KOMMENTAR: Sorge um die Städter

KARSTEN DYBA 19.02.2013

Es gibt Leute, die sprechen Nikolaos Sakellariou im Zug nach Stuttgart an und klopfen ihm anerkennend auf die Schulter. Das braucht er auch. Denn sein Begehren birgt Zündstoff für Stammtische: Alkohol auf öffentlichen Plätzen verbieten? Dann gäbe es keine Muswiese, keinen Fasching und kein WM-Fandorf.

Wird die SPD zur Spaßbremse? Und Baden-Württemberg zum Polizeistaat? Weit gefehlt: Reguläre Feste, die ohnehin unter entsprechenden Auflagen der Ordnungsämter stattfinden, hat Sakellariou nicht im Visier. Er wendet sich gegen Spontanpartys, die in Straftaten münden, wie dies derzeit gehäuft in großen Städten wie Freiburg oder Konstanz auftritt.

Doch braucht es für jedes Phänomen ein neues Polizeigesetz? Spontanpartys gebe es in unserem Landkreis nicht, sagt die Polizei. Tatsächlich gibts bei uns drängendere Probleme. Wie will die SPD ihr Anliegen vermitteln? Sie läuft dabei Gefahr, von der Opposition erneut dafür gerügt zu werden, sich nur der Sorgen der Städter anzunehmen. Der ländliche Raum liegt, so scheints, nicht gerade im Fokus der Regierungsparteien.