Dieter Wahl klopft mit der linken Hand auf den rechten Unterarm. „Da fließt Diesel, kein Blut“, sagt er und lacht. Mehr als 40 Jahre lang war der 66-Jährige aus Söllbot mit dem Lkw in ganz Westeuropa unterwegs. Hoch über dem Asphalt thronend, spulte er Kilometer um Kilometer ab – und liebte es. Zumindest früher: „Damals, 1976, 77, da waren die Autobahnen noch leer. Wenn es denn Autobahnen gab. Ansonsten war man auf Landstraßen unterwegs, lernte Land und Leute kennen.“ Ein Gefühl von Freiheit umwehte seinen Beruf, Lkw-Fahrer taugten noch als Serienhelden: Manfred Krug jedenfalls war erfolgreich „Auf Achse“.

Traumberuf hat sich verändert

Lang ist’s her. Wahl ist seit anderthalb Jahren im Ruhestand. Und sein Traumberuf hat sich schon viel länger stark verändert. Irgendwo zwischen Lenkzeitregelungen, verstopften Autobahnen und Zeitdruck ist die Freiheit flöten gegangen. Der Trucker gilt heute oft als bemitleidenswert – bestenfalls. Wenn er zu langsam überholt, einen Auffahrunfall verursacht oder beim Abbiegen einen Fahrradfahrer übersieht, taugt er auch schnell zum Bösewicht.

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Gruibingen

Wahl ist diese Entwicklung auch im Ruhestand nicht egal. Denn: 40 Jahre schüttelt man ja nicht einfach so ab. Da fließt ja immer noch Diesel in seinen Adern. Und deshalb geht er heute regelmäßig zum Fernfahrerstammtisch im Autohof Kirchberg. Einmal im Monat sitzen da aktive mit ehemaligen Brummi-Fahrern, aber auch zum Beispiel mit Unternehmern aus der Branche zusammen, essen miteinander, hören sich einen Vortrag an, diskutieren. In der Regel bleibt man unter sich.

Jetzt aber soll – auch – die breite Bevölkerung angesprochen werden: Am Samstag, 6. Juli, von 10 bis 18 Uhr gibt es den ersten Kirchberger Brummi-Infotag auf dem Gelände des Autohofs. Das Team der Raststätte und der Fernfahrerstammtisch veranstalten ihn gemeinsam.

Eine wichtige Rolle soll dabei der tote Winkel spielen: „Das ist für uns Lkw-Fahrer ein ganz, ganz heißes Thema“, sagt Wahl. Wa­rum? „Weil Fußgänger und Fahrradfahrer oft keine Ahnung haben, was du vom Führerhaus aus siehst und was nicht.“ Und so komme es zu schlimmen Unfällen, die für den Fahrer nicht zu verhindern seien. Am Brummi-Infotag stehen Übungen zu dem Thema auf dem Programm. Alle Interessierten können dabei erfahren, was es bedeutet, nicht jeden Winkel einsehen zu können. Überhaupt: Wahl und seinen Mitstreitern geht es darum, Werbung fürs gegenseitige Verständnis der verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu machen.

Denn es ist auf der Straße ja wie so oft im Leben: Wo man ins Gespräch kommt und die Nöte des anderen kennenlernt, da verlieren Feindbilder an Macht. Jeder Bürger ist also eingeladen, sich in Kirchberg ein differenziertes Bild zu machen. Und jeder, der Lkw liebt oder selbst fährt, kommt dabei ebenso auf seine Kosten – wenn etwa modernste Fahrzeugtechnik vorgeführt wird, wenn Fahrten von Miniatur-Lkw nicht nur Kinder strahlen lassen oder wenn das Bundesamt für Güterverkehr Trucker berät, was legal ist und was nicht.

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Das Programm am Samstag, 6. Juli, von 10 bis 18 Uhr am Autohof Kirchberg ist umfangreich. Es gibt einen Überschlagssimulator, Vorführungen zum Thema Ladungssicherung mit Fahrübungen – sowohl für Lkw als auch für ein Pkw-Gespann –, Übungen zum toten Winkel, Vorführungen von Abbiegeassistenten, die Vorstellung neuer Lkw namhafter Hersteller, Vorführungen von Miniatur-Lkw, Informationen des Bundesamts für Güterverkehr, eine Tombola und mehr. Der Autohof und der Fernfahrerstammtisch laden ein. Eintritt frei. sebu