Wie vom Donner gerührt saßen Stadträte und Zuhörer am Dienstag am Ende der öffentlichen Gemeinderatssitzung da. Mit betretenem Schweigen reagierten sie auf das, was Bürgermeister Klaus-Dieter Schumm soeben verkündet hatte: Nach 20 Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung wird er sein Amt im kommenden Jahr vorzeitig aufgeben. Das Schreiben, mit dem er Landrat Bauer um die Versetzung in den Ruhestand zum 30. April gebeten hat, hatte er am selben Tag abgesandt; bereits am Montag hatte er Bauer mündlich von seiner Absicht unterrichtet.

Vor der Sitzung hatte Schumm, der 2012 für eine dritte Amtszeit gewählt worden war, lediglich seine Stellvertreterin Heidegret Mayer über seinen Plan informiert. Seine Mitarbeiter in der Stadtverwaltung setzte Schumm gestern am Morgen ins Bild.

Sorge um die Familie

Der Grund von Schumms Rücktritt ist der Umstand, dass ein Mitglied seiner Familie schwer erkrankt ist; nähere Angaben machte er dazu nicht, „Ich möchte meine Familie aus der Schusslinie nehmen“, sagte Schumm, der seit 1996 verheiratet und Vater von vier Kindern ist, gestern im Gespräch mit dem HT.

Er habe mit wenigen Ausnahmen immer sehr viel Freude an seiner Arbeit gehabt und wäre gerne noch mindestens bis zum Ende seiner laufenden Amtszeit Gerabronner Bürgermeister geblieben, sagte Schumm im Gemeinderat. In der Erklärung, die zu verlesen Schumm erkennbar schwerfiel, heißt es: „In meinem persönlichen Umfeld haben sich in letzter Zeit aber leider Entwicklungen ergeben, die es mir dringend nahelegen, baldmöglichst aus dem Amt zu scheiden.“

Nachfolger soll selbst mitgestalten

Ihm sei diese Entscheidung äußerst schwergefallen, sagte Schumm, weil gerade jetzt einige Aufgaben, die ihm schon immer am Herzen gelegen seien, vor der Umsetzung stünden. Er wies dabei auf den im kommenden Jahr bevorstehenden Umbau des alten Rathauses hin. Es sei besser, wenn der schon von seinem Nachfolger begleitet werde – „wer auch immer, darf und soll sich sein unmittelbares Wirkungsfeld dann selbst gestalten“. Von der Reaktivierung des alten Rathauses als Sitz der Stadtverwaltung hatte Schumm schon bei seiner ersten Wahl 1996 gesprochen. Vor der Wahl 2012 hatte er das Projekt zum Wahlversprechen gemacht.

Nach einer ersten Bilanz seiner Arbeit gefragt, verwies Schumm im HT-Gespräch als wichtiges Projekt auf das, was in den letzten Jahren in der Gera­bronner Innenstadt geschehen sei – die Umgestaltung der Hauptstraße und der südlichen Blaufelder Straße mit dem Bau des Kreisverkehrs am „Bären“-Eck. „Wir haben in dieser Zeit auch viel in die Kindergärten, die Schulen und die Jugendarbeit investiert“, sagte der parteilose Kommunalpolitiker, der im Kreistag der Fraktion der Freien angehört. 2012 war Klaus-Dieter Schumm ohne Gegenkandidaten bei einer Wahlbeteiligung von 28,4 Prozent mit 94,8 Prozent wiedergewählt worden.

Bürgermeisterwahl im Februar oder im März


Schumms Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird frühestens drei Monate und spätestens einen Monat vor Freiwerden der Stelle gewählt, also im Februar oder im März. Die Stelle ist spätestens zwei Monate vor dem Wahltermin auszuschreiben. erz