Blaufelden In Hohenlohe der Alp so nah

Karl-Heinz Ziegelbauer stößt ins Alphorn.
Karl-Heinz Ziegelbauer stößt ins Alphorn. © Foto: Nils Gundel
Blaufelden / Nils Gundel 13.07.2018
Karl-Heinz Ziegelbauer ist sehr musikalisch und arbeitet gern mit Holz – deshalb spielt er das Alphorn nicht nur, sondern baut das Instrument auch selbst.

Blaskapellen sind auf vielen Festen keine Seltenheit, hat doch nahezu jedes größere Dorf einen eigenen Posaunenchor. Ein