Das Gedränge und Geschiebe der vergangenen Jahre auf dem Haller Krämermarkt vermisst kaum ein Besucher oder Marktbeschicker. Dieses Fazit ist nach einigen Gesprächen leicht zu ziehen. „Das ist platzmäßig viel besser“, sagt beispielsweise Margret Kinscher aus Hall. Es sei zwar alles „ein wenig zerissen“, aber das störe sie nicht. „Die Leute halten auch alle Abstand und verhalten sich sehr diszipliniert“, so Kinscher am Samstagnachmittag auf dem Haalplatz. Dort stehen die Stände der meisten der rund 90 Marktbeschicker.

Letztmals Anfang März

So wie der von Ewald Kälberer. Seit 50 Jahren verkauft er Hemden auf dem Haller Krämermarkt, wofür er am heutigen Montag auch von der Stadt geehrt wird. „Ich finde die Aufteilung in diesem Jahr sehr gut. Die Kaufkraft bei Textilien ist zwar nicht so gut, aber es ist besser als nichts“, so Kälberer. Anfang März war er letztmals mit seinem Stand auf einem Markt in Kirchheim/Teck. Der Haller Krämermarkt ist daher sein erster Markt seit langer Zeit. „Ich bin froh, dass die Stadt Hall das möglich gemacht hat“, so der Marktbeschicker.

Schwäbisch Hall

Das sieht auch Dieter Schenk aus Fichtenau so. Der Ehrenvorsitzende des Landesverbands der Schausteller und Marktkaufleute hat sogar richtig Lob für die Stadtverwaltung parat: „Hall ist eine Stadt mit Herz und Verstand. Es ist toll, dass man hier den Mut hatte, wieder einen Krämermarkt zu ermöglichen.“ Sein Verband habe bei der Erstellung des Konzepts für den diesjährigen Jakobi-Krämermarkt unter Corona-Bedingungen mitgeholfen und mit der Stadt kooperiert. Man biete Kommunen sogar maßgeschneiderte Hygienekonzepte an. „Und wir halten uns an alle Regeln“, so Schenk.
Marktleiterin Bettina Ilg steht an Schenks Stand und nickt zustimmend. „Das hat uns weitergeholfen“, bestätigt sie. An allen Ständen gibt es Schilder mit Hinweisen auf die Hygieneregeln. Bei den Ständen, an denen es machbar ist, sind Plexiglasscheiben installiert. „Wir haben keine Maskenpflicht für die Besucher angeordnet. Verkäufer, die nicht hinter einer Scheibe arbeiten, müssen aber einen Mund-Nase-Schutz tragen“, so Ilg, die wie zahlreiche Marktbesucher trotz der sommerlichen Temperatur eine Maske trägt.
Vor der Marktöffnung habe es mit allen Beschickern noch eine gemeinsame Besprechung gegeben. Dabei seien noch mal alle Vorgaben durchgegangen worden. „Das ist auch bei uns gut angekommen“, sagt „Socken-Schenk“. Die Stadtverwaltung hat übrigens drei Mitarbeiter im Einsatz, die auf dem Markt unterwegs sind. „Außerdem haben wir sechs Security-Leute, die auf die Einhaltung der Regeln achten“, so Ilg. Sie patrouillierten über den Markt, der sich an vier Standorten in der Haller Innenstadt ausgebreitet hat. „Und falls es doch zu voll werden sollte, können sie uns helfen, das zu vermeiden“, so die Marktleiterin.
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Hechingen

Keine Regelverstöße

Die Security hat nicht viel zu tun. „Zwischenfälle hat es keine gegeben“, sagt Einsatzleiter Sven Nadolny vom Gertinger Unternehmen S.O.N. am Sonntagnachmittag auf dem Haalplatz. „Besucher und Marktbeschicker halten sich an die Regeln, es ist auch nicht zu voll geworden.“ Er freue sich auch für die Marktbeschicker, die endlich wieder ihre Waren anbieten können. „Wir waren zuletzt auf dem Pferdemarkt in Gaildorf im Januar. Und der war ja auch noch recht verregnet“, sagt dazu Bruno Zaruba aus Abtsgmünd. Seine Familie betreibt einen Stand mit Lederwaren. „Toll, dass man in Hall den Mut hatte, den Krämermarkt zu erlauben.“
Die Besucher sehen das auch so. „Schade, dass der Jakobimarkt in Steinbach ausfällt, aber der Krämermarkt bringt doch ein wenig mehr Normalität zurück“, sagt der Haller Jens Schulz. Und Hans-Peter Koppenhöfer aus Vellberg meint: „So entspannt wie in diesem Jahr habe ich den Markt noch nicht erlebt.“

Info


Die Stände des Krämermarkts haben am Montag noch von 9 bis 18 Uhr geöffnet.