Die Wunden der Jagstkatastrophe sind auch vier Jahre nach dem Mühlenbrand in Lobenhausen noch längst nicht völlig verheilt: Das Ökosystem des Flusses leidet in vielen Bereichen noch immer unter den Folgen des mit Düngemittel kontaminierten Löschwassers, das seinerzeit in den Fluss geriet. Zwischen Kirchberg und Eichenau wurde jetzt ein weiteres Projekt zur dauerhaften Genesung des Flusses realisiert.

Beim Regierungspräsidium in Stuttgart stieß ein Vorschlag der Kirchberger Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) und des örtlichen Fischereivereins auf offene Ohren – und die Stadt Kirchberg verkaufte an das Land ein 4500 Quadratmeter großes Wiesenareal direkt am Jagstufer, auf dem in den letzten Wochen eine „Vorlandabsenkung mit durchströmtem Seitenarm“ (so der Fachausdruck) vorgenommen wurde.

Wasservögel und Ringelnatter

Bagger hoben das Erdreich bis knapp auf die Höhe des Wasserspiegels ab, legten Laichtümpel an und schufen mit fest fixierten Bäumen und Steinhaufen nicht nur ein Paradies für laichende Fische und Amphibien: Auch anderes Getier von Wasservögeln bis hin zu Ringelnattern finden hier eine nahrhafte Heimstatt, wenn die Jagst dieses Areal bei höheren Wasserständen speist. Eine Wildblumen-Saat auf einem Erddamm rundet das Projekt ab. Zudem wurde ganz in der Nähe ein Altarm der Jagst ausgebaggert, den die NABU-Ortsgruppe schon vor 30 Jahren reaktiviert hatte.

In den letzten Jahren wurde auf Kirchberger Gemarkung mithilfe des „Aktionsprogramms Jagst“ des Landes schon eine ganze Reihe von Projekten zur Verbesserung der Fluss-Ökologie umgesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Kiesinseln und Niedrigwasserbuhnen sowie Steinriegel, die ideale Unterstände für Jungfische bieten und auch auf die Fließdynamik der Jagst positive Auswirkungen haben. Verlandete Altarme der Jagst wurden auch auf einem Grundstück der NABU-Ortsgruppe an der alten Hornberger Mühle freigelegt. Und in zwei neu geschaffenen Steilwänden können sich Eisvögel ein passendes Domizil einrichten. Uferrandstreifen ohne landwirtschaftliche Nutzung sind ebenfalls ein Schutz­element, das der Jagst dient.

Insgesamt stehen rund 100 Projekte im Landkreis Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis auf der Liste des „Aktionsprogrammes Jagst“, das vom Land mit insgesamt rund 14 Millionen Euro ausgestattet worden war. Ein Großteil der Vorhaben ist schon umgesetzt.

Nach wie vor krankt es aber im Kirchberger Jagst-Abschnitt bei den Fischpopulationen. Zwar zählte der Kirchberger Fischereiverein kürzlich wieder 18 von den ursprünglich 28 Fischarten, die sich vor dem Mühlenbrand in der Jagst tummelten.

Crailsheim

Gleichgewicht noch gestört

Die Bestände erholen sich aber höchst unterschiedlich: Döbel zum Beispiel zeigen sich wieder vermehrt in der Jagst – bei ihnen stehen aber nicht nur Pflanzen, sondern auch Fischarten auf der Speisekarte, die sich noch rar machen. „Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis hier das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist“, sagt Bruno Fischer, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe in Kirchberg.

Mit dem „Aktionsprogramm“ sei das Land jedenfalls auf einem guten Weg, die Kooperation zwischen NABU, Fischereiverein und dem Regierungspräsidium in Stuttgart „klappt hervorragend – und dann kommt auch etwas Sinnvolles dabei heraus“, sagt Bruno Fischer.