Die Pläne zur Gesundheitsversorgung schlagen im Hohenlohekreis weiter hohe Wellen. Mit Chefarzt Dr. Andreas Kühn wechselt ein namhafter Mediziner von der Hohenloher Krankenhaus gGmebH zu Professor Christoph Karle ins neu entstehende Ärztehaus auf Schloss Stetten.  Damit machen Bauherr Christian von Stetten und der Herzspezialist Karle Nägel mit Köpfen, während noch kein Konzept für das neue Gesundheitszentrum vorliegt.

Das Konzept für das Gesundheitszentrum sollte eigentlich dann umgesetzt werden, wenn die Klinik Künzelsau geschlossen wird. Kühn sollte in diesem Haus eigentlich eine wichtige Funktion einnehmen.  Jetzt hat Kühn zum 31. März 2020 gekündigt.

„Kühn wird bis zu diesem Zeitpunkt die stationäre Versorgung am Standort Öhringen sicherstellen. Außerdem bietet er bis dahin die ambulante Schmerztherapie in Künzelsau an“, bestätigt Ute Emig-Lange, Sprecherin der BBT-Gruppe, die Personalie. Die BBT ist Mehrheitsgesellschafter der Hohenloher Krankenhaus gGmbH und einer der größten christlichen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland. Bereits im Juni war bekannt geworden, dass Thomas Weber, Regionalleiter für Tauberfranken-Hohenlohe, die BBT-Gruppe verlässt und als Geschäftsführer zu den SLK-Kliniken nach Heilbronn wechselt.

Wechsel auf Schloss Stetten

Aufhorchen lassen jetzt die Zukunftspläne von Kühn, der Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie ist. Er soll in das neue Ärztehaus auf Schloss Stetten wechseln, das derzeit gebaut wird. Bereits im kommenden Jahr will dort Professor Dr. Christoph Karle eine neue Praxis mit zwei Operationsräumen, Herzkatheder und Computertomografen eröffnen. Die derzeitigen Räume in Künzelsau sind für den Herzspezialisten, der sich weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus einen Namen gemacht hat, längst zu eng geworden.

Erbaut wird das rund 6000 Quadratmeter große Ärztehaus mit drei Gebäuden von der Stetten Bau GmbH, deren Geschäftsführer Christian von Stetten ist. Stetten ist nicht nur Bundestagsabgeordneter sondern auch Stadtrat, Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister der Stadt Künzelsau. Einen Interessenskonflikt sieht er nicht. „Professor Karle ist seit 15 Jahren Mieter in unserem Gebäude in der Amrichshäuserstraße. Dort bestehen keine Erweiterungsmöglichkeiten und deshalb stellen wir ihm neue Räume in Schloss Stetten zur Verfügung. Wir brauchen eine gute medizinische Versorgung in Künzelsau, wo die Einrichtungen stehen, ist zweitrangig“, betont von Stetten. „Hauptsache ist, dass Koryphäen und Spezialisten wie Karle nicht in Großstädte wir München oder Berlin abwandern“, ergänzt der 49-Jährige.

Kampf zweier Standorte im „kleinen“ Künzelsau

Kreisrat und Allgemeinmediziner Thomas Dubowy sieht das anders. „Es erschwert die Situation, wenn innerhalb eines so kleinen Ortes zwei Strukturen aufgebaut werden. Und ob Kocherstetten der richtige Standort für ein Ärztehaus ist, bezweifle ich.“ Zudem kämpften dann zwei Standorte um die wenigen freien Ärzte und Arztsitze, die man braucht, will man ein schlagkräftiges Gesundheitszentrum in Künzelsau auf die Beine stellen.

„Wir zerstören Struktur“

Dr. Andreas Eckle sieht seine Befürchtungen bestätigt: „Wir zerstören gerade eine gut funktionierende Struktur im ländlichen Raum“, kritisiert er die aktuellen Entwicklungen. Der langjährige ärztliche Direktor am Hohenloher Krankenhaus in Künzelsau hatte mit seinen Mitstreitern in der Bürgerinitiative „Wir sind HK“ 36 Demonstrationen für den Erhalt der Klinik auf die Beine gestellt.

Am 15. November ist Schluss für die Künzelsauer Klinik

Nun wächst der Druck auf die BBT-Gruppe und den Hohenlohekreis als Mitgesellschafter. Bürgermeister Stefan Neumann hatte bereits Mitte Oktober in einem offenen Brief an Landrat Matthias Neth kritisiert, dass immer noch kein Konzept für das geplante Gesundheitszentrum in Künzelsau vorliege. Kurz zuvor hatte die BBT-Gruppe bekannt gegeben, dass die Klinik Künzelsau bereits am 15. November schließt. Eigentlich sollte das Krankenhaus bis Ende des Jahres geöffnet sein.

In der nächsten Kreistagssitzung am 4. November will Thomas Wigant, Regionalleiter der BBT-Gruppe in der Region Tauberfranken-Hohenlohe, das Konzept für das Gesundheitszentrum in Künzelsau vorstellen. „Wir können den Kreistag nicht übergehen“, bittet Wigant um Verständnis für die Verzögerung.

Steigende Kosten: Sorgen um Krankenhaus-Neubau in Öhringen

Unterdessen werden unter Experten Befürchtungen laut, dass der geplante Neubau in Öhringen wackelt. Grund sind die Kostensteigerungen. Die ursprünglich veranschlagten 100 Millionen Euro würden nicht ausreichen. Weder BBT-Gruppe noch Matthias Neth wollten dazu eine Stellungnahme abgeben.

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