Menschen Kaum eine Singstunde versäumt

Die Liebe zu den Blumen ist bei Klara Kolb ähnlich groß wie die Liebe zum Gesang.
Die Liebe zu den Blumen ist bei Klara Kolb ähnlich groß wie die Liebe zum Gesang. © Foto: Christine Hofmann
Frankenhardt / Christine Hofmann 07.07.2018

Die Entscheidung, im Kirchenchor zu singen, hat Klara Kolb aus Frankenhardt-Gründelhardt gar nicht selbst getroffen. „Unser Schullehrer war gleichzeitig der Chorleiter des Kirchenchors“, erinnert sich die 81-Jährige. „Der hat alle Schüler in die Singstunde bestellt, Buben wie Maadlich. Da hat sich keiner getraut, nicht  hinzugehen.“ Mehr als 65 Jahre ist das jetzt her, dass diese Einladung, die man nicht ausschlagen konnte, ausgesprochen wurde. Dafür gab es jetzt eine Ehrung vom Chorverband der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Verbands Evangelische Kirchenmusik in Württemberg.

Klara Kolb hat schnell gemerkt, dass es keine Strafe ist, im Chor zu singen. Im Gegenteil – sie fand großen Gefallen am mehrstimmigen Gesang. Als junges Mädchen – im Jahr 1951 war sie gerade frisch konfirmiert worden – freute sie sich auf die wöchentlichen Singstunden und die Auftritte in der Gründelhardter Laurentiuskirche an kirchlichen Feiertagen. Das Singen wurde für sie so wichtig, dass sie kaum eine Übungsstunde verpasste.

„Als die Kinder geboren wurden, habe ich mal ein paar Wochen ausgesetzt. Oder wenn ich mal krank war. Aber sonst gab es nichts: In die Singstunde bin ich immer gegangen“, sagt sie. Auch für das Beerdigungssingen auf dem Friedhof nimmt sie sich immer Zeit. Sie vermutet, dass sie in all den Jahren vielleicht zehnmal gefehlt hat – „mehr nicht“.

Acht Dirigenten hat die Rentnerin erlebt und viele Sangesbrüder und -schwestern kommen und gehen sehen. Von ihren damaligen Klassenkameraden ist schon lange keiner mehr dabei. „Ich bin mit Abstand die dienstälteste Sängerin“, sagt sie lachend. „Die Älteste bin ich aber nicht: Zwei sind noch älter als ich.“ Der Chor ist mit seinen 25 Mitgliedern ansonsten altersgemischt. „Die Männerstimmen sind heute schwach besetzt. Das war früher anders“, sagt die 81-Jährige, die im Sopran singt. „Und 14-Jährige sind auch schon lange nicht mehr eingetreten. Die meisten, die Freude am Singen haben, sind älter.“

Im Laufe der Jahre sind viele Lieder zu Lieblingsliedern geworden. Da fällt die Auswahl schwer. „‚O dass ich tausend Zungen hätte‘ gehört sicher dazu“, überlegt Klara Kolb, „und ‚Großer Gott, wir loben dich‘.“

Neue und alte Lieder

Den Klassiker hat der Kirchenchor, der inzwischen in Lauren­tius­chor umbenannt wurde, im letzten Jahr auf der diamantenen Hochzeit von Klara und Willi Kolb gesungen. „Das war wunderschön.“

Schön findet sie auch, dass immer wieder neue Lieder dazukommen. „Die modernen Stücke gefallen mir, aber die alten Lieder sind auch immer wieder schön.“ Ihre Notenmappe hat sie zwar immer dabei, aber die meisten Stücke singt sie freilich auswendig. „Beim zweiten oder dritten Vers muss ich manchmal nachschauen.“

Klara Kolb ist in Gründelhardt aufgewachsen und hat auf dem elterlichen Hof geschafft. Später hat sie ihn mit ihrem Ehemann im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Landwirtschaft ist inzwischen seit fast 30 Jahren zum Großteil verpachtet. Geblieben sind noch drei Schweine, einige Hasen und Hühner – und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur.

Klara Kolb hat drei Kinder und sieben Enkel. Sie ist die zentrale Figur der Familie: Jeden Mittag versammelt sich ein großer Teil der Familie um ihren Küchentisch – alle Generationen sind vertreten. Sie kocht und backt mit Leidenschaft und bewirtschaftet nebenbei noch einen großen Garten, in dem nicht nur Gemüse und Obst angebaut werden, sondern auch fast das ganze Jahr über herrliche Blumen blühen.

Manchmal bringt die begeisterte Sängerin ein Lied aus der Singstunde mit heim. Das begleitet sie dann den ganzen Tag: beim Kochen und Backen in der Küche, beim Beerenpflücken oder Blumengießen im Garten. Wie gut, dass ihr Lehrer sie damals in den Chor bestellt hat.

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