Lendsiedel Kindersegen für Lendsiedel? Holz-Storch thront auf dem Maibaum

Statt Maiengrün ein Storch auf der Spitze des Maibaums.
Statt Maiengrün ein Storch auf der Spitze des Maibaums. © Foto: Hartmut Volk
HARTMUT VOLK 22.05.2015
Brütet in Lendsiedel nun auch der Storch? Fast sieht es von Weitem so aus. Doch leider ziert nur eine Holzattrappe von Adebar die Maibaumspitze, nachdem der Gipfel bereits am 1. Mai heruntergebrochen war.

"Des kou m'r fei sou nedd lasse", mahnte vergangene Woche Ortsvorsteher Bernhard Röder angesichts des traurigen Anblicks. Schließlich wollte man ja am Festwochenende zur Verabschiedung von Pfarrer Herman Beck (das HT berichtete) einen guten Eindruck hinterlassen.

Die Mannen von den Maibaumfreunden nahmen sich die Worte des Dorfoberhauptes zu Herzen und kamen auf eine findige Idee: "Do hogge m'r an Storch nauf." Inspiriert dazu hatte sie das monumentale Storchennest, das ein auf Storchengeklapper hoffender Scheunenbesitzer in der Nachbarschaft bereits aufs Dach montiert hatte. Außerdem käme man damit wieder einmal mehr den "Kerchberchern" zuvor, zu denen die "Lendslmer" seit ihrer Eingemeindung gern eine selbstbewusste Abgrenzung pflegen, erklärt Florian Stickel, der das Projekt ins Rollen und den Storch mit einer Hebebühne auf den Baum gebracht hat. In Kirchberg soll nämlich bald die alte Rathaussirene umgedreht und zu einem Storchennest umfunktioniert werden. "Aber jetzt haben wir den Storch zuerst in Lendsiedel", triumphiert Stickel.

So haben die Lendsiedler Maibaumfreunde nun gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie konnten nicht nur den Kirchbergern wieder mal eins auswischen und beim Festwochenende mit einem garantierten Hingucker auftrumpfen, sondern beschwören dem Dorf wohl demnächst auch einen reichen Kindersegen herauf. Schließlich prangt jetzt zentral in der Ortsmitte ein quasi doppeltes Fruchtbarkeitssymbol: der mächtige, mit Girlanden umwundene Maibaumstamm, der nach der Ansicht mancher Volkskundler in heidnischer Zeit für die Vereinigung von Phallus und Vulva stand, mit Freund Adebar obendrauf, der ja, wie man weiß, seit altersher die Kindlein bringt.