Schrozberg Kein Ramsch-Discounter-Feldzug

Geschäftsführer Friedemann Vogt berichtete über ein gutes Jahr der Molkerei Schrozberg. Foto: Mathias Bartels
Geschäftsführer Friedemann Vogt berichtete über ein gutes Jahr der Molkerei Schrozberg. Foto: Mathias Bartels
MATHIAS BARTELS 31.03.2012
Mit selbstbewusstem Kaufmannsstolz hat die Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken Schrozberg ihre Jahreszahlen vorgestellt. Es bleibt dabei: Auf Ramsch-Discounter-Feldzüge lässt man sich nicht ein.

Eines der besten Jahre der mittlerweile 111-jährigen Geschichte liegt hinter den Lieferanten der Schrozberger Molkerei und damit auch hinter der Genossenschaft. Der Milchmarkt ist erneut gewachsen und hat etliche Rekorde gebrochen. Die Milchanlieferung in Deutschland hat die Höchstmarke von 30 Millionen Tonnen nur knapp verfehlt, und auch die Schrozberger stehen bestens da. Ein Plus von 6,5 Prozent bei der Anlieferung auf gut 45,16 Millionen Kilo (Vorjahr 42,39 Millionen) steht zu Buche - verteilt auf konventionelle Milch (62,6 Prozent) und Demeter-Milch (37,4 Prozent). Der Umsatz stieg im Berichtsjahr 2011 auf 34,12 Millionen Euro (Vorjahr 30,35; plus 11,1 Prozent).

Über die Qualität der Produkte aus Schrozberg ist damit noch gar nichts gesagt, doch sprechen die unabhängigen DLG-Prüfungen eine deutliche Sprache: Die Genossenschaft erhielt 2011 erneut den Bundesehrenpreis und - für 30 Jahre Spitzenleistungen bei den Qualitätswettbewerben für Schwedenmilch - die DLG-Golden-Classic-Urkunde. Außerdem gab es für die Demeter-Produkte Vollmilch, Schlagsahne und Joghurt erneut die goldenen DLG-Preise - Höchstwertung!

Vermarktet werden die Frischeprodukte fast ausschließlich über die Fachhandelsschiene. Das heißt: Nur Naturkostläden - mit Ausnahme der Tegut-Kette - bieten Schrozberger Frischmilch (im vergangenen Jahr 8274 Tonnen abgesetzt; Vorjahr 7842), Sahneerzeugnisse (2519 Tonnen; 2476), Joghurt (18 037 Tonnen; 17 317), Speisequark (296 Tonnen; 302) und Markenbutter (261 Tonnen; 140) an. Was für die Genossen nicht infrage kommt, machte Geschäftsführer Friedemann Vogt unmissverständlich klar: "Selbst wenn das Fachhandelsgebot für Demeterware fallen sollte, werden wir keinen Ramsch-Discounter-Feldzug mitmachen."

Vielmehr hält man es offenbar mit der neuen Marketing-Kampagne, die laut Vogt hervorragend angenommen worden sei: "Unsere Hörner bleiben dran", heißt es da auf einer frisch-fröhlich gestalteten Plakatwand, die einen munteren Hohenloher Bauern mit seiner Kuh zeigt. Authentisch und ehrlich "rüberzukommen" ist die Intention der Werbemaßnahme. Wer Friedemann Vogt erlebt, wie er sich während der Versammlung für neue Produktlinien und Ideen stark macht, bekommt eine Ahnung davon, dass die Molkerei Hohenlohe-Franken noch etliche Pfeile im Köcher haben dürfte. Keine Frage: Hier ist ein Mann am Werk, der "seine" Molkerei lebt, bewegt und voranbringen will. Neue Produkte, zum Beispiel "Frozen Yoghurt", werden übrigens im Haus selber entwickelt und zur Marktreife gebracht.

In dieser Hinsicht sind die Schrozberger offensichtlich gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet. Die erste Demeter-Fruchtsuppe steht vor der Markteinführung, weitere "Versuche" haben sich im Messetest bereits bewährt. Und wohl selten nur sieht man bei einer Hauptversammlung so viele Mitglieder genüsslich Joghurt schlotzen wie in der Schrozberger Stadthalle.

Was die Milchbauern naturgemäß stärker interessiert als Marktnischen und Absatzchancen, ist ihr Verdienst - und der war 2011 mehr als nur "in Ordnung". Pro Kilo Milch erhielten die Erzeuger im Jahresdurchschnitt inklusive Mehrwertsteuer 40,55 Cent bei einem Fettgehalt von 4,2 Prozent und 3,4 Prozent Eiweißgehalt. Die Demeter-Produzenten bekamen mit 47,73 Cent pro Kilo noch ein wenig mehr. An Milchgeld nachgezahlt wurde bei der konventionellen Milch 1,11 Cent, die Demeter-Produzenten erhielten 0,55 Cent pro Kilo.

Inzwischen haben die Preise am internationalen Milchmarkt nachgegeben. Schuldenkrise und das schwächere weltweite Wirtschaftswachstum sorgten dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dennoch sind die Genossen mit Blick auf 2012 zuversichtlich.