Mit einem Rückgang der Straftaten um 4,1 Prozent auf 36 042 Delikte wurde im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen die niedrigste Anzahl an Straftaten innerhalb der letzten zehn Jahre registriert. Gleichzeitig legte die Aufklärungsquote um 0,8 Prozent auf 62,7 Prozent zu, was ebenfalls den besten Wert der jüngsten Vergangenheit bedeutet. Die beiden guten Nachrichten überbrachte Polizeipräsident Roland Eisele vergangene Woche bei der Präsentation der Jahresstatistik 2018. Sein Präsidium ist mit aktuell 1604 Bediensteten, darunter 1396 Vollzugsbeamte, für die Sicherheit von rund 930.000 Einwohnern in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Rems-Murr und Ostalb zuständig.

Schwäbisch Hall

Im Landkreis Hall sank die Zahl der Delikte sogar noch stärker als im Landes- und Präsidiumsdurchschnitt – von 6656 auf 6347, was ein Minus von 4,7 Prozent bedeutet.

Eine generelle Erklärung für den Rückgang der Straftaten hat Roland Eisele nicht, als einen Grund sieht er jedoch Erfolge in der polizeilichen Präventionsarbeit. So seien die 1699 angebotenen Informationsveranstaltungen 2018 von mehr als 40.000 Bürgern besucht worden.

Besonders Früchte getragen hat offenbar das Förderprogramm „Prävention von Wohnungseinbrüchen durch eine wachsame Nachbarschaft“. Die Zahl der Einbrüche im Landkreis Hall halbierte sich von 127 im Jahr 2017 auf 60 in 2018. Rückläufig sind ebenso Körperverletzungsdelikte, Straßenkriminalität, Diebstahlsdelikte, Sachbeschädigungen, Graffiti-Schmierereien, Vermögens- und Fälschungsdelikte, Rauschgiftkriminalität oder politisch motivierte Straftaten.

Ärger über falsche Polizisten

Grund zur Freude gibt es jedoch längst nicht in allen Bereichen. So registrierte die Polizei  in den drei Landkreisen rund 15 Prozent mehr Fälle von häuslicher Gewalt, sechs Prozent mehr im öffentlichen Nahverkehr und zehn Prozent mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Ein besonderes Ärgernis ist laut Roland Eisele, dass sich immer mehr Straftäter als falsche Polizeibeamte ausgeben und meist ältere Menschen mit dem „Enkeltrick“ um ihre Ersparnisse bringen. Ein ebenso unerfreuliches Phänomen sei, dass Gewaltstraftaten gegen Polizisten zunehmen. 2018 wurden 320 Fälle registriert.

Männer neigen häufiger zu Kriminalität als Frauen. Diese These wird durch die Statistik des Aalener Polizeipräsidiums klar bestätigt. Etwa drei Viertel der Straftaten in 2018 wurden von Männern verübt, nur ein Viertel von Frauen. Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger ist auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet weiterhin überproportional hoch. Ein Drittel der insgesamt 16 627 Tatverdächtigen sind „Nichtdeutsche“.Dass die Einstellungsoffensive der grün-schwarzen Landesregierung auch dem Polizeipräsidium Aalen in einigen Jahren mehr Personal bescheren dürfte, stimmt Roland Eisele optimistisch. „Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts“, sagt er. Hätte er schon heute mehr Polizisten zur Verfügung, würde er sie am liebsten für Präventionsarbeit und vor allem im Streifendienst einsetzen. Oberstes Ziel sei, künftig wieder mehr Präsenz vor Ort zu zeigen.

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Mit 27,7 Prozent (9971 Fälle) machen die Diebstahlsdelikte den größten Teil der Straftaten aus. Es folgen Vermögens- und Fälschungsdelikte (17,8 Prozent), Sachbeschädigung (13,0 Prozent), Körperverletzung (12,9 Prozent), Rauschgiftkriminalität (7,1 Prozent), Sexualdelikte (1,6 Prozent), Raubdelikte (0,4 Prozent) und Tötungsdelikte (0,1 Prozent). Unter „Sonstiges“ fallen immerhin 7039 Delikte (19,5 Prozent).

Wegen zunehmender Gewalt gegen Polizeibeamte werden im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen ab Ende April/Anfang Mai Bodycams im Streifendienst eingesetzt. Durch die am Körper getragenen Kameras erhoffe man sich eine Aggressionsminderung, so Roland Eisele.

Die Beamten des Polizeipräsidiums müssen sich immer häufiger mit Erfassung kinderpornografischen Materials befassen. 2018 sichteten sie in 17 Verfahren 11,6 Millionen Bilder.

Roland Eisele geht im Sommer in den Ruhestand. Das Innenministerium sucht einen Nachfolger und hat die Stelle bereits ausgeschrieben.