Landkreis Kleinkindbetreuung: Auf dem Land gibt es noch Luft

Politiker-Rummel am Montag im Kinderhaus Hagenbach: Familienministerin Christina Schröder besucht die Schwerpunkt-Kita und probiert sich mit Halls Erster Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und dem Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten an den großen Bauklötzen. Ab morgen haben alle Kinder das Recht auf einen Kita-Platz.
Politiker-Rummel am Montag im Kinderhaus Hagenbach: Familienministerin Christina Schröder besucht die Schwerpunkt-Kita und probiert sich mit Halls Erster Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und dem Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten an den großen Bauklötzen. Ab morgen haben alle Kinder das Recht auf einen Kita-Platz. © Foto: Ufuk Arslan
Landkreis / SIGRID BAUER 31.07.2013
Ab Donnerstag haben Kleinkinder das Recht auf einen Betreuungsplatz. In ländlichen Gemeinden scheinen die Plätze zu reichen. In Hall und Crailsheim gibt es genug Plätze, aber nicht unbedingt in der Wunsch-Kita.

Weil nicht alle Eltern für ihre Kleinkinder Betreuung brauchen, hat der Bund festgelegt, dass bis zum 1. August für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Platz zur Verfügung stehen muss. In Schwäbisch Hall deckt das den Bedarf nicht ganz. Laut Martin Kasper, dem persönlichen Referenten des Oberbürgermeisters, hat die Stadt momentan eine Quote von 36 Prozent. In Kürze steige sie auf 38,5 Prozent und in eineinhalb Jahren auf 45 Prozent.

"Den Richtwert erfüllen wir. Es gibt aber eine Warteliste wegen Vielfachanmeldungen und weil die Eltern ihre Kinder schon kurz nach der Geburt oder sogar früher anmelden", erklärt Kasper. Zum Eintrittsdatum sei in der Regel ein Platz frei, aber nicht unbedingt in der Wunsch-Kita.

An Fachkräften mangelt es nicht - noch nicht

Welche Entfernung zumutbar ist, sei rechtlich noch nicht geklärt, so der Referent. Bisher habe die Stadt, auch wegen der Fachschule vor Ort, noch keine Engpässe beim Personal. Aber die Zahl der Bewerbungen geht laut Kasper zurück. Grünen-Stadträtin Andrea Herrmann bestätigt das städtische Bemühen um einen Ausbau. "Ob es reicht? Ich glaube nicht. Deswegen müssen wir dran bleiben."

Crailsheim hat laut Stadtverwaltung derzeit keine Warteliste für Kinder unter drei Jahren. Drei Einrichtungen seien voll besetzt, aber in anderen gebe es noch viel Luft. Einen Mangel an Fachkräften gebe es bisher nicht. Nach einer Statistik des Landratsamts will die Stadt bis Ende des Jahres ihr Angebot auf 33,6 Prozent ausbauen.

Gaildorf hat nur 40 Plätze für Kleinkinder, was einer Quote von 21 Prozent entspricht. Im Kindergarten Großaltdorf sind zehn der 20 Plätze belegt. "Wir erhoffen uns mehr Nachfrage, wenn wir ab 2014 auf Ganztagesbetrieb umstellen", sagt Kämmerer Frank Zimmermann.

Die 20 Gaildorfer Kleinkindplätze im Kindergarten des Sonnenhofs sind belegt. Sie sind für Kinder mit Behinderung geeignet. Um auf 35 Prozent zu kommen, müsste die Stadt weitere 20 Plätze schaffen. Die Räume seien grundsätzlich vorhanden, so Zimmermann.

Nachfrage geringer als erwartet

Auch in Obersontheim ist die Nachfrage geringer als erwartet - "obwohl wir mit unserer Tarifgestaltung deutlich unter den Empfehlungen des Landesverbands bleiben", so Bürgermeister Siegfried Trittner. Die erste Gruppe mit acht bis zehn Kindern reiche noch. "Wir stehen aber Gewehr bei Fuß und sind räumlich und personell für eine zweite Gruppe vorbereitet."

In den Landgemeinden gibt es laut Trittner keine Probleme. Schwierig könnte es höchstens dann werden, wenn ein Schwung Kinder gleichzeitig einen Platz brauchen würde und die nächste Gruppe erst installiert werden müsste. Gehe es nur um ein oder zwei Plätze, könnten Zweieinhalbjährige schon in die nächste Gruppe wechseln. Die Bürgermeisterkollegen hätten vereinbart, dass sich Nachbargemeinden bei Bedarf gegenseitig helfen, so Trittner. Um Engpässe beim Personal zu vermeiden, gebe es in Obersontheim einen Ausbildungsplatz für angehende Erzieherinnen, die die neue praxisintegrierte Ausbildung absolvieren. Trittner: "Es ist wichtig, dass man ausbildet."

Grünen-Kreisrätin Beate Braun hat Bedenken, Kleinkinder zu früh in die Gruppe der über Dreijährigen aufzunehmen. Sie habe von Erzieherinnen erfahren, dass es beim Betreuungsbedarf einen großen Unterschied zwischen einem Kleinkind und einem älteren Kind gebe.

Braun meint, dass einem gutem Betreuungsangebot wie in Wolpertshausen und Michelfeld eine hohe Nachfrage folge. Die beiden Gemeinden liegen im Landkreis ganz vorn. Wolpertshausen hat 20 Plätze für Kleinkinder, von denen momentan 16 belegt sind.