Kreis Hall Jagst leidet noch an den Spätfolgen

Kontaminiertes Löschwasser hatte tödliche Folgen: 20 Tonnen Fische verendeten im August 2015 in der Jagst.
Kontaminiertes Löschwasser hatte tödliche Folgen: 20 Tonnen Fische verendeten im August 2015 in der Jagst. © Foto: dpa
Kreis Hall / Harald Zigan 13.07.2018
Vor allem im Flussabschnitt bei Kirchberg sind drei Jahre nach der Giftkatastrophe noch längst nicht alle Fischarten wieder heimisch. Angelsportvereine können neuen Besatz mit Spenden finanzieren.

Knapp drei Jahre nach der Brandkatastrophe in Lobenhausen fällt die Diagnose für den schwer vergifteten Patienten namens Jagst zwar nicht so schrecklich aus wie seinerzeit befürchtet. Der Fluss leidet aber vor allem im Raum Kirchberg nach wie vor unter heftigen Beschwerden. Der aktuelle Stand des Heilungsprozesses war beim Runden Tisch „Unsere Jagst“ ebenfalls ein Thema.

Bei dem Treffen mit Vertretern von Kommunen, Angelsportvereinen und Politikern im Landratsamt in Hall ging es um 16.000 Euro, die von Bürgern nach der Umweltkatastrophe zur ökologischen Gesundung der Jagst gespendet wurden. Das Geld liegt nach wie vor auf einem Konto des Landkreises und soll jetzt „vernünftig eingesetzt werden für jene Institutionen, die den Schaden hatten und immer noch haben“, wie der Erste Landesbeamte Michael Knaus sagte.

Hilfe für Fischereivereine

Der Stellvertreter des Landrates meinte damit vor allem die Angelsportvereine, denen die Stiftung des Landkreises als „Soforthilfe“ bereits 10.000 Euro zukommen ließ. Weitere Mittel stellte Steffen Baumgartner als Geschäftsführer der Stiftung in Aussicht. Auf 22 Fischereivereine und Gewässerverpächter verteilen sich zudem 230.000 Euro, die bei einem Zivilprozess gegen den Mühlenbetreiber und die Stadt Kirchberg vor dem Landgericht Ellwangen als Schadensersatz zuerkannt wurden.

Die Fischbestände in der Jagst haben sich über weite Strecken erholt. Aber vor allem im Raum Kirchberg, wo allein die Hälfte von 20 Tonnen Fisch am kontaminierten Löschwasser verendet war, sieht es nach wie vor düster aus. „Je näher man der damaligen Brandstelle kommt, desto höher sind die Defizite bei den Fischbeständen“, sagte Markus Hannemann, Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst. Er schlug vor, neben dem Leitfisch Nase auch Aale in der Jagst einzusetzen, die ohnehin vom Aussterben bedroht sind.

Bruno Fischer, NABU-Ortsvorsitzender und Vorstandsmitglied beim Fischereiverein Kirchberg, nannte konkrete Zahlen: „Vor der Katastrophe  zählten wir hier 28 Fischarten in der Jagst, jetzt sind es nur noch drei Arten.“ Vor allem Barben, Nasen und Mühlkoppen fehlen – dafür vermehren sich Döbel explosionsartig und verdrängen andere Arten.

Der Runde Tisch einigte sich letztlich darauf, dass die Spendengelder vorrangig für den Fischbesatz in der Jagst verwendet werden sollen. Die Angelsportvereine werden untereinander nach Rücksprache mit der ­Fischereiforschungsstelle in Langenargen darüber befinden, welche Arten vorrangig zum Zug kommen sollen. Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Grüne) aus Kirchberg gab zu bedenken, dass hierfür auch die geeigneten Lebensräume wie zum Beispiel Kiesbänke wieder geschaffen werden müssen: „Sonst wird das Geld verbrannt.“

Erschreckende Studie

Alle Anstrengungen für die Jagst laufen aber ins Leere, wenn ihre Zuflüsse nicht in einem guten Zustand sind. Erschreckende Beispiele für die Verschmutzung und dem Umgang mit diesen Gewässern stellte Martin Zorzi vom Umweltzentrum in Schwäbisch Hall auch bei dem Treffen im Landratsamt vor. Michael Knaus kündigte an, dass die Studie im Landratsamt dezidiert aufgearbeitet werde. In den schlimmsten Fällen habe die Behörde bereits reagiert.

Dem Landratsamt seien aber die Hände gebunden, wenn es um multiresistente Keime in Gewässern gehe, sagte der Stellvertreter des Landrates. Hier gebe es noch keine eindeutigen Grenzwerte und probate Untersuchungsmethoden. Renate Ziegler von der Mosesmühle in Bächlingen mahnte auch die Reduzierung von Stickstoffverbindungen im Wasser und eine kritische Haltung gegenüber Großställen an, wie sie zum Beispiel in Nesselbach geplant sind. Von der neuen Dünge-Verordnung verspricht sich Michael Knaus durchaus Verbesserungen: „Das geht aber nicht mit einem Fingerschnipsen, sondern nur auf längere Sicht.“

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