Seit 2000 bietet Klaus Stolz (65) in einem Laden in der Langenburger Hauptstraße kunsthandwerkliche Artikel und Textilien, Tee und Räucherstäbchen, Klangschalen und Silberschmuck aus Nepal an, seiner zweiten Heimat. Bis er hier angekommen ist, hat Stolz viele Tausend Kilometer zurückgelegt.

Geboren 1949 im Sauerland und aufgewachsen in Frankfurt am Main, erlernte Stolz den Beruf des Kfz-Mechanikers - in einer Zeit, als die Hippies und ihre Träume von Liebe und Frieden allgegenwärtig waren. Stolz ließ sich mitreißen und wollte so gar nicht zur Bundeswehr eingezogen werden. Stattdessen macht er sich 1973 mit einem Freund auf den Weg nach Asien. "Wir waren eigentlich keine Aussteiger", berichtet Stolz, "wir wollten schon zurückkehren und wieder arbeiten, aber vorher wollten wir uns in der Welt umsehen."

Das Fahrzeug der Weltenbummler war der klassische VW-Bus vom Typ Bulli mit geteilter Windschutzscheibe, den die Freunde vom Schrottplatz geholt und repariert hatten. Der Weg führte ohne festes Ziel über den berüchtigten Autoput durch Jugoslawien, Griechenland und die Türkei in viele Länder Vorderasiens. In Syrien waren die beide ebenso wie in Pakistan, Afghanistan und Indien. Schließlich landete das Duo in Nepal, in dem Land, für das Klaus Stolz seine Liebe entdeckte.

Die Gastfreundschaft, auf die er gestoßen ist, die wunderschöne Landschaft und der faszinierende Anblick der Berge, die er auf Wanderungen durchstreifte - "das war Erlebnis pur, von dem ich noch heute zehre", sagt Stolz.

Drei Jahre lang war Stolz unterwegs, dann wurde er 1976 bei der Einreise nach Deutschland wegen Fahnenflucht festgenommen, von den Feldjägern in eine Kaserne gebracht und wenig später unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen.

In Ulm fand Stolz Arbeit bei einem Automobilzulieferer, der - ausgerechnet - Fahrzeuge für die Bundeswehr mit Kabelbäumen versah. Dann machte er sich mit einer Werkstatt selbstständig, in der er Wohnmobile ausstattete. Allerdings hielt es Stolz nicht lange in Deutschland. Zu Beginn der 80er-Jahre machte er sich erneut auf den Weg nach Nepal, diesmal mit einen Mercedes-Kleinbus, und seitdem reist er immer wieder nach Nepal, nicht selten mehrmals im Jahr.

Zehn Jahre lang arbeitete Stolz bei Procter und Gamble in Crailsheim; durch einen Zufall hatte er dort einen Job gefunden. 2000, nachdem er an Krebs erkrankt war und das Unternehmen älteren Arbeitnehmern eine Abfindung anbot, ergriff Stolz die Gelegenheit. Er nahm das Geld und richtete damit den Himalaya-Shop in Langenburg ein. Die Waren, die er hier anbietet, kauft Stolz selbst bei den Herstellern - Familien und Betrieben - in Nepal; per Luftfracht lässt er sie dann nach Stuttgart bringen.

Daneben hat sich Klaus Stolz, der in Bächlingen wohnt, ein zweites Standbein aufgebaut: Er vermittelt Reisen, vor allem Trekking-Touren, durch Nepal, Tibet und Butan. Dabei arbeitet er mit einem nepalesischen Reiseveranstalter zusammen.

Drei Tage gefeiert

Seit 15 Jahren ist Klaus Stolz mit einer Frau aus Nepal verheiratet. Padam Kumarai Sherpa gehört dem Volk der Sherpa an und arbeitet in Langenburg bei der Firma Wolz. Seine Hochzeit in Nepal hat Stolz noch deutlich in Erinnerung. Der Eheschließung nach deutschem Recht, für die die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Kathmandu eingeschaltet werden musste, folgte die Hochzeit nach buddhistischem Ritus. Die Prozedur nahm einen ganzen Tag in Anspruch, 180-mal musste sich das Brautpaar dabei vor einem Lama bis zum Boden niederbeugen. Drei Tage wiederum dauerte die Feier, in deren Verlauf mehrere Hundert Gäste zusammenströmten und von den Brautleuten in Sherpa-Tracht begrüßt wurden. Ein Büffel, ein Schwein, ein Schaf und eine Ziege wurden geschlachtet, um die Gäste zu bewirten.

Seine Liebe zu Nepal pflegt Klaus Stolz aber auch auf ganz andere Weise. Seit zehn Jahren sammelt er Spenden für ein Altenheim in der Stadt Pashupatinath, in dem verheerende Zustände herrschen. "Die alten Menschen leben dort wie in einem Tierheim, in hölzernen Verschlägen ohne Fenster", erzählt Stolz. Das Haus, in das die Alten abgeschoben werden, sei ein "versifftes Loch". Wolldecken und Schuhe kauft Stolz von den Spenden, um den Menschen das Dasein etwas zu erleichtern.

Die Lust auf Abenteuer hat Stolz keineswegs verloren. Er hat einen Traum, den er sich noch erfüllen will. Mit einem zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen, den er sich gekauft hat und der fahrbereit in einer Scheune in Langenburg steht, will er vielleicht schon im nächsten Jahr über Russland, die Mongolei und China nach Tibet und Nepal fahren. Dafür sucht er noch geeignete Begleiter, die mit ihm einen Konvoi bilden könnten - und zur Not will er die Tour alleine unternehmen. "Ich liebe die Herausforderung", sagt Stolz, "für mich muss ein Nervenkitzel dabei sein."

Film über Nepal und Tibet

Einen Dokumentarfilm über eine Reise durch Nepal und Tibet zeigt Klaus Stolz am kommenden Samstag, 22. November, um 19 Uhr im Philosophenkeller in Langenburg. Stefan und Ulrike Megerle aus Stuttgart berichten darin über eine Tour durch die beiden Länder, die sie mit Klaus Stolz als Reiseleiter unternommen haben. Der Eintritt ist frei; der Veranstalter bittet um eine Spende für das Altenheim in Pashupatinath in Nepal.

ERZ