Ku-Klux-Klan Kapuzen-Rituale auf der Limpurg

Mitglieder des Ku-Klux-Klans in Virginia (USA) kurz vor dem Anzünden eines Kreuzes. Ein ähnliches Ritual habe es auch mehrfach in der Haller Region gegeben, berichtet ein ehemaliges Klan-Mitglied. Archivfoto: dpa
Mitglieder des Ku-Klux-Klans in Virginia (USA) kurz vor dem Anzünden eines Kreuzes. Ein ähnliches Ritual habe es auch mehrfach in der Haller Region gegeben, berichtet ein ehemaliges Klan-Mitglied. Archivfoto: dpa
Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 23.11.2012
Der Ku-Klux-Klan war in Hall aktiver als bislang angenommen. Es habe mehrere Rituale gegeben - auch auf der Ruine Limpurg, bestätigt eine ehemaliges Klan-Mitglied. Er widerspricht Aussagen der Behörden.

Teelichter brennen, ein etwa drei Meter hohes Kreuz, in mit Benzin getränkte Tücher gewickelt, leuchtet über der Grillstelle der Geyersburg. Von der Bundesstraße ist die Burg gut zu sehen - "aber nicht im Sommer, da hatten wir Ruhe", sagt das ehemalige Klan-Mitglied Peter M. (Name von der Redaktion geändert), der sich jetzt bereit erklärt hat, mit dem "Haller Tagblatt" über die Geschehnisse von damals zu sprechen.

Von Oktober 2000 bis Ende 2003 war Hall Sitz der "European White Knights of the Ku-Klux-Klan". Chef Achim S. lebte in einem Haller Teilort. Die Gruppe hatte rund 20 Mitglieder - darunter zwei Polizisten, die laut M. bei zwei getrennten Ritualen "eingebürgert" wurden - einer auf der Ruine Limpurg, der andere auf der Geyersburg.

Dass zwei Polizisten in einem rassistischen Geheimbund aktiv waren, wurde erst bei den Untersuchungen zum NSU-Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter öffentlich. Einer der Polizisten war ihr Gruppenführer. Die Behörden hielten die Akten jahrelang unter Verschluss. Die beiden Polizisten wurden 2005 gerügt, sind aber weiter im Dienst.

Durch Thomas R. entsteht die Verbindung zum NSU. Achim S. hatte ihn als KKK-Mitglied geworben. Über Jahre sei er alle zwei Monate von Halle nach Hall gekommen, erzählt M. In Leipzig hat Thomas R., der V-Mann des Verfassungsschutzes war (Deckname "Corelli"), versucht, einen eigenen KKK-Ableger zu gründen. Brisant: Die Kontaktdaten von ihm tauchen im Adressbuch von Uwe Mundlos auf. Von den NSU-Terroristen selbst gibt es Fotos, die sie vor brennenden Kreuzen zeigen.

Bereits um die Jahrtausendwende hatte die Haller Polizei Kenntnis von der Existenz des KKK. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten bei Achim S. neben Kutten auch mehrere Urkunden für neue KKK-Mitglieder, heißt es aus Ermittlerkreisen. Polizeisprecher Hermann Schüttler konnte sich vor einigen Wochen nicht daran erinnern ("das ist zwölf Jahre her"). Nun sagt er nichts mehr und verweist auf das Innenministerium.

Günter Loos, der dortige Sprecher, begründet die Wissenslücke mit Löschungsfristen. "Wer Mitglied im KKK ist, macht sich nicht strafbar." Es sei zu keiner Zeit ein krimineller Akt festgestellt worden. "Einträge werden daher nach einer bestimmten Dauer gelöscht."

Wie viele Daten gesammelt wurden, ist unklar. Aber mindestens eines der Rituale auf der Geyersburg - es gab sie laut Peter M. auch in Sulzbach/Murr, Ansbach und in Hessen - wurde vom Verfassungsschutz observiert, wie es aus Polizeikreisen heißt. M. erzählt von drei Durchsuchungen bei Achim S. Andere Klan-Mitglieder wurden vom Verfassungsschutz mehrfach befragt.

Beate Bube, Chefin des Verfassungsschutz, teilte zunächst mit, der Geheimdienst habe 2003 den Klan über die Überwachung informiert - so sei eine Auflösung der rassistischen Gruppe erfolgreich provoziert worden. Im Oktober sickerte aber durch, dass ein Verfassungsschutzmitarbeiter den Klan-Chef ohne Genehmigung in einem Chat über Abhörmaßnahmen informiert hatte. Er wurde wegen Geheimnisverrats versetzt.

Dass der Klan sich 2003 aufgelöst hat, habe nichts mit dem Verfassungsschutz zu tun, berichtet M. Anführer Achim S. habe Vertrauen missbraucht und Gelder veruntreut, sodass der Klan ihn verbannt hätte. "Nach und nach löste sich die Gruppe auf."

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