Magazin Kirchberger Feuerwehr spricht sich gegen den Standort am Baugebiet Kreuzstein aus

Kirchberg / ANNA BERGER 02.10.2014
Vor einer voll besetzten Halle diskutierten Mitglieder der Feuerwehr, der Stadtverwaltung und der Bürgerinitiative am Dienstagabend über das neue Feuerwehrmagazin. Auch Bürger durften zu Wort kommen.

Es brodelt in Kirchberg. Während die Stadtverwaltung einen Acker in der vorderen Au an der Hohenloher Straße als Standort für das neue Feuerwehrmagazin ins Auge fasst, sieht eine Bürgerinitiative einen Acker südlich des Baugebiets Kreuzstein als geeignet für das Bauvorhaben an. Dieser Zwist konnte auch bei der offiziellen Erörterung am Dienstagabend im großen Saal der Kirchberger Stadthalle nicht beigelegt werden.

"Aus unserer Sicht ist der Standort an der Au nicht alternativlos", sagte Jochen Ottenstein als Sprecher der Bürgerinitiative und hob hervor, dass durch ein Feuerwehrmagazin dort nicht nur die Postkartenansicht auf die Altstadtsilhouette beeinträchtigt würde, sondern auch der Blick hinab in die Au.

Außerdem stellte Ottenstein den Bürgern eine Untersuchung der Bürgerinitiative vor, in der unter anderem die Ausrückzeit der Feuerwehr überprüft wurde. "Alle Teilorte von Kirchberg sind innerhalb der vorgegebenen Zeit von fünf Minuten zu erreichen", sagte Ottenstein.

Die Feuerwehr Kirchberg kam zu einem anderen Ergebnis: "Die Feuerwehr hat die Ausrückzeit für beide Standorte überprüft", sagte der stellvertretende Kommandant Alexander Müller. "Vom Standort Kreuzstein sind Gaggstatt, Hornberg und Weckelweiler nicht in der im Feuerwehrgesetz ausgewiesenen Zeit zu erreichen. Vom Standort vordere Au aus gibt es nur bei Mistlau ein Problem." Es sei zwar keine gesetzliche Regelung, in fünf Minuten vom Magazin zum Brandort zu kommen, aber eine Vorgabe des Feuerwehrgesetzes. "Uns geht es um die Sicherheit der Bevölkerung", betonte Kommandant Gerhard Stahl. "Deshalb können wir Kreuzstein nicht zustimmen."

Auch der Kirchberger Architekt Jan Hofacker sprach sich gegen den Standort Kreuzstein aus: "Ein Feuerwehrmagazin in dieser Lage würde deutlich teurer werden." Hofacker arbeitet aktuell an einem Plan für ein Gerätehaus in der vorderen Au. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man das Gebäude klein halten kann, um dem sensiblen Standort neben dem Sophienberg gerecht zu werden", erklärte er. So soll es etwa statt eines Obergeschosses ein Untergeschoss geben. Außerdem bemühte sich Hofacker, Räume zusammenzulegen und die Fläche des Erdgeschosses auf 440 Quadratmeter zu beschränken.

Bürgermeister Stefan Ohr bezeichnete die Arbeit der Bürgerinitiative als "wirklich sorgfältig ausgearbeiteten Alternativvorschlag". Dennoch steht fest: Der Standort Kreuzstein wird nicht geprüft. "Wir halten es uns aber als zweiten Standort offen. Jetzt geht es aber erst einmal in der Au weiter", sagte Ohr.

In der Diskussion hagelte es dann Kritik an den Plänen der Stadt: "Wäre die Au ein Naturschutzgebiet, müsste man auch einen anderen Standort finden", bemängelte Rainer Daubek. Die Gegner des Standortes befürchten außerdem, dass es nicht beim Bau des Gerätehauses bleibt. "Durch das Feuerwehrmagazin werden Tür und Tor für weitere Bebauungen geöffnet", vermutet Sabine Pohl-Langer. Jens Fuhrmann vom Kreisplanungsamt aus Schwäbisch Hall beschwichtigte: "Dann wäre ein neuer Bebauungsplan nötig."

Auf die Kritik, dass die Hohenloher Straße, auf die die Löschfahrzeuge vom Standort in der Au einfahren müssten, schlecht einsehbar sei, entgegnete Bürgermeister Ohr: "Am Kreuzstein könnte es durch die vielen Schulbusse auch zu Problemen kommen." Eberhard Klein aus Lendsiedel stellte Kommandant Stahl daraufhin die Frage, wie die Feuerwehr mit der Zu- und Abfahrt an der Au denn zurechtkomme. "Am Standort Kreuzstein wäre es besser", musste dieser zugeben.

Überraschend war für viele Bürger, dass die Stadtwerke Crailsheim womöglich in das Magazin miteinziehen wollen. "Ja, es gibt Verhandlungen", bestätigte Ohr. Die Stadtwerke könnten sich vorstellen, eine neue Heizzentrale in das Untergeschoss des geplanten Magazins einzubauen. "Herr Hofacker hat diesbezüglich planerische Vorkehrungen getroffen", versicherte Ohr. Über der Erde ändere sich aber nichts. "Wir haben die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Deshalb wollten wir damit eigentlich noch nicht an die Öffentlichkeit."

Anmarschzeit zum Brandort

Die Feuerwehr Kirchberg hat die Anmarschzeit von beiden Standorten geprüft. Von der vorderen Au benötigen die Löschfahrzeuge nach Mistlau sechs Minuten und 45 Sekunden. Das sind eine Minute und 45 Sekunden mehr als vorgesehen. Vom Kreuzstein sind allerdings drei Teilorte nicht in fünf Minuten zu erreichen. Nach Hornberg benötigt die Feuerwehr sechs Minuten und 15 Sekunden, nach Gaggstatt fünf Minuten und 15 Sekunden, nach Weckelweiler fünfeinhalb Minuten.

AB