Vellberg Kathrin Heinritz aus Vellberg: "Norddeutsche Küche ist Geschmackssache"

© Foto: Ufuk Arslan
Vellberg / SONJA-ALEXA SCHMITZ 14.09.2013
Mamas Lieblingsgericht findet in ihrer Familie kaum Freunde. Dennoch helfen die drei Kinder von Kathrin Heinritz gut gelaunt mit. Dreimal "Iiih!" und ein langes "hmmmm!" heißt es am Ende.

"Eigentlich müsste es 25 Grad kälter sein. Wir müssten verfroren vom Schlittenfahren in die warme Stube kommen, dann würde uns die Fleederbeersupp noch viel besser schmecken", sagt Katrin Heinritz. Lange hat sie überlegt, welches Gericht der norddeutschen Küche sie wohl zubereiten könnte. Bei ihr zu Hause ist sie die Einzige, die hin und wieder Verlangen hat nach den seltsamen Geschmackskombinationen der Holsteiner. "Da wird Zucker auf Grünkohl und Kartoffeln gestreut, zur süßen Suppe wird Schinken gegessen, es gibt ein Gericht mit Birnen, Bohnen und Speck, das will aus meiner Familie niemand essen - eingeschlossen ich selber", lacht die 38-Jährige. Aber die Fleederbeersupp liebt sie - und die muss hin und wieder sein.

Auf der erhöhten Küchenanrichte liegt ein blau-weiß kariertes Kochbuch: "Schleswig-Holsteinische Küche". Gleich in der Einführung steht in Schreibschrift der Spruch:"Wert mag, der magt und wert nit mag na, de magt ja wohl ni mögen!" Bernadette (5) klettert auf einen Stuhl und steckt ihren Finger in den Topf, schleckt ab. "Iiiih, das ist eklig!" Tja, wert nit mag....

Ein Kaninchen namens Tatort

Friedrich (10) und Charlotte (7) haben Äpfel geschnitten und Zitrone gerieben. Jetzt laufen sie in den Garten und kommen immer wieder mit einem andersfarbigen Kaninchen hinein. "Das ist Spargel, weil er so weiß ist, und das ist Tatort", sagt Friedrich und hält ein schwarzes Kaninchen hoch, "wir dachten eigentlich, es sei ein Mann, bis es Kinder bekommen hat." "So Fritzi, jetzt mal raus hier", bestimmt die Mutter. "Ich habe Hunger", jammert Bernadette. Sie darf Eischnee schlagen. Hoch steht sie auf ihrem Stuhl. Die Küche der Heinritz ist höher als normale Küchen. "Wir sind halt groß im Norden", sagt Kathrin Heinritz und lässt ihre fröhlichen Grübchen lachen.

Aus dem Küchenfenster fällt der Blick zuerst auf das rot-weiße Baumhaus und dann auf die Burg Vellberg. "Das ist hier der beste Platz", findet Kathrin Heinritz. Mit 18 Jahren hat sie ihr holsteinisches 1000-Einwohner-Dorf Timmaspe verlassen und ist zum Studieren nach Tübingen gegangen. Während des Studiums verbrachte sie viel Zeit in Moskau und Turkmenistan, und wieder in Deutschland zog sie mit ihrem Mann Johannes für zehn Jahre an den Niederrhein.

"So Schnecke, sind die Äpfel gefüllt?"

Die Politikwissenschaftlerin erstellt Studien über Zentralasien, unter anderem für die Bausparkasse und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Außerdem arbeitet sie als Büroleiterin beim Landtagsabgeordneten Helmut W. Rüeck. "Man fragt mich zum Beispiel zur aktuellen Lage in Turkmenistan." "Mama, wir wollen kochen, nicht über Politik reden." Sie streicht Friedrich über den Kopf und geht an den Herd. Die Fleederbeersupp ist fertig. Der Nachtisch bedarf noch ein paar Handgriffe. Ist der Eischnee steif? "Nein, flüssig", sagt Bernadette und zieht den Schneebesen aus der stocksteifen Masse. Er ist für den Smorappel. "Bratapfel ist nicht wirklich winterlich, aber es ist der einzige holsteinische Nachtisch, den meine Kinder essen." Krüsch nennt man in Norddeutschland schleckige Mäulchen. "So Schnecke, sind die Äpfel gefüllt?", fragt Mama ihre Charlotte, die dabei ist, Quittenmarmelade und Nüsse in die ausgehöhlten Äpfel zu füllen. Und ab in den Ofen.

"Vellberg ist jetzt mein Zuhause", beendet Katrin Heinritz den Klöönschnack. "Meine Heimat ist Holstein. Ich will nie vergessen, wo meine Wurzeln sind." Und nimmt einen Löffel voll holunderbeerfarbener Kindheitserinnerungen in den Mund.

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