Die Spannung im proppenvollen Kultursaal des Schrozberger Schlosses war  gestern mit Händen zu greifen. Denn im  Vorfeld des Urnengangs war im Grunde eigentlich nur klar, dass „Damenwahl“ in der Stadt angesagt ist.

Die einschlägigen „Wettbüros“ in Schrozberg und seinen Teilorten verzeichneten allerdings keine eindeutigen Quoten für Jacqueline Förderer und ihre Konkurrentin  Sandra Bonnemeier  – beiden Anwärterinnen auf den Chefposten im Rathaus wurden nämlich durchaus gute Chancen auf einen  Sieg eingeräumt, wenngleich  nicht wenige Bürger davon ausgingen, dass in der ersten Wahlrunde nicht die nötige absolute Mehrheit erreicht wird und in zwei Wochen ein zweiter Urnengang fällig sein könnte.

„Ich bin absolut überwältigt“

Bürgermeister Klemens Izsak erlöste die Bürger um 18.45 Uhr von allen Zahlenspielen und Spekulationen: Bei einer merkwürdigerweise nicht gerade berauschenden Wahlbeteiligung von 57,4 Prozent machte die 28 Jahre alte Betriebswirtin Jacqueline Förderer aus Altlußheim bei Mannheim schon im ersten Wahldurchgang alles klar: Sie stand mit 68,95 Prozent der Stimmen ganz weit oben in der Gunst der Schrozberger Wähler – und konnte ihr Glück kaum fassen; „Ich bin absolut überwältigt“, sagte die neue Chefin auf dem Schrozberger Rathaus. Sie selbst hat eigentlich nicht damit gerechnet, gleich bei der ersten Wahl auf den Schild  gehoben zu werden: „Ich habe mich noch auf zwei Wochen Wahlkampf eingestellt“, sagte sie dem HT.

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Mit bewundernswerter Fassung trug die 50 Jahre alte Diplom-Wirtschaftsjuristin Sandra Bonnemeier aus Marl in Nordrhein-Westfalen ihre mit 27,63 Prozent der Stimmen doch recht deutliche Niederlage: „Es kommt, wie es kommen soll“ – und sie könne auch nur in Kommunen optimal arbeiten, wo geschätzt werde, was sie in ihrem Berufsleben geleistet habe: „Und so muss ich halt mein Städtchen noch weiter suchen“ – sprich weiter als Bürgermeisterin kandidieren.

Von Frust war auch bei Josef Treier keine Spur – trotz mageren 1,58 Prozent der Stimmen. „Einen Versuch war es wert“, sagte der Unternehmer aus Bad Mergentheim. Er habe  halt „etwas anderes bieten wollen als die übliche Verwaltungslaufbahn“. Der Wahlkampf hat ihm jedenfalls  Spaß gemacht – und immerhin einen Planungsauftrag  von einem Schrozberger Landwirt eingebracht.

Der Lokalmatador David Naumann (33) landete weit abgeschlagen bei 1,13 Prozent. Für eine Stellungnahme war der Maler und Lackierer am Sonntag nicht erreichbar. Mit 0,38 Prozent spielte auch Michael König von der Partei „Nein-Idee“ keinerlei Rolle bei der BM-Kür.

Tag eins nach der BM-Wahl: Jacqueline Förderer wird mit Glückwünschen überhäuft