Kirchberg Kirchberger Korridore neu im Rennen

Kirchberg / Harald Zigan 26.06.2018
Auf Wunsch des Regierungspräsidiums speist die ENBW zwei zusätzliche Alternativen für die geplante Hochspannungsleitung von Kupferzell nach Rot am See in das Genehmigungsverfahren ein.

In der Öffentlichkeit ist es still geworden um die geplante Stromleitung quer durch Hohenlohe. Hinter den Kulissen allerdings wird beim Regierungspräsidium und vor allem beim Energiekonzern ENBW und seinem Tochterunternehmen Netze BW intensiv an dem Großprojekt gefeilt.

Die Debatte um die mögliche Route für den Stromtransport zwischen Kupferzell und Rot am See dürfte jetzt vor allem in einer Kommune neu entflammen, die bei den Planungen bislang außen vor war: Die ENBW wird mit zwei zusätzlichen Korridoren im Raum Kirchberg/Jagst in das Genehmigungsverfahren gehen.

Kollaps befürchtet

Im Januar 2014 machte die ENBW erstmals ihre Pläne für eine neue 111.000-Volt-Stromleitung in Hohenlohe publik. Nach Ansicht des Energieversorgers kann nur mit einer solchen Erweiterung des Hochspannungsnetzes ein Kollaps in der Strominfrastruktur vermieden werden.

Denn nirgendwo in Deutschland wird mehr Strom aus Sonnenkraft, aus Biogasanlagen und aus Windkraft erzeugt wie in Hohenlohe. Die Kapazitäten des regionalen Netzes seien diesem „Ansturm“ von Energie nicht mehr gewachsen. Die ENBW informierte die Bürger umfassend über das Projekt. Proteste blieben freilich nicht aus. Die Kritik konzentrierte sich hauptsächlich auf die Freileitungen.

Kommunen protestieren

In Langenburg etwa lehnte der Gemeinderat eine Überquerung des Jagsttales bei Hürden mit Strommasten vehement ab und forderte eine Erdverkabelung. Einer entsprechenden Resolution schloss sich auch das Stadtparlament von Gerabronn an. Zudem schrieb Landrat Gerhard Bauer mit dem gleichen Tenor einen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Nach umfangreichen Untersuchungen der ENBW schälten sich letztlich insgesamt 16 Korridore heraus, die aus Sicht des Energieversorgers für Freileitungen, für Erdkabel oder für eine Kombination aus beiden Techniken infrage kämen.

Mit diesen Varianten wollte die ENBW auch den Antrag für ein Raumordnungsverfahren stellen. Das zuständige Regierungspräsidium in Stuttgart wünschte aber noch weitere Alternativen. Die ENBW machte sich also erneut auf die Suche – und wurde bei Kirchberg fündig.

Die beiden Korridore für Masten oder Erdkabel (siehe Karte) zweigen von der bestehenden 380-KV-Leitung bei Ruppertshofen ab, verlaufen nahezu identisch und würden zwischen Eichenau und Diembot das Jagsttal queren. „Hier wäre eine Freileitung ab­solut unverträglich“, sagte der Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr dem HT. Diese neuen Korridore bei Kirchberg stoßen aber bei der Bundeswehr wegen einer Tiefflugstrecke für die Heeresflieger nicht auf Gegenliebe.

Ohnehin favorisiert die ENBW für die neue Hochspannungsleitung auch weiterhin einen Korridor, der von Jungholzhausen über Langenburg nach Gerabronn und weiter nach Rot am See in ein neues Umspannwerk führt. Weil aber auch hier militärische Belange der Luftüberwachungsanlage in Lauda eine Rolle spielen, hält die ENBW in diesem Bereich nicht mehr eine nördlich von Gerabronn verlaufende Route, sondern einen Korridor südlich der Stadt für „vorzugswürdig“.

Aber auch hier kommen für den Gerabronner Bürgermeister Christian Mauch keine Strommasten in Frage: „Wir werden alle Hebel für eine Erdverkabelung in Bewegung setzen“, wie er gestern dem HT sagte.

Regierungspräsidium bestimmt die Route

Das letzte Wort hat das Regierungspräsidium: Die Behörde legt letztlich den Korridor für die neue Stromleitung nach einem Raumordnungsverfahren fest, das die ENBW jetzt im August beantragen will. Darauf folgt ein Planfeststellungsverfahren. Einwendungen und Anregungen sind für Bürger in jedem Stadium des Genehmigungsprozesses möglich – zum Beispiel bei der ENBW per E-Mail an 110kVNetzausbau@netze-bw.de. Detaillierte Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet auf der Webseite www.netze-bw.de. haz

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