Kirchberg Krach um die Bauernschule Hohenlohe

Nach dem Einzug der Bauernschule in das Kirchberger Schloss im November 2015 halten Hartmut Heilmann (links) und Rudolf Bühler ein Bild Fritz Strempfers hoch.
Nach dem Einzug der Bauernschule in das Kirchberger Schloss im November 2015 halten Hartmut Heilmann (links) und Rudolf Bühler ein Bild Fritz Strempfers hoch. © Foto: Hartmut Volk
Kirchberg / Erwin Zoll 12.02.2019
Um die geistige Nachfolge Fritz Strempfers, des Vaters des biologisch-dynamischen Landbaus in Hohenlohe, ist ein erbitterter Streit entbrannt, den Hartmut Heilmann und Rudolf Bühler austragen.

Im November 2015 herrschte noch eitel Sonnenschein. Nachdem die Stiftung Haus der Bauern das Kirchberger Schloss gekauft hatte, um darin unter anderem eine Akademie für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft einzurichten, zog auch die Bauernschule Hohenlohe von Weckelweiler in das Schloss um. Sie kehrte damit zu ihren Ursprüngen zurück. Dort hatte Fritz Strempfer 1949 die Bauernschule gegründet, an der er die Grundlagen des biologisch-­dynamischen Landbaus nach den Lehren Rudolf Steiners unterrichtete. Die Bauernschule, die 1960 nach Weckelweiler umsiedelte, wurde zur Keimzelle der ökologischen Landwirtschaft in Hohenlohe und darüber hinaus.

Hartmut Heilmann, der Vorsitzende des Vereins „Bauernschule Hohenlohe e. V.“, und Stiftungschef Rudolf Bühler als Hausherr nahmen sich im November 2015 vor, zusammenzuarbeiten und das Vermächtnis Fritz Strempfers gemeinsam hochzuhalten. Von dieser Gemeinsamkeit ist nichts übrig geblieben.

Der Krach hat viele Facetten

Der Streit dreht sich um viele Fragen. Es geht um die Arbeit der Bauernschule, um Geld und um die Frage, wer der legitime Nachfolger Fritz Strempfers ist. In allen entscheidenden Fragen, die auch das Amtsgericht Ulm und das Landgericht Ellwangen beschäftigt haben, gibt es gegenteilige Aussagen der Beteiligten.

So bestreitet Rudolf Bühler, dass Hartmut Heilmann der rechtmäßige Vorsitzende des Vereins Bauernschule Hohenlohe sei. Er sei nicht in einer ordnungsgemäßen Mitgliederversammlung gewählt worden, er sei noch nicht einmal Mitglied des Vereins. Im Februar 2018 hatte Bühler beim Amtsgericht Ulm als dem für das Vereinsregister zuständigen Gericht beantragt, ihn zur Einberufung einer Mitgliederversammlung zu ermächtigen, auf der ein neuer Vorstand gewählt werden sollte. Das Gericht hat dies in zwei Beschlüssen abgelehnt – unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass Heilmann im Vereinsregister als legitimer Vorsitzender eingetragen ist und der Vorstand schon selbst zu einer Mitgliederversammlung eingeladen habe.

Ausgelöst hatte die Auseinandersetzungen offensichtlich der Rücktritt des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Hubert Krimbacher im September 2017, der seinen Schritt unter anderem mit kriminellen Machenschaften im Umgang mit einer Erbschaft begründet hatte. Die Arbeit der Bauernschule könne er aus moralischen Gründen nicht mehr mittragen. Weitere Vorstandsmitglieder folgten und traten ebenso zurück.

„Besorgte Mitglieder“

In der Folge bildete sich ein „Quorum besorgter Vereinsmitglieder“, für das Rudolf Bühler, der Mitglied des Vereins Bauernschule Hohenlohe ist, die Rolle eines Sprechers übernahm. Sein Vorwurf: Unter Hartmut Heilmann habe es bei der Bauernschule fast keine Aktivitäten mehr gegeben, das Vereinsvermögen sei jedoch verbraucht worden und das Schulgebäude in Weckelweiler verkauft.

Martin Schäfer aus Neuenstein, der dem Vorstand des Bauernschul-Vereins nach eigenen Angaben als Vertreter des Demeter-Bunds Baden-Württemberg angehört und von Hartmut Heilmann als sein Stellvertreter bezeichnet wird, stellt die Dinge völlig anders dar. Den Vorwurf, die Bauernschule sei nicht aktiv, weist er zurück. Die Schule habe stets ein Programm aufgestellt, die Themen mit biologisch-dynamischem Hintergrund fänden jedoch nicht so großen Zulauf. Die Erbschaft war laut Schäfer an die Bedingung geknüpft, dass die Bauernschule wieder biologisch-­dynamische Themen verfolge. Dies sei gelungen, nachdem Hartmut Heilmann 2012 den Vorsitz übernommen habe. Mit der Erbschaft habe die Bauernschule ihre Arbeit fortsetzen können.

