Ein Jahr ist vergangen seit ein zerstörerisches Erdbeben Nepal heimsuchte. Noch heute leben viele Menschen in provisorisch zusammengezimmerten Hütten - auch in dem Bergdorf Borlang im Ghorka-District, der besonders schlimm von der Naturkatastrophe heimgesucht wurde. Dort werden die Kinder unter einem Dach aus Wellblech unterrichtet. Das Schulhaus aus Stein ist zerstört. Ein neues soll nun entstehen, aus flexiblem Bambus, der mitschwingt, wenn die Erde wieder einmal zu zittern beginnt. Um das Projekt zu unterstützen, hat Klaus Stolz, der wegen seiner Liebe zu der Bergregion den Beinamen "Himalaya-Mann" trägt, Geld gesammelt, insgesamt 8250 Euro.

Im Februar reiste der 66-jährige Betreiber des Himalaya-Shops in Langenburg in die Bergregion und übergab die Spende in Form eines dicken Geldbündels an den Schuldirektor, gespendet von den "People from Hohenlohe", den "Menschen aus Hohenlohe", wie es auf der Spenderurkunde heißt. "Schecks bringen da gar nichts", sagt er.

Stolz steht im Zimmer der Oberstufenklasse der Maria-Montessori-Schule in Ilshofen, die den Erlös ihres Adventsbasars gespendet hat. "Die Idee dazu hatten sie selbst", sagt Klassenlehrerin Hanne Klaiber. 320 Euro kamen zusammen, Geld, das Stolz der Schule in Borlang als gesondertes Bündel übergab. "Damit kann der Direktor für ein Jahr Hefte und Stifte für die Schüler kaufen", erklärt er und fügt hinzu: "Die Kinder in Nepal haben sich riesig gefreut, dass Schüler für sie gespendet haben."

Eine Nachricht, die den Schülern in Ilshofen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, das jedoch erstirbt, als Stolz Bilder des zerstörten Schulhauses zeigt. "Es ist traurig, dass alles so kaputt ist", erklärt Filippo. Ähnlich sieht das sein Klassenkamerad Dennis: "Es tut weh, die Fotos zu sehen", sagt er. "Aber es ist auch ein gutes Gefühl, geholfen zu haben."

Für Erheiterung sorgen hingegen Fotos von der Zeremonie, mit der Stolz und sein nepalesischer Geschäftspartner Takko empfangen wurden. Sie zeigen den Langenburger mit Blumengirlanden und Seidenschals um den Hals. Seine Stirn ist mit roter Farbe bemalt, dem sogenannten "Tika"-Zeichen, das im Hinduismus über der Nasenwurzel angebracht wird, wo das energetische, dritte Auge vermutet wird. "Wir sind da wie Könige empfangen worden", erzählt er. "Das war mir schon peinlich." Doch es zeige, wie dankbar die Menschen für die Hilfe seien.

Bis heute wird Nepal von Nachbeben erschüttert - auch während des Besuchs aus Langenburg. "So hat der Boden gezittert", sagt Klaus Stolz und ruckelt mit der Hand, um zu verdeutlichen, wie stark die Erde bei einem Beben der Stufe 5,5 zittert. "Ich bin dann aus dem Haus gerannt. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt", erzählt der 66-Jährige, der Nepal seit mehr als 40 Jahren bereist und dort seine Frau kennengelernt hat.

Traurig findet er, dass die Banken den Nepalesen kein Geld zum Wiederaufbau geben, weil sie fürchten, dass das Land erneut ins Wanken gebracht werden könnte. Noch mehr ärgert ihn allerdings, dass manche versuchen, aus der Krise Profit zu schlagen. So hätten viele kein Gas zum Kochen, weil dieses zu teuer geworden sei. "Das ist schon traurig", sagt Stolz, der an diesem Tag statt Blumengirlanden einen schlichten, grauen Fleece-Pullover trägt. "Himalaya" steht in kleinen weißen Lettern auf der linken Brust, ganz nah am Herzen des Langenburgers.