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Crailsheim
Obersontheim / Sigrid Bauer  Uhr
Vor rund sieben Wochen haben die Bauarbeiten am Turm der Pfarrkirche Obersontheim begonnen. Dem Dachstuhl hat die Feuchtigkeit zugesetzt. Schäden am Mauerwerk werden behoben.

Erst vor ein paar Jahren ist der Turm aufwendig von Taubendreck befreit worden“, berichtet Pfarrerin Ursula Wilhelm. Die aggressiven Vogelexkremente greifen das Mauerwerk und das Gebälk an. Aber auch die Witterung, vor allem die Feuchtigkeit, hinterlässt Spuren am Holz. Insbesondere dort, wo der achteckige Dachstuhl auf dem Mauerwerk aufliegt und das Wasser nicht gut abtrocknet, wird es morsch: am Trauf, vermehrt auf der Wetterseite.

Fast zwei Wochen haben die Bauarbeiter benötigt, um den Turm von allen Seiten stabil einzurüsten. „Sie haben gute Arbeit geleistet, denn das Gerüst muss einiges an Gewicht tragen“, stellt Bauleiter Alfred Schmidt vom Architekturbüro Burk aus Crailsheim fest. Die Zimmerleute bewegen sich dort oben, als wäre ein Arbeitsplatz in dieser Höhe, über sämtlichen Gebäude in der Umgebung, nichts Besonderes. „Am ersten Tag ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber nicht mehr“, meint Zimmerermeister Markus Kratzer aus Kirchberg. Anfangs hätten sie trotz der vorangegangenen Säuberung vor lauter Taubendreck die Schäden gar nicht richtig erkennen können und erst einmal den ärgsten Schmutz entfernen müssen.

Holz ist stark angefault

„Die Schwellen, auf denen sich die Dachbalken aufstützen, sind zum Teil so stark angefault, dass sich der gesamte Dachstuhl um sechs, sieben Zentimeter abgesetzt hat“, erklärt er. Bevor sie ausgetauscht werden konnten, musste der Dachstuhl mit einem Spezialgerät angehoben werden. Wie im Original bauen die Handwerker widerstandsfähige, langlebige Eichenbalken als Schwellen ein. „Die Zimmerleute ersetzen so viel, wie unbedingt notwendig ist. Wenn das Holz nur oberflächlich angegriffenen ist, bleibt es“, stellt der Bauleiter klar. Kirchendächer müssen seltener saniert und neu gedeckt werden als Wohnhäuser. „Nur etwa alle 80 bis 100 Jahre, weil im Turm die Feuchtigkeit abtrocknen kann, im geschlossenen Dachstuhl eines Wohnhauses kann eindringendes Wasser nicht so gut verdunsten“, erklärt Kratzer, dessen Betrieb sich auf Altbausanierung, auch im Bereich des Denkmalschutzes, spezialisiert hat.

Die Dacheindeckung des Turms ist ebenfalls an vielen Stellen schadhaft. „An den Gratziegeln, also an den acht Ecken der Turmkuppel, ist Wasser eingedrungen, weil dort drei Viertel des Mörtels herausgebröselt war. Für die neue Eindeckung verwenden wir spezielle Turmdachbiber“, so Schmidt. „Sie sind kleiner als normale Gratziegel. Dadurch lassen sich Biegungen im Dach besser decken und die Ziegel stehen nicht so auf“, verdeutlicht Markus Kratzer. Auch auf die Dachfläche des Turms kommen kleinere, unglasierte Dachziegel, die Turmdachbiber.

Eine mächtige Holzkonstruktion ist der Glockenstuhl eine Etage tiefer. Dort gibt es ebenfalls Sanierungsbedarf: Das Gebälk muss teilweise ersetzt werden. Neben den Zimmerleuten arbeiten später auch Steinmetze der Firma Herzig aus Rot am See auf der Baustelle. Wieder gilt, so viel altes Material zu erhalten wie möglich. Beschädigte Mauersteine werden ersetzt und herausgebrochene Fugen aufgefüllt. „Die Fassadenarbeiten können parallel zu den Arbeiten am Glockenstuhl laufen“, so Schmidt. Er rechnet damit, dass der Turm bis Anfang Winter fertig ist. Weiter geht es im Frühjahr mit der Sanierung des Kirchenschiffs. Dazu gehören auch der Herrenturm, der früher zur Herrschaftsempore führte, und an der westlichen Giebelseite die überdachte Doppeltreppe.

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So sieht der Finanzierungsplan aus

Die komplette Sanierung kostet voraussichtlich 830 000 Euro. Davon werden etwa 280 000 Euro für den Turm eingeplant.
Die Hauptlast trägt die evangelische Landeskirche. Die Kirchengemeinde, in deren Besitz die Pfarrkirche aus dem späten 16. Jahrhundert ist, beteiligt sich mit 260 000 Euro. Ein Teil davon ist über Spenden gedeckt. Die bürgerliche Gemeinde übernimmt 90 000 Euro. siba