwiese Nürnberg (deutschlandweit eine der größten Geburtskliniken), Cnopfsche Kinderklinik Nürnberg, Krankenhaus Schwabach (Grund- und Regelversorger, 75 Prozent bei Neuendettelsau und 25 bei Stadt Schwabach). cus