Buchvorstellung Keine Kolonie, aber ein „Malerort“

Im Sandelschen Museum präsentierte Hans Dieter Haller mit Ehefrau Stefanie sein neues Buch (hintere Reihe von links): MKV-Vorsitzender Friedrich König, Bürgermeister Stefan Ohr sowie das Museumsleiterpaar Grete und Dietrich Gonser.
Im Sandelschen Museum präsentierte Hans Dieter Haller mit Ehefrau Stefanie sein neues Buch (hintere Reihe von links): MKV-Vorsitzender Friedrich König, Bürgermeister Stefan Ohr sowie das Museumsleiterpaar Grete und Dietrich Gonser. © Foto: Hartmut Volk
Hartmut Volk 03.11.2016
Der Autor und frühere Stadtpfarrer Hans Dieter Haller hat im Sandelschen Museum sein Lebenswerk vorgestellt: Es ist ein Buch über den Malerort Kirchberg.

Ein halbes Jahrhundert lang hat sich Hans Dieter Haller mit den Künstlern beschäftigt, die als Landschafts- und Freilichtmaler die historischen Kulissen und Winkel des Residenzstädtchens zu ihren Motiven erhoben haben. In der Mitte des vorletzten Jahrhunderts entstanden an zahlreichen Orten Deutschlands Künstlerkolonien, in denen sich mehrere bildende Künstler für längere Zeit niederließen oder wohin sie immer wieder zurückkehrten.

Von der großen Zahl an Künstlerkolonien in Deutschland sind heute noch vor allem die Orte Dachau im Süden und Worpswede im Norden bekannt. Auch das malerische Städtchen Kirchberg lockte vornehmlich im frühen 20. Jahrhundert Maler und ganze Malschulen an. Indes: Eine Künstlerkolonie im eigentlichen Sinne sei Kirchberg nie gewesen, schreibt Haller in der Einleitung seines neuen Buchs. Aber immerhin ein zu Unrecht unbekannt gebliebener Malerort, der nun mit dem opulenten 400-seitigen Werk des früheren Kirchberger Stadtpfarrers vor dem Vergessen bewahrt wird.

Seit seiner Kirchberger Vikariatszeit Mitte der 1960er-Jahre ist Hans Dieter Haller auf Spurensuche. Die Initialzündung gab zum einen die persönliche Begegnung mit dem 1971 verstorbenen Künstler Hans Emil Braun-Kirchberg, der ein bedeutendes grafisches Werk hinterließ, und zum anderen die romantischen Kirchberg­ansichten des durch seine Liederbuch- und Märchenillustrationen weithin bekannten Paul Hey (1867–1952), auf die der junge Vikar bei seinen Hausbesuchen allenthalben gestoßen war. Somit war Hallers Neugier und bald auch seine Sammelleidenschaft für Kirchberg-Ansichten geweckt. Eine ausgiebige Recherchearbeit nach den Urhebern begann, die 1987 in der Veröffentlichung eines umfassenden Werksverzeichnisses der Kirchberg-Maler ihren vorläufigen Abschluss fand.

Als Hans Dieter Haller 1990 nach verschiedenen beruflichen Stationen als Stadtpfarrer wieder nach Kirchberg kam, ging die intensive Beschäftigung mit dem Malerort Kirchberg in eine neue Runde. Seine Bilder- und Büchersammlung dazu wuchs weiter und nahm Dimensionen an, für die das Pfarrhaus bald zu klein war. Den Großteil seiner Sammlung hat Haller inzwischen dem 2003 neu gestalteten Sandelschen Museum gestiftet, in dem er maßgeblich die Abteilung Kirchberger Maler mitgestaltet hat.

Sein Künstler-Werksverzeichnis hat Hans Dieter Haller in den letzten Jahren nun um einen umfangreichen biografischen Teil mit vielen farbigen Abbildungen bedeutender Werke ergänzt. Auf gut 400 Seiten werden rund 100 Maler porträtiert, die als akademisch ausgebildete Künstler oder auch als Hobby- und Freizeitmaler in Kirchberg aktiv waren. Bei der Buchvorstellung im Museum übergab der Autor auch einen Bücherfundus mit weiterführender Literatur zur Kirchberger Malerszene ans Museum. Die Bücher sollen in das Werkverzeichnis der ebenfalls von Hans Dieter Haller gestifteten Hohenlohe-Bibliothek integriert werden.

Info Das Buch „Kirchberg an der Jagst – ein Malerort“ von Hans Dieter Haller ist in geringer Auflage bei der Kirchberger Druckerei Artis erschienen und ist im Museum erhältlich oder kann dort für einen weiteren Nachdruck vorbestellt werden.