Landkreis In jedem Körnchen steckt ein Stück Hege

Landkreis / DENISE FIEDLER 30.10.2015
In der Domäne Hohebuch, am Fuße Waldenburgs, lebt und arbeitet der mittlerweile 87-jährige Hans-Ulrich Hege. Sein Lebenswerk widmete er der Weiterentwicklung der Pflanzenzucht.

Ein weitläufiger Innenhof, umgeben von alten Stallungen, durch ein Tor erhascht man einen Blick auf weitere Gebäude im Hintergrund: Das Terrain der Domäne Hohebuch lässt erahnen, was in den letzten Jahrhunderten an Leben in ihr steckte. Ebenso tut dies das freundliche Gesicht Hans-Ulrich Heges, als er in den letzten Sonnenstrahlen des Tages über den Hof seines Zuhauses läuft. Frischgebackener Preisträger des Agrarkulturpreises ist er, verliehen durch die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Hall.

"Bis zwei Uhr nachts haben wir gefeiert", erzählt Hege begeistert. Drei seiner fünf Kinder sind angereist, seine Frau Magdalene ist auch dabei. "Ein toller Abend und tolles Essen", sind sich die beiden einig. Auch ihr Stolz auf die Auszeichnung eint sie - für das Lebenswerk Hans-Ulrich Heges und seiner Magdalene. Es ist die Pflanzenzucht und die sie unterstützende Technik, die Hege am Herzen liegt.

Schon sein Vater betrieb in Hohebuch Landwirtschaft und widmete sich der Zucht von Schweinen und Saatgut. Keine leichten Zeiten waren es damals nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei seiner Brüder sind nicht zurück nach Hause gekommen, und so übernahm er den Hof. In den 1950er-Jahren kam seine Frau durch Zufall ins Limpurger Land und dann zu ihrem Hans-Ulrich. Fünf Kinder haben die Heges gemeinsam - keines jedoch mit beruflichem Interesse an der Landwirtschaft.

Hege entwickelte einen Mähdrescher, der speziell Versuchsparzellen bearbeiten kann - eine wichtige Erleichterung für Pflanzenzucht- und Pflanzenschutzbetriebe. Seine Mähdrescher werden aus aller Welt angefragt; er reiste mit seiner Frau nach Indien, China, Weißrussland. Eine Reise nach Russland 1974 ist ihm noch heute im Gedächtnis. "Hochinteressant war das damals", sagt Magdalene Hege mit leuchtenden Augen. Viel haben die beiden erlebt - und noch viel mehr geschafft. Magdalene leitete den Gutshaushalt mit bis zu 25 Angestellten, während ihr Mann bedeutende Saatzucht- und Stammzuchterfolge erzielen konnte.

In den 90er-Jahren leitete Hege einen Betrieb in der ehemaligen DDR, dem er durch sein Know-How im Mähdrescherbau ebenfalls zu Erfolgen mit Parzellenmähdreschern verhalf. Sein Engagement für die Saatzucht führte ihn bis nach Rumänien, wo er an einer Hochschule Seminare abhielt. Diese verlieh ihm für seine herausragende Arbeit den Ehrendoktortitel. Die verleihende Fakultät begründete dies damit, dass in jeder neuen Sorte auch "ein Stück Hege drin stecke". Dem folgte nun ein Preis seiner Heimatregion. Ein Preis für ein vorbildliches Leben und Wirken in der Landwirtschaft, mit all seinen Höhen und Tiefen.

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