Kreßberg Königin unter Mikroskop künstlich befruchtet

Kreßberg / Guido Seyerle 05.06.2018
Internationale Spezialisten treffen sich in Leukershausen. Ziel der Experten ist die Zucht von varoamilbenfreien Bienenstöcken.

Das Bienenzentrum in Leukershausen hat seinem Namen in den vergangenen Tagen alle Ehre gemacht. Es fehlte eigentlich nur noch der Zusatz „internationales“. Imker aus drei Ländern arbeiteten dort weiter an ihrer Vision der Varoa-Milben freien Imkerei. Der Weg dorthin ist noch lang. Aber ein weiterer kleiner Schritt erfolgte in den drei Tagen rund um das Backhäusle in der seit mehreren Jahren laufenden Forschung. Mit dabei: ein tschechischer Professor, eine österreichische Vereinsvorsitzende und ein deutscher Imker. Und Reinhold Kett, der für die Logistik und Betreuung sorgte.

Die Varoa-Milbe ist ein Parasit, der an Honigbienen lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Sie wurde vor rund vier Jahrzehnten nach Europa eingeschleppt. Dadurch kam das seit Jahrhunderten stabile Ökosystem „Bienenstock“ ins Ungleichgewicht. Die Milben schädigen nicht nur die Larven, sondern übertragen auch Viren. Im Gegensatz zum Menschen haben Bienen kein Immunsystem entwickelt. „Jedes Volk schützt sich durch die selbst gebildete Propolis“, erklärt Matthias Arndt (59) aus Schwäbisch Gmünd. „Dies ist eine Art stockeigenes Antibiotikum.“ Susanne Mottinger-Kroupa, die österreichische Vorsitzende des Buckfast-Verbands, ergänzt: „Die Milbe vermehrt sich innerhalb von 21 Tagen bis zu 1,6 Mal, das schädigt den Stock extrem. Doch es gibt dabei große Unterschiede.“

Bei der Buckfast-Biene handelt es sich um eine Zuchtrasse der Westlichen Honigbiene, die seit 1916 gezüchtet wird. Bei der weiteren Zucht streben Mottinger-Kroupa, Arndt und ihre Mitstreiter eine gezielte Vermehrung an. „Bienenköniginnen paaren sich in 40 Metern Flughöhe mit 20 bis 25 Drohnen“, erklärt Arndt. „Manchmal hört man sogar das Platzen der Drohne nach dem Geschlechtsakt, denn fast alle bezahlen diesen mit ihrem Leben.“ Für die Zucht stellt sich die Herausforderung, dass man nicht weiß, mit welchen Männchen sich die Königin gepaart hat – die Königin verfügt über eine Art Tank, aus dem sie nach diesem einmaligen Begattungsflug für den Rest ihres Lebens das Sperma zum Befruchten ihrer Tausenden von Eiern entnehmen wird. Spezialisten wie der tschechische Universitätsprofessor Dalibor Titera haben sich auf die künstliche Befruchtung unter dem Mikroskop spezialisiert. „Das ist kompliziert, Titera gehört zu den Besten weltweit“, sagt Mottinger-Kroupa.

Bei der künstlichen Befruchtung darf man nicht zart besaitet sein. Ausgewählten und besonders gesunden Drohnen wird das Genick gebrochen, dann entnimmt man mit einer Pipette kleinste Mengen von Sperma. Die Königin wird mit Kohlendioxid betäubt und in eine Vorrichtung gespannt, nur ihr Hinterteil bleibt frei. Dann wird der Samen einer Drohne eingeführt. Dadurch weiß der Züchter genau, welche Tiere sich gepaart haben und kann mit der folgenden Generation gezielt weiterzüchten.

Der Professor rechnet dabei pro behandelter Königin rund 20 Euro ab. Doch die „Besamungsgebühr“ ist noch der geringste Aufwand. Die Züchter müssen zum Beispiel dafür sorgen, dass die Bienenkönigin jungfräulich und zirka acht bis zehn Tage alt ist, die Drohnen sollten mindestens zehn Tage geflogen sein. Ob dadurch eine gesunde Nachzucht entstanden ist, wird sich erst in den kommenden Monaten herausstellen. „Ohne Bienen würde es 90 Prozent weniger Obst geben“, erklärt Kett. „Der Züchtungsaufwand ist enorm, aber er wird sich lohnen.“

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