Wüstenrot Junge Familie in Notunterkunft

Das Haus in der Hofgasse in Finsterrot kann nicht mehr bewohnt werden, der Dachstuhl ist ausgebrannt. Die Ursache des Brandes ist weiter ungeklärt. Foto: Gustav Döttling
Das Haus in der Hofgasse in Finsterrot kann nicht mehr bewohnt werden, der Dachstuhl ist ausgebrannt. Die Ursache des Brandes ist weiter ungeklärt. Foto: Gustav Döttling
Wüstenrot / GUSTAV DÖTTLING 23.02.2013
Das alte Wohnhaus in der Hofgasse in Finsterrot bietet ein trauriges Bild. Hinter der Absperrung liegen heruntergerissene Dachlatten. Ziegel sind vom Dach losgelöst, die Gaubenfenster sind verrußt.

Noch schlimmer sieht es auf der Rückseite des Gebäudes aus, in dem früher einmal eine Sattlerei beheimatet war. Ruß- und Brandgeruch liegen auch Tage nach dem verheerenden Brand noch in der Luft.

"Der Schaden wird wohl um die 100000 Euro betragen. Fraglich ist, ob es jemals wieder hergerichtet werden kann", sagte Bürgermeister Heinz Nägele bei der Inspektion der Brandstelle. Ein Statiker des Technischen Hilfswerks habe sich das Haus bereits angeschaut. "Es ist völlig unklar, warum der Brand am Sonntagmorgen nochmals aufgeflammt ist", rätselte Wüstenrots Feuerwehrkommandant Hans Mühlmann.

Zunächst war die Feuerwehr Wüstenrot am vergangenen Samstag mit 27 Mann im Einsatz, nachdem Nachbarn kurz nach 19 Uhr den Brand bemerkt und Polizei und Feuerwehr alarmiert hatten.

Am Sonntagmorgen loderte kurz vor neun Uhr der Brand erneut auf und der ganze Dachstuhl stand in Flammen. Mit fünf Löschfahrzeugen und der Drehleiter sowie einem Großaufgebot von 70 Mann bekämpften alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Wüstenrot die Flammen. Auch Kräfte aus Löwenstein halfen.

Bei dem Unglück hat die junge Familie von Fin S. ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Noch am Sonntag hat Bürgermeister Heinz Nägele als Notunterkunft eine Zweizimmer-Dachgeschosswohnung in einem Haus im Gogelsfeld bei Fritz Dietrich organisiert. Über Facebook, per E-Mail und SMS startete der Schultes als Chef der Bürgerstiftung einen Spendenaufruf für die Familie in Not.

Bereits am Montagmorgen trafen die ersten Tüten mit Kleidung und Wäsche bei Bereichsleiter Jürgen Reinhardt im Rathaus ein. "Mein Bagger und meine Spielsachen sind alle weg", war der dreijährige Mayko den Tränen nahe. "Wir wissen nicht, was wir als Erstes machen sollen", sagte Fin S. Zusammen mit seiner Frau Stephanie machte der 25-jährige Industriemonteur in der kleinen Küche der Notunterkunft eine Checkliste, was zu tun ist. Tochter Eliana (6) musste am Montag nach dem Unglückswochenende nicht in die Schule.

Seit 2008 wohnt die junge Familie in Finsterrot zur Miete. "Das Schlimmste für unsere Kinder ist, dass Wellensittich Henry bei dem Brand umgekommen ist", sagte Stephanie S., die als Altenpflegerin arbeitet. "Es gibt Dinge, die zerstört wurden, die kann man nicht ersetzen", trauerte die junge Frau vor allem um Erinnerungsstücke und Fotos. "Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und anderer Menschen ist überwältigend, das hätte ich nie erwartet", freute sich der Familienvater über spontane Spielsachen- und Kleiderspenden für die Kinder.

Auch Dinge des täglichen Bedarfs seien spontan abgegeben worden. Nun will er zunächst Versicherungsfragen klären und sich um eine neue Wohnung kümmern. "Die Experten der Polizei werden für Montagnachmittag zur Brandbegehung erwartet", sagte Polizeisprecher Rainer Köller.