Vergangenen Mittwoch haben Beamte der Kriminalpolizei in mehreren Bundesländern Häuser und Wohnungen durchsucht. Auch bei einem 43-jährigen Mann aus dem Landkreis sind dabei zahlreiche Datenträger beschlagnahmt worden. „Diese müssen jetzt erst einmal untersucht werden“, sagt auf Nachfrage dieser Zeitung Dr. Julia Bussweiler von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Ihre Behörde ermittelt in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Münster in einem Fall des „Verdachts der Verabredung zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zum Austausch von Kinder- und Jugendpornografie“.

Münsteraner Kripo-Beamte führen seit Anfang des Jahres in diesem Fall Ermittlungen. Der Standort eines Darknetservers, von dem aus die Kinderporno-Plattform „Tor Chat Directory“ gesteuert worden ist, konnte nun identifiziert werden – in Frankfurt. „Über die Plattform soll es den Nutzern durch die Hinterlegung ihrer Kontaktdaten ermöglicht worden sein, mit gleichgesinnten Personen in Kontakt zu treten“, schreibt Bussweiler in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung. „Hierbei soll die Kontaktanbahnung der Nutzer auf den Austausch kinder- und jugendpornografischer Schriften, vereinzelt auch auf die Verabredung zum sexuellen Missbrauch von Kindern abgezielt haben.“

Wohnort ist nicht öffentlich

Die digitalen Spuren haben die Beamten zu dem 43-Jährigen aus dem Landkreis Hall geführt. Er soll die Plattform betrieben haben. Über seinen Wohnort will die Staatsanwaltschaft aber keine Auskünfte geben. „Wir geben diese Information nicht weiter, weil wir nicht gegen die Persönlichkeitsrechte des Verdächtigen verstoßen dürfen“, sagt Staatsanwältin Bussweiler. Der Mann sei zurzeit auch nicht in Haft.

In der vergangenen Woche hat das für den Landkreis Hall zuständige Polizeipräsidium Aalen hingegen von einer Hausdurchsuchung im südlichen Altkreis berichtet. Dabei hat ein Mann einen Polizeibeamten gebissen und dadurch verletzt. Der Mann wurde daraufhin festgenommen und auf das Polizeirevier Schwäbisch Hall gebracht. Ob es sich bei diesem Vorfall um die Durchsuchung im Zusammenhang mit dem Kinderporno-Fall handelt, will die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main nicht bestätigen.

In den kommenden Wochen soll nun entschieden werden, welche Staatsanwaltschaft die weiteren Ermittlungen gegen den 43-Jährigen führen wird. Es gelte stets das Tatortprinzip, erklärt Bussweiler. Zuständig sei immer eine Staatsanwaltschaft in dem Bundesland, in dem eine Straftat begonnen worden ist. „Diese wird dann auch entscheiden, von wem die beschlagnahmten Datenträger untersucht werden sollen“, so Bussweiler.

Bei den Hausdurchsuchungen hat die ZIT mit den Polizeibehörden der betroffenen Bundesländer kooperiert. Nur nicht im Fall des Hauptverdächtigen aus dem Kreis Hall. „Das haben die Beamten aus Münster selbst übernommen“, sagt Staatsanwältin Bussweiler. „Uns ist die Aktion natürlich angekündigt worden. Beamte von uns waren aber nicht beteiligt“, bestätigt Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Gegen den 43-jährigen Hauptverdächtigen besteht laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt darüber hinaus der Verdacht, für zwei weitere Angebote im Darknet verantwortlich zu sein. Über diese soll es Nutzern ermöglicht worden sein, ein Abo für den Bezug kinder- und jugendpornografischer Schriften abzuschließen. Im Anschluss an die Durchsuchungen ist der Server der genannten Plattform beschlagnahmt und abgeschaltet worden.

Erster Ansprechpartner bei Internetkriminalität


Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) ist 2010 als Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main eingerichtet worden. Sie besteht derzeit aus einem Leitenden Oberstaatsanwalt als Leiter und acht Staatsanwälten sowie einem Oberstaatsanwalt als Pressesprecher.

Die ZIT ist erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamts für Internetstraftaten bei noch ungeklärter Zuständigkeit in Deutschland oder bei Massenverfahren gegen eine Vielzahl von Tatverdächtigen bundesweit. Die ZIT bearbeitet besonders aufwendige und umfangreiche Ermittlungsverfahren aus den Deliktsbereichen Kinderpornografie und sexueller Missbrauch von Kindern mit Bezug zum Internet, Darknetkriminalität (Bekämpfung krimineller Darknet-Plattformen sowie des Handels mit Waffen, Drogen und Fälschungsgütern im Darknet), Cyberkriminalität im engeren Sinne (Hackerangriffe, Datendiebstahl und Computerbetrug) und Hasskriminalität im Internet.

Das Darknet ist ein versteckter Teil des Internets. Es ist unsichtbar für alle, die mit einem Standard-Browser online unterwegs sind. Um Seiten im Darknet aufzurufen, benötigen Nutzer eine besondere Software, die einen Zugang zum Tor-Netzwerk ermöglicht, in dem das Darknet läuft. Der Datenverkehr wird verschlüsselt und über mehrere Rechner umgeleitet. Im Darknet gibt es alles, was es nach geltendem Gesetz nicht geben dürfte – also auch zahlreiche kinderpornografische Angebote.