Während andere Schüler dieser Tage ihre Sommerferien genießen und ausschlafen können, unterwerfen sich die zwölf jugendlichen Lehrgangsteilnehmer in der Boule-Kunst-Halle von Dieter Killian seit Montag freiwillig einem straffen Trainingsprogramm.

Bereits morgens um halb sieben geht es los mit einer Stunde Walking rund um Brettheim, wo die 14- bis 17-Jährigen im „Haus der Begegnung“ untergebracht sind. Nach dem Frühstück werden sie nach Nesselbach gefahren, wo sie zunächst ein spezielles Aufwärmtraining mit „Life-Kinetik“ erwartet. Das sind spielerische Übungen, bei denen Bewegung mit Gehirnjogging kombiniert wird. Denn die mentale Fitness sei für einen guten Pétanque-Spieler mindestens ebenso wichtig wie die körperliche, weiß Andrea Schirmer, die Bundestrainerin der deutschen Pétanque-Jugend-Nationalmannschaft. Mit ihrem Kollegen Bernd Wormer zusammen betreut sie die sechs deutschen Jugendlichen aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und dem Saarland.

Einer davon ist der 16-jährige Sven Laube aus der Nähe von Saarlouis. Seit dreieinhalb Jahren trainiert er schon in der Nationalmannschaft. Nach dem Erringen der deutschen Meisterschaft im Jahr 2010 ging es mit seiner Pétanque-Karriere steil bergauf: In mehreren „Sichtungen“ wurde er 2013 zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Montabaur ausgewählt, 2014 dann zur EM in Basseus und 2015 wieder zur WM in Bangkok.

„Vor jeder Europa- und Weltmeisterschaft finden rund acht Sichtungen statt“, berichtet der junge Weltklasse-Bouler. Auch beim Lehrgang in Nesselbach ist die Nachwuchselite den ganzen Tag über den kritischen Blicken der fünf Trainer ausgesetzt. Permanent unter Beobachtung zu stehen, sei zwar „manchmal etwas stressig“, meint Sven Laube, aber insgesamt überwiege doch der Spaß am Spiel und die Freude an der Begegnung und Freundschaftspflege mit Gleichaltrigen.

Auch Leon Caronne, einer der drei französischen Bundestrainer, sieht sich nicht nur als strengen Platzrichter, sondern liebt es ungemein, mit den Jugendlichen zu trainieren. „Es kommt so viel Schönes zurück“ freut sich der 70-Jährige. Auch als er gehört habe, dass die vom Deutsch- Französischen Jugendwerk (DFJW) geförderte Begegnung, die im jährlichen Wechsel in Deutschland und Frankreich stattfindet, nun bereits zum zweiten Mal in Nesselbach durchgeführt werde, habe er sich sehr gefreut. Als er mit seinen Schützlingen vor zwei Jahren schon mal hier war, habe er sich „wie ein König“ gefühlt.

Nicht nur die Trainingsvoraussetzungen bei Dieter Killian seien ideal, sondern auch das kulturelle Rahmenprogramm. Dazu gehört auch wieder eine spannende Orientierungsrallye durch Schwäbisch  Hall am Samstag, wo die Stadt auf spielerische Weise erkundet werden soll. Danach gibt es um 16 Uhr am Globe- Theater ein Show-Training. Am heutigen Freitag ist ab 14 Uhr für passionierte Boule-Spieler aus der Region in Nesselbach Gelegenheit, mit den jungen Champions zu trainieren und an einem Triplette-Turnier mit jeweils einem Nationalspieler und zwei Gästen teilzunehmen.