Anna Katharina Kemmer aus Bretten weiß genau, was sie anhat. Sie studiert Kunstgeschichte und schreibt gerade ihre Bachelorarbeit. Das Thema: die Methoden der Kostümherstellung. Deshalb ist ihr Gewand natürlich selbst genäht. Lilafarben, viele Knöpfe, einen wollenen Schutz für die Schultern und ein weißes Kopftuch. In ähnlichem Stil sind auch ihre Mutter und ein ganzer Freundinnenkreis gekleidet, der mit ihr auf einem Sonnenbänkchen vor dem Lagerfeuer im Kirchberger Schlossgarten sitzt.

Für 1540 sind die schönen Damen topmodern. „Die Mode war damals an der Kleidung der Landsknechte und an der der Marketenderinnen angelehnt“, weiß die Kunsthistorikerin. „Das liegt auch daran, dass Kaiser Maximilian I. „ein Interesse an Landsknechten“ gehabt habe.

Die Damen – sie sind zu sechst nach Kirchberg gereist – schmücken damit den Mittelaltermarkt wie viele andere, die in historischen Kostümen kommen. Ritter in makelloser Ritterrüstung oder wilde Berserker im Fell zum Beispiel, aber auch Scharfrichter mit gruseliger Kappe und sogar ein Mohr aus dem Morgenland.

Gleich zwei Gruppen sind mit Sack und Pack und Zelten in den Schlossgarten gezogen. Sie wollen dort übernachten und schauen auf die Wolken (und dann verschämt aufs Handy) um zu wissen, was das Wetter bringt.

Die böhmischen Ritter freilich sind abgehärtete Haudegen. Die Tschechen präsentieren sich, ihre Rüstungen und ihre martialischen Waffen auch in Schaukämpfen. Zum Einsatz kamen, sehr zur Freude der vielen Besucher, Morgensterne, Schlachtäxte und Langschwerter.

Mittelaltermarkt jetzt auch mit Kirchberger Gruppe

Das andere Lager hatte das „Freye Volk zu Hohenlohe“ aufgeschlagen. Die Mittelaltergruppe hat sich neu gegründet. Ihre Initiatorin stammt aus Kirchberg und hat immer schon bedauert, dass es in Kirchberg zwar einen Mittelaltermarkt gab, aber einen ohne Kirchberger Gruppe, sagt Diana Meyer. Deshalb ging sie im vergangenen Jahr ganz analog mit Plakaten von Markt zu Markt und suchte Gleichgesinnte. Die fand sie sofort, und so kann die Gruppe im Hofgarten nun die neuen Zelte aufschlagen – Schauzelte, um zu zeigen, wie im Mittelalter gelebt wurde, und Zelte, in denen die Zivilisation von heute ein bisschen versteckt werden kann. Schließlich ist für die Nacht Regen angesagt.

Gegessen wird nur das, was es auch im Mittelalter gegeben haben könnte und die Tomate, die auf dem Holztisch liegt, wird fürs Foto schnell beiseite geräumt. Aber zum Abendessen ist für die zehnköpfige Gruppe Bohneneintopf eingeplant. „Das gab es damals“, sagt Diana Meyer. „Wir freuen uns, dass unser erster Markt gleich unser Kirchberger Markt ist“, sagt sie. „Natürlich werden wir jetzt auch andere Märkte besuchen. Wir haben schon Einladungen bekommen.“

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Währenddessen ziehen jede Menge Jagdbogenschützen an den Lagernden vorbei, manche als Robin Hood gewandet. Sie nehmen am Turnier des Schützenvereins Eckartshausen teil und dessen Kämmerer André Miklis kennt die Zahlen: „210 Schützen waren es am Samstag. Wir sind sehr zufrieden“, sagt er.

Deutlich mehr Ypsilons

Während sich im Hofgarten eher die Händler und Handwerker zeigen, eine Krämerey also, oder feynes Holzwerk von Peter Emich, ging es auf der Marktstraße um die kulinarischen Genüsse: Spezereyen aus dem Morgenland, etwa, die mit einem fröhlichen „seyd gegrüßt“ feylgeboten wurden. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass im Mittelalter noch deutlich mehr Ypsilons unterwegs waren als heute.

Zum Kirchberger Mittelaltermarkt gehört aber auch der Stadtfeiertag: Geht es nach den Kirchbergern, kommt der Stadtfeiertag zuerst. Deshalb seien die Mostprämierung und der Viehmarkt extra erwähnt. Doch zeigte sich auch, dass am Samstagvormittag deutlich weniger Volk zugegen war (wie es im Marktsprech heißen würde) als am Nachmittag, als sich bei prächtigstem Wetter Plätze und Straßen füllten. Grundsätzlich passt das alles gut zusammen. Viehmärkte waren auch im Mittelalter stets Anlässe für Märkte, für Schleckereien, für Treffen von Nachbarn und Freunden. Und weil das heute noch gilt, soll der Mittelaltermarkt den Kirchbergern und den Besuchern auch in Zukunft recht seyn.