Die Facebook-Generation will über "Social Media" angesprochen und in der Ausbildung anders behandelt werden. Dazu müssen sich die Betriebe und mit ihnen die Jahrgänge der Baby-Boomer umstellen. Es sind Veränderungen nötig, die das ganze System umkrempeln und nur gelingen können, wenn die betroffenen Mitarbeiter wirklich zur Veränderung motiviert werden.

Ungefähr so ließen sich kurz die beiden Referate zusammenfassen, denen die Teilnehmer des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft Schwäbisch Hall am Mittwoch in Wolpertshausen lauschten. Es sprachen der Ausbildungsleiter der Firma Trumpf in Ditzingen, Andreas Schneider, und die Organisationsberaterin Gabriele Schallenmüller.

Die Lehrkräfte staunten nicht schlecht, als sie von Andreas Schneider hörten, dass Schulnoten für ihn kein Kriterium zur Auswahl von Auszubildenden seien: "Sie sagen nichts über den Bewerber aus, man fantasiert nur, was sie wohl bedeuten könnten." Schneider muss jährlich 66 Nachwuchskräfte für den Werkzeugmaschinenhersteller mit 10 000 Mitarbeitern finden, die tatsächlich für den Beruf geeignet sind.

Statt kostspieliger Zeitungsanzeigen, spricht er die Jugendlichen über Facebook an. Statt Schulnoten und Bewerbungsmappen zu sichten, bittet er zum Persönlichkeitstest. Kriterien sind allgemeine Intelligenz, berufliche Leistungsmotivation, soziale Kompetenz, Gewissenhaftigkeit und Integrität.

Wie sich die altgedienten Ausbilder fühlen, wenn ihr gewohntes System grundlegend geändert wird, erklärte Gabriele Schallenmüller. Sie sprach von Veränderungen erster und zweiter Ordnung. "Im ersten Fall tauscht man nur Elemente aus, ohne die Systematik zu verändern. Im zweiten Fall wird die Systematik selbst verändert." Nur so seien wirkliche Innovationen möglich.

Die Reaktion der Menschen auf Veränderungen, die sie nicht gewollt haben, zeigten sich in den Phasen Schock, Lähmung, Zorn, Depression und im besten Fall schließlich Akzeptanz. Das alles könne sich über ein Jahr hinziehen. Schallenmüller warnte, dass die Depression nicht nur gesundheitsgefährdend sei, sondern sich auch das Großhirn ausschalte und die Betroffenen dann nicht mehr rational ansprechbar seien. "Hier braucht es Bilder, die das emotionale Erfahrungsgedächtnis anregen", sagte sie und plädierte dafür, die Menschen zu eigenen Erfahrungen einzuladen.

Arbeitskreis bleibt auf der Höhe der Zeit