Stimpfachs Bürgermeister Matthias Strobel freut sich darüber, dass es nach vielen Jahren wieder zwei Listen für die Wahl des Gemeinderates gibt. „Bei den vergangenen Wahlen gab es gar keine richtige Auswahl. Das war sehr ärgerlich für den Wähler.“

Ein ohnehin kompliziertes Wahlverfahren und dann noch die unechte Teilortswahl der Gemeinde: Diese Kombination trieb in der Gemeinde an der Jagst einige Stilblüten. Im Hauptort Stimpfach durften beispielsweise nur so viele Namen auf der Liste stehen, wie es Sitze zu verteilen gab. So kamen manchmal bis zu 100 sonstige Namen zusammen, die zusätzlich auf der Liste von den Wählern handschriftlich notiert worden waren. Die Konsequenz: Nachrücker sind Personen mit nur ganz wenigen Stimmen, die gar nicht kandidiert haben.

In der vergangenen Wahlperiode waren das Karl Frank (nachgerückt für Albert Gräter) und Peter Bronner (nachgerückt für Petra Bögelein). „Wahlämter sind Ehrenämter. Es hat gut funktioniert. Sie haben das Mandat angenommen und sich der Verantwortung gestellt“, freut sich der Bürgermeister. Dennoch wollen beide nicht kandidieren.

Auch die Gemeinderäte Dieter Bachmaier und Harald Munz bewerben sich nicht mehr um ein Mandat. Da die Zahl der Sitze wegen der wachsenden Einwohnerzahl von 13 auf 15 steigt und vier amtierende Räte nicht mehr kandidieren, wird es mindestens sechs neue Gesichter im neuen Gemeinderat geben.

Bereits vor der letzten Kommunalwahl war das Thema zweite Liste angesprochen worden, „schön, dass es durch das Engagement der Gemeinderäte mit den zwei Listen jetzt klappt“, unterstreicht Strobel. Der Einsatz für zwei Listen sei hoch einzuschätzen, weil die Befürworter ihr Mandat verlieren könnten.

Nur wenig Handlungsspielraum

Gut findet Strobel, dass es keine Fraktionen im Gemeinderat gibt. „Die Sacharbeit steht bei uns im Vordergrund. Auf kommunaler Ebene braucht man keine Parteipolitik.“ Er setzt weiterhin auf die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat. „Wir haben ein breites Spektrum von Gemeinderäten, die ganz verschiedene Qualifikationen haben“, erläutert Strobel, und ergänzt: „Auf deren Wissen greifen wir gerne zurück und hören auf die Meinung der Experten.“

Strobel unterstützt das morgige HT-Wahlforum, auch wenn er als Vorsitzender des Wahlausschusses aus Neutralitätsgründen wohl nicht daran teilnehmen wird. „Gemeinderäte sind oftmals keine geborenen Wahlkämpfer. Das HT-Forum bietet da eine gute Möglichkeit, sich über die Kandidaten zu informieren“, sagt er.

Die Abschaffung der unechten Teilortswahl war vor ein paar Monaten schon einmal auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Der Zeitraum bis zur Wahl am 26. Mai sei aber zu kurz gewesen. Für eine solch weitreichende Entscheidung brauche man großen Vorlauf, berichtet der Bürgermeister. „Deshalb werden wir uns mit dem neu gewählten Gremium demnächst noch einmal damit auseinandersetzen.“ Fünf Jahrzehnte nach der Eingemeindung ist nach Strobels Meinung die Sitzgarantie für eingemeindete Orte nicht mehr notwendig, „aber ich werde mich nicht aktiv in diesen Prozess einmischen. Das ist Sache des Gemeinderates.“

Der finanzielle Handlungsspielraum des neu zu wählenden Gremiums wird durch den Bau des Feuerwehrmagazines und des Bauhofs in den nächsten Jahren ziemlich eingeschränkt. Rund fünf Millionen Euro bindet dieses Bauvorhaben, Strobel spricht gar von einem „Jahrhundertprojekt“ für die Gemeinde, „das uns voll auslastet“. Zuschüsse sind beantragt, bereits im Herbst könnte mit den ersten Baumaßnahmen begonnen werden.

Zudem sei es in Wahljahren ­immer etwas ruhiger. „Be­schlüsse für wichtige Zukunftsprojekte werden aufgeschoben, bis sich das neue Gremium konstituiert hat. Danach braucht es noch ein wenig Zeit, bis sich die neuen Gemeinderäte eingearbeitet haben.“

Weiteres wichtiges Thema ist in den nächsten Jahren neben dem Breitbandausbau die Wasserversorgung. Zudem wächst die Einwohnerzahl Stimpfachs kontinuierlich in den vergangenen Jahren und dieser Trend soll und wird sich laut Strobel auch fortsetzen. „Der Boom in der Wirtschaft hält immer noch an und es fehlt an Fachkräften.“ In der Region gebe es aber nur eine sehr geringe Nachfrage nach Arbeitsplätzen, „wir haben praktisch Vollbeschäftigung“. Die Konsequenz daraus ist, dass Menschen aus anderen Landesteilen herziehen. „Es gibt aber keine Mietwohnungen. Da muss etwas passieren.“

Zukunftsweisendes Projekt

Ein zukunftsweisendes Projekt der Gemeinde Stimpfach nimmt demnächst konkrete Formen an. Das Gemeinde­entwicklungs­konzept „Stimpfach 2030“ wurde vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt. Hier wurden erste Schwerpunkte definiert und ­Projekte mit Bürgerbeteiligung für das nächste Jahrzehnt angeregt.

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HT-Wahlforum morgen im Gemeindesaal


Das Hohenloher Tagblatt lädt morgen Abend zu einem Wahlforum in Stimpfach ein. Auf dem Podium im Gemeindesaal sitzen um 19 Uhr zwei Redaktionsmitglieder, die wichtige Themen in der Gemeinde mit Vertretern der beiden Listen besprechen. Die Bürger sollen so die Gelegenheit bekommen, die Kandidaten kennenzulernen, und können ihnen Fragen zur Kommunalpolitik stellen.