Fest Jacobifest: Indische Farbe erobert Schrozberg

Schrozberg / FABIAN SWIDRAK 22.07.2013
Auf neuer Route unterwegs war am Sonntag der Festumzug beim Schrozberger Jacobifest. 41 Gruppen sorgten eine Stunde lang für buntes Treiben. Wer ihn verpasst hat: Am Montag startet der Zug erneut.

Die Stadtkapelle ist im Hintergrund bereits zu hören, da biegen die ersten Pferde auch schon um die Ecke am Schloss. Die Zuschauer haben es sich im Schatten gemütlich gemacht und begrüßen die Festreiter mit kräftigem Applaus. Jahr für Jahr versammeln sich die Schrozberger auf den Straßen und warten gespannt auf Wagen, Kutschen und Trachtengruppen. Der traditionelle Festumzug gehört einfach zum Jacobi-Sommerfest dazu. 41 Gruppen zogen am Sonntagnachmittag durch die Stadt und sorgten eine Stunde lang für buntes Treiben. Heute Mittag um 13 Uhr startet das Spektakel erneut.

Egal ob Kindergarten, Traktorfreunde oder Landfrauenverein: Beim Jacobi-Umzug sind alle mit dabei - und der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das bewiesen vor allem die Schulklassen 1a und 1b, die bei strahlendem Sonnenschein und knappen 30 Grad in Eisbär-Kostümen für mehr Klimaschutz demonstrierten. Wie die zotteligen Tiere hat auch die Idee der Schrozberger Landjugend einige Tausend Kilometer auf dem Buckel. Mit weißen T-Shirts und einer Kanone mit farbigem Pulver folgten sie dem "Holi-Festival"-Trend und brachten das vom indischen Frühlingsfest bekannte Farbspektakel vor das Schrozberger Schloss. Der Projektchor Harald Beibl dagegen brachte gleich ein ganzes, eigenes Schloss mit und besang das Bauwerk in Engelskostümen mit dem Jürgen Drews Schlager "Ich bau dir ein Schloss". Seit Jahren versinkt das Wahrzeichen der Stadt langsam im Erdboden. Die Idee: Ein Wolken-Schloss soll das Problem für immer lösen.

Langsam senkt sich die große Bahnschranke am hinteren Ende des Wagens, als die Hohenloher Wandergermanen in Schaffner-Uniform an der Kurbel drehen. "Schrozberg hat keinen Bahnhof mehr, die Züge fahren noch hin und her", steht in großen Lettern auf der Seite. Einige der rund 300 Vereinsmitglieder fahren in einer knallbunten Bimmelbahn hinter dem Wagen her. Ende Mai wurde das alte Schrozberger Bahnhofsgebäude versteigert. Noch heute scheint das Thema in der Bevölkerung brandaktuell. Den Preis für den am aufwendigsten gestalteten Wagen hätten die Wandergermanen jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewonnen.

Fester Bestandteil des Umzugs ist auch Rolf Grübel, zumindest für die Zuschauer, direkt vor dem Schloss. Seit mittlerweile 15 Jahren führt er mit Mikrofon und viel Humor durch das Spektakel. "Das macht mir einfach Spaß, besonders wenn so viele Leute da sind", sagt er. "Auch das Wetter war schon lange nicht mehr so fantastisch wie heute." Viele der Gruppen kennt Grübel seit Jahren. Dennoch steckt er immer wieder viel Zeit in die Vorbereitung auf den Festzug. "Ich recherchiere zu allen Gruppen, damit ich auch was Ordentliches sagen kann." Oft muss er sich dann aber doch recht kurz halten: "Die Leute laufen und fahren teilweise zu schnell. Du bist noch nicht mit einem Wagen fertig, da kommt schon der nächste. Aber das ist jedes Jahr das Gleiche", schmunzelt Grübel. Langweilig wird ihm seine Aufgabe nie. "Die Gruppen lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. Es ist beeindruckend, wie viel Arbeit in Wagen oder Kostüme gesteckt wird", berichtet er voller Anerkennung.