Mainhardt Jugendliche unterschätzen Netz

Ein Junge surft auf einer Social-Media-Plattform im Internet. Archivfoto
Ein Junge surft auf einer Social-Media-Plattform im Internet. Archivfoto
MICHAEL EMTER 07.02.2013
"Surfen, chatten, skypen, bloggen, posten und liken" lauten Schlagwörter des Internets, die sich im Sprachgebrauch der Kinder etablieren. In Mainhardt informierten sich Eltern bei einem Workshop über das Netz.

Im Workshop "Facebook & Co. - Soziale Netzwerke kennen lernen und mitreden" hatten Eltern die Gelegenheit, sich mit einem Thema vertraut zu machen, bei dem ihre Kinder meist als Experten auftreten. Der Förderverein der Schule Mainhardt hatte eingeladen.

"Viele Jugendliche gehen mit Facebook und Twitter sowie Wikis und Blogs spielerisch und intuitiv um. Die Medienergonomie der Geräteoberfläche ist von den Herstellern bewusst so gestaltet", erklärte David Traens von der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) Heilbronn-Franken bei der Einführung. Junge Leute bewegten sich dabei oftmals zu sorglos im Netz und seien sich selten der Gefahren des Datenaustausches in ihren Communities bewusst. Um eine kritische Nutzung dieser Medien zu erreichen, seien Eltern als Begleiter gefordert - und nicht selten überfordert. Wollen Eltern die Gespräche ihrer Kinder über digitale Welten besser verstehen und übersetzen, dann müssten sie sich über Möglichkeiten und Gefährdungen selbst ein Bild machen.

"Ich muss also Vertrauen zu meinen Kindern haben oder alles kontrollieren", brachte es ein Vater im Publikum auf den Punkt, "wirklich schützen kann ich sie nicht". Kontrolle sei nur schwer möglich, doch eine kritische Begleitung hilfreich: David Traens machte humorvoll und kurzweilig seinen Zuhörern Mut, sich mit dem Thema neue Medien zu befassen.

Während er eine Art Grundkurs zu den Anwendungseinstellungen insbesondere bei Facebook und dergleichen bot, ging es parallel dazu um mögliche Gefahren der Handy- und Internet-Nutzung sowie um Risiken von vermeintlich harmlosen Suchmaschinen wie Google. "Umsonst ist im Internet nichts, es werden Daten gesammelt, von denen der unbedarfte Nutzer sich keine Vorstellungen macht."

Besonders groß war an diesem Abend das Interesse an den sozialen Netzwerken, die manchen Eltern noch ein Buch mit sieben Siegeln sind. "Fast die Hälfte der Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen, dienen der Kommunikation", informierte Traens. Neben Telefonieren via Skype, persönlichen Blogs (eine Art öffentliches Tagebuch) und Kurznachrichten via Twitter ist das in erster Linie Facebook. Aber Jugendliche holten sich auch Informationen, ohne sich der rechtlichen Konsequenzen bewusst zu sein: Nicht alles, was im Internet angeboten werde, sei gesichertes Wissen, und nicht alles darf ins Netz gestellt oder heruntergeladen werden, um nicht die Rechte der Abgebildeten am eigenen Bild oder die geistigen Eigentumsrechte anderer zu verletzen.

Der Referent riet zur Vorsicht: Alles, was man später lösche, sei noch nicht verschwunden. Den Jugendlichen sei die Reichweite sozialer Netzwerke oft nicht bewusst. Es sei daher wichtig, dass die Eltern das Gespräch mit ihnen suchten.