Kirchberg / ELS  Uhr
Es ist gegen 21.30 Uhr an diesem 22. August, einem Samstag, als in Lobenhausen bei Kirchberg das Ereignis seinen Lauf nimmt, das als größte Umweltkatastrophe im Landkreis Schwäbisch Hall seit Jahrzehnten in die Geschichte eingehen wird.

In einer Lagerhalle neben dem Mühlengebäude bricht das Feuer aus – ob es Brandstiftung ist, vorsätzlich oder fahrlässig, ist bis heute ungewiss –, das später mit einem rein materiellen Schaden von mehr als 1,5 Millionen Euro veranschlagt wird. Dazu kommen weitere Millionen an Einsatzkosten für Rettungsdienste und freiwillige Helfer, die in den Tagen nach dem die Folgen auslösenden Brand im Einsatz sind.

Denn schlimm genug: Das verheerende Feuer vernichtet Lagerhalle, Silos und weitere Nebengebäude der erstmals 1357 urkundlich erwähnten Mühle. Weit unabsehbarer in der Konsequenz ist die Tragödie, die sich erst mit dem Löscheinsatz der Wehren aus dem weiten Umland entwickelt. Mit Düngemitteln kontaminiertes Löschwasser verseucht die Jagst flussabwärts bis fast zur Neckarmündung. Auf mehr als zehn Kilometer des Flusses stirbt jegliches Leben – wahrlich eine ökologische Katastrophe!

Lediglich Kleinstlebewesen, so der spätere Expertenbefund, überleben den Angriff mit Ammoniumnitrat. Tagelang kämpfen Feuerwehrleute und Angelvereine gegen das Fischsterben. Ein zeitweise geöffnetes Überlaufrohr hat wohl das verseuchte Wasser in die Jagst geleitet.

Neben der Frage nach den Verantwortlichen fürs Feuer und der, ob die Düngemittel überhaupt hier hätten gelagert werden dürfen, geht es schnell ums Krisenmanagement an sich. In die Schusslinie gerät das Haller Landratsamt. Wurde dort die Lagerung der Düngemittel genehmigt, wurden Hilfsdienste wie das Technische Hilfswerk (das mit 58 Ortsverbänden anrückt) zu spät alarmiert, wurden überhaupt die richtigen Maßnahmen ergriffen?

Die Diskussion zieht sich bis weit in den November hinein und beschäftigt auch den Kreistag. Erster Landesbeamter Michael Knaus beschwichtigt derweil und kündigt „Konsequenzen“ an. Mitte Oktober versammelt Landrat Gerhard Bauer – zur Brandzeit kurz vor seinem Jahresurlaub – die Helfer in Ilshofen zu einem Dankabend. Inzwischen diskutieren Naturschützer und Umweltschutzverbände längst über weitergehende Katastrophenpläne und Hilfsmaßnahmen.

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