Landkreis Jäger und Landwirte protestieren gegen den neuen Entwurf zum Landesjagdgesetz

Kritisch blicken Jäger auf die vorgesehene Jagdruhezeit im März und April, weil sich Wildschweine stark vermehrten und zu allen Jahreszeiten konsequent bejagt werden sollten. Die Bejagung bis 200 Meter in den Wald reiche nicht aus. Archivfoto
Kritisch blicken Jäger auf die vorgesehene Jagdruhezeit im März und April, weil sich Wildschweine stark vermehrten und zu allen Jahreszeiten konsequent bejagt werden sollten. Die Bejagung bis 200 Meter in den Wald reiche nicht aus. Archivfoto
MARCUS HAAS 04.11.2014
Fütterungsverbot und zwei Monate Jagdruhezeit im März und April: Der überarbeitete Entwurf zum neuen Landesjagdgesetz wird weiter heftig diskutiert. Noch im November soll dieser zum Gesetz werden.

"Meine Motivation ist dahin. Ich werde mir das zweimal überlegen, ob ich meinen Pachtvertrag für weitere neun Jahre verlängere", sagt Gerhard Barthelmeh aus Gailenkirchen. Der Hegeringleiter und stellvertretende Kreisjägermeister sieht den überarbeiteten Entwurf zum neuen Landesjagdgesetz nicht als großen Wurf. Er bewertet: "Die praktische Anwendung des Gesetzes als höchst problematisch".

Es werde viel reglementiert und vorgegeben und die Eigenverantwortung der Jäger zu stark eingeschränkt. Das Jagdgesetz gebe einen roten Faden vor, aber es brauche viel Spielraum, um entsprechend der Revierverhältnisse und der jeweiligen Wildarten entscheiden zu können. Beispiel: Fütterungsverbot. Die Wildfütterung sei auch mit dem überarbeiteten Entwurf weiter grundsätzlich verboten. Ausnahmen gebe es, deren Umsetzung seien durch bürokratische Hürden aber nur schwer umsetzbar. "Es sollte dem Jäger überlassen bleiben, ob er füttert oder nicht, denn er hat das Wild am besten im Blick", macht Barthelmeh deutlich. Er hat seit zwei Jahrzehnten eine Jagd in Gailenkirchen gepachtet.

Güteverfahren gestrichen

Die Winter in denen er Rehwild gefüttert habe, könne er an einer Hand abzählen, das sei in absoluten Notzeiten geschehen. Das habe auch mit Lenkung zu tun, um Verbissschäden im Wald zu vermeiden, sagt Helmut Bleher. Der Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems spricht noch ein anderes Problem an: die Wildschadensregelung. Bei Wildschäden sollen künftig die Eigentümer 20 Prozent der Kosten tragen. Ernteschäden entstehen beispielsweise durch Wildschweine in Maisfeldern. Landwirte könnten sich dies sparen, indem sie Schutzzäune anbringen oder eine ausreichende Schneise zwischen Feld und Wald ließen. 90 Prozent der Schäden würden derzeit vor Ort zwischen Landwirt und Jäger geregelt. Die restlichen zehn Prozent ließen sich so gut wie vollständig über ein Güteverfahren regeln. Der Landwirt zeige den Schaden bei der Gemeinde an, die bringe das Verfahren in Gang. Ein neutraler Gutachter schaue sich den Schaden vor Ort an. Das habe gut funktioniert, meist einigten sich Jäger und Landwirt. Nun werde dieses Güteverfahren gestrichen, die Gemeinde als moderierendes Bindeglied stark geschwächt.

Reinhold Pix begleitet die Entwicklung des neuen Landesjagdgesetzes von Anfang an. Der grüne Fachabgeordnete für Tierschutz und Tourismus im Land hat selbst den Jagdschein. Er sieht das Herzstück des Gesetzentwurfes im Drei-Schalen-Modell, nachdem Tierarten in mehrere Stufen von jagbar bis geschützt eingeteilt werden. Es führe Jagd- und Wildtiermanagement zusammen. Dadurch werde deutlich, welch wichtige Funktion Jagd und Jäger für Natur und Landschaft haben, so Pix.

Den Prozess zum Landesjagdgesetz sieht Pix als Beispiel für gelungene Beteiligung. Dieser wurde vor über zwei Jahren im Sommer 2012 mit einer großen Anhörung gestartet. Es folgten über 70 Sitzungen, Bildung von Arbeitsgemeinschaften, um alle zusammenzubringen, die Sachverstand zum Thema Jagd und Wildtiere haben. Wenn es in Arbeitsgemeinschaften keine Einigung gab, sei im Koordinierungskreis weiter disktuiert, seien Lösungen gefunden worden. Wie läuft das Verfahren weiter? Am 5. November werde der Entwurf zur Anhörung im Agrarausschuss vorgelegt, noch im November soll das neue Landesjagdgesetz verabschiedet werden. Weiteres könne später noch über den Ordnungsweg nachgeregelt werden.