Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Januar werde im Wesentlichen von zwei Faktoren beeinflusst, sagt Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Zum einen würden Mitarbeiter zum Jahresende entlassen, weil Kündigungsfristen oder befristete Verträge auslaufen. Zum anderen wirke sich die Witterung auf die Beschäftigung aus – besonders bei Berufen im Freien.

Einfluss nimmt ab

„Der Einfluss beider Faktoren auf den Arbeitsmarkt nimmt aber ab“, sagt Käppel. „Die Auftragsbücher der Betriebe sind gut gefüllt, die Mitarbeiter werden gebraucht und sollen gehalten werden.“ Befristet Beschäftigte würden direkt in Dauerarbeitsverhältnisse übernommen und Mitarbeiter werden nur gekündigt, „wenn es gar nicht mehr geht“, also wenn beispielsweise die Arbeitsqualität nicht ausreiche. „Die Unternehmen wollen es nicht riskieren, gute Mitarbeiter an andere Firmen zu verlieren“, so Käppel. „Zudem werden die Winter wärmer und Tage, an denen wegen des Wetters nicht gearbeitet werden kann, werden mit Überstundenkonten und Urlaub überbrückt.“

Kreis Ludwigsburg

Die Agenturchefin sieht in dem Anstieg daher auch keinen Grund zur Sorge. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in der Region sei weiterhin stabil. Aktuell sind 9549 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 879 (Plus 10,1 Prozent) mehr als im Dezember, aber 579 (Minus 5,7 Prozent) weniger Arbeitslose als im Januar 2018. Die Arbeitslosenquote ist um 0,2 Prozent auf 2,8 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg beträgt die Arbeitslosenquote 3,3 Prozent, im Bereich der benachbarten Arbeitsagentur Heilbronn 3,4 Prozent (Plus 0,2 Prozent).

Eine gute Stimmung in der regionalen Wirtschaft zeige sich Käppels Ansicht nach auch an der Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Diese sei weiterhin hoch. Im Januar seien insgesamt 7705 freie Stellen gemeldet gewesen. Das bedeute zwar 247 weniger als im Vormonat und ein Minus von 3,1 Prozent, jedoch sind es 388 mehr als im Januar 2018. „Das bedeutet ein Plus von 5,3 Prozent“, so Käppel. Die Arbeitgeber hätten im Januar 1514 neue Stellen gemeldet.

Befürchtungen einer kommenden Rezession aufgrund des Rückgangs des Wirtschaftswachstums in Deutschland steht die Agenturchefin gelassen gegenüber. „Es gibt aber aus einigen Firmen in der Region Hinweise darauf, dass man mit Einbußen rechnet“, so Käppel. „Die Betriebe beobachten aber Dinge wie den Brexit oder die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft sehr genau. Das spiegelt sich in der Region aber noch nicht beim Einstellungsverhalten.“ Es gebe über den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur auch vermehrt Anfragen zum kommenden Qualifizierungs-Chancen-Gesetz, mit dem die Fort- und Weiterbildung von Arbeitnehmern unterstützt werden soll. Im Landkreis Hall sei eine hohe Nachfrage nach Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland zu beobachten. „Die Unternehmen warten gespannt auf das neue Zuwanderungsgesetz“, so Käppel. Allerdings ärgert die Agenturchefin, dass manche Firmen „in der alten Welt verhaftet“ seien und so weitermachten wie bisher. „Bei dem Fachkräftemangel müssen die Arbeitgeber auch Menschen eine Chance geben, die früher keine bekommen hätten“, sagt Käppel.

Berlin

An Personal festhalten

In der Vergangenheit hätten die Unternehmen in der Region auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten an ihrem Personal festgehalten, sagt auf Nachfrage Dr. Detlef Schulz-Kuhnt, Mitglied der Geschäftsleitung und Pressesprecher der IHK Heilbronn-Franken. „Es ist davon auszugehen, dass dies insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt des akuten Fachkräftemangels auch weiterhin so sein wird“, so Schulz-Kuhnt.

Die Konjunktur im IHK-Bezirk habe sich im dritten Quartal 2018 trotz eines schwachen Welthandels und außenwirtschaftlichen Unwägbarkeiten solide gezeigt. Spitzenreiter bleibe das Baugewerbe. Sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel stuften die Betriebe ihre gegenwärtige Lage besser als im Vorquartal ein. Schulz-Kuhnt stellt aber auch fest: „Auf hohem Niveau melden die Industrieunternehmen eine etwas ungünstigere Geschäftslage. Im Hinblick auf die kommenden Monate ist der Optimismus in der regionalen Wirtschaft insgesamt zurückgegangen.“

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Die IHK Heilbronn-Franken stellt in der kommenden Woche die Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2018 vor.