Beinahe jeder kann von Wilhelmshaven nach Kiel fahren – aber kaum jemand kann das mit einer F-125-Fregatte, dem modernsten Kriegsschiff der deutschen Marine. Einer der wenigen: Karl Reichart aus Oberspeltach, Korvettenkapitän der Reserve außer Dienst. Das Gründungsmitglied der Gruppe „Freundeskreis Fregatte Baden-Württemberg“ ging kürzlich mit 14 weiteren Besuchern an Bord, um die etwa 30-stündige Reise anzutreten. Auf See gab es einige Übungen, unter anderem wurden Speed-Boote eingesetzt.

Dabei war es nicht Reicharts erste Fahrt auf der Stecke zwischen den beiden Städten. Bereits vor 50 Jahren ist er sie als junger Wachoffizier mehrmals gefahren, damals mit Versorgungsschiffen der Marine. Transportiert wurden unter anderem Schwer- und Dieselöl sowie weitere Versorgungsgüter: von der Klopapierrolle bis hin zu elektronischen Sicherungen.

Bildschirm statt Papierkarte

Seit damals habe sich allerdings vieles an Bord verändert. Navigiert werde zum Beispiel nicht mehr nach Karten auf Papier, sondern auf Bildschirmen. Und die technischen Möglichkeiten seien mittlerweile so weit, dass man sich sogar das Menü einer Hafenkneipe anzeigen lassen könnte. Außerdem sei der Umgangston freundlicher und höflicher geworden – trotz der Hierarchien, die es nach wie vor gibt. Und: Im Vergleich zu früher gebe es jetzt auch Frauen an Bord.

Reichart war aber nicht der einzige aus der Region, der an Bord war. Er hat einen Maat auf dem Schiff getroffen – und der kommt aus Crailsheim. Ihn hat Reichart bereits eingeladen: Wenn der das nächste Mal auf Heimaturlaub ist, solle er auch in Oberspeltach vorbeischauen.

Die Fregatte „Baden-Württemberg“ mit der Nato-Kennzeichnung F 222 ist jetzt unterwegs in Richtung Norwegen, um dort im kalten Wasser erprobt zu werden. Anschließend geht es nach Brasilien.

Vier Schiffe des Typs F 125 sollen einmal unter dem Befehl des Verteidigungsministeriums fahren, momentan gibt es nur die „Baden-Württemberg“. Zwei weitere Fregatten sind fertig, müssen aber noch von der Werft an das Ministerium übergeben werden. An einer werde noch gebaut, so Reichart.

Allerdings: Die Fregatten lösen gleich acht Schiffe der älteren Bremen-Klasse ab. Unter dem Strich sind also weniger Schiffe verfügbar. Für Reichart ist das nicht verständlich. Gerade bei aktuellen Gefahrenlagen sei das der falsche Weg, wie an der Straße von Hormus zwischen Iran und Oman oder bei Piraten vor der Küste Nigerias.

Im Jahr 1988 ist Karl Reichart aus der Reserve der Marine ausgeschieden, der Seefahrt ist er aber treu geblieben: Zunächst segelte er mit einer selbst gebauten Hochseeyacht sechs Jahre lang über die Meere: Von Italien aus ging es unter anderem nach Großbritannien, in die Karibik und an die Küste der USA.

Doch auch heute noch versucht Reichart, dem Nachwuchs das Segeln näherzubringen – ihn mit dem Segel- oder Seefahrt-Virus infizieren, wie er es nennt. „Wenn einen das Virus mal erwischt hat, dann lässt es einen nicht mehr los“, so Reichart.

Er hat am Bucher Stausee zwischen Ellwangen und Aalen ein kleines Segelboot liegen. Auf ihm zeigt er Schulklassen oder Teilnehmern des Kinderferienprogramms, wie viel Spaß das Segeln machen kann.

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43 000 PS für Kampf gegen Bedrohungen


Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist 149,5 Meter lang und 18,8 Meter breit. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 28 Knoten (rund 52 Stundenkilometer), die Maschinenleistung etwa 43 000 PS.

Das Schiff wurde laut Karl Reichart „für den Kampf gegen asymmetrische Bedrohungen und lange Standzeiten in Einsatzgebieten“ gebaut. luc