In einer vom Vorstand der Bauernschule formulierten Erklärung vom 7. Januar 2019 heißt es, das Vereinsvermögen sei im Jahr 2012 unbedeutend gewesen. „Hartmut Heilmann sorgte durch biologisch-dynamische Kursarbeit für die Erlangung der Erbschaft.“ Deren Höhe wird in der Erklärung mit 113.000 Euro angegeben. Dem Verkauf der Gebäude habe ein Beschluss der Mitgliederversammlung zugrunde gelegen. Der jährlich geprüfte Kontenverlauf zeige lückenlos Herkunft und Verbleib aller Gelder, heißt es in dem Schriftstück.

Mit der Frage, ob die Gelder des Vereins ordnungsgemäß verwendet wurden, hat sich im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft Ellwangen beschäftigt. Sie leitete gegen Hartmut Heilmann ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue ein. Das Verfahren wurde am 20. Dezember eingestellt – die Ermittler hatten nichts gefunden, was sie dem beschuldigten Agraringenieur zur Last hätten legen können. Allerdings liegt gegen die Einstellung des Verfahrens eine Beschwerde vor, über die noch nicht entschieden ist.

Eine besondere Rolle in den Auseinandersetzungen spielt eine Mitgliederversammlung, zu der die Bauernschule nach Brettheim eingeladen hatte. Am 24. März 2018 wurde dort ein neuer Vorstand gewählt und beschlossen, die Zusammenarbeit mit der Stiftung Haus der Bauern einzustellen. Die „besorgten Mitglieder“ bestritten jedoch, dass zu dieser Versammlung ordnungsgemäß eingeladen worden sei; die dort gefassten Beschlüsse seien deshalb ungültig. Insbesondere zweifelten sie an, dass die Mitgliederliste korrekt geführt wurde.

Vor dem Landgericht Ellwangen schlossen die streitenden Parteien im August 2018 einen Vergleich, nachdem eine Mitgliederversammlung gemeinsam vorbereitet werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht – Hartmut Heilmann und Rudolf Bühler beschuldigen sich gegenseitig, diese Versammlung torpediert zu haben.

Neuen Verein gegründet

Stattdessen haben die „besorgten Mitglieder“ am 14. Januar in einer eigenen Versammlung im Kirchberger Schloss den Verein „Fritz-Strempfer-Bauernschule“ gegründet und dabei Helga Schöll aus Brunzenberg zur Vorsitzenden gewählt, die vor 2005 acht Jahre lang Vorsitzende der Bauernschule gewesen war. Sie betrachtet sich nach eigenem Bekunden als „Ziehtochter Fritz Strem­pfers“. „Wir wollen zurück zu den Wurzeln“, sagt Schöll, „wir wollen, dass hier wieder Kurse stattfinden und die Leute nicht bis an den Bodensee fahren müssen.“

Martin Schäfer dagegen sieht in der Neugründung einen Versuch der Stiftung, die Bauernschule zu übernehmen und in die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft zu integrieren. Hartmut Heilmann spricht vom Versuch einer „feindlichen Übernahme“.

Für Rudolf Bühler steht die „Fritz-Strempfer-Bauernschule“ für einen Neubeginn, mit dem Fritz Strempfers Erbe geehrt und weitergetragen werden solle. „Es wäre wichtig, dass sich auch Hartmut Heilmann wieder mit einbringt und mitwirkt“, erklärte Bühler der Zeitung.

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Fritz Strempfer und die Wurzeln der Bauernschule Hohenlohe

Fritz Strempfer wurde 1907 als Sohn einer Bauernfamilie in Weckelweiler geboren. Er besuchte die Winterschule in Blaufelden und die Bauernschule in Serach bei Esslingen. Später übernahm er, der eigentlich Lehrer werden wollte, den Hof seiner Eltern.

In Weckelweiler gründete Strempfer die „Jugendhilfe Land“, die sich um entwurzelte Jugendliche kümmerte. Aus dieser Einrichtung sind die Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler hervorgegangen, eine Einrichtung für Behinderte.

1949 rief Strempfer mit dem Bauernverband die Bauernschule Hohenlohe ins Leben, die zunächst im Kirchberger Schloss untergebracht war, dann in eine umgebaute Scheune auf Strempfers Hof umzog. Die Bauernschule wurde zur Keimzelle der biologisch- dynamischen Wirtschaftsweise, auf die Strempfer seinen eigenen Hof 1952 umstellte. Die Landwirte, die seinem Vorbild folgten, holten sich das Rüstzeug in den Kursen der Bauernschule. Fritz Strempfer starb 2003 im Alter von 96 Jahren. erz

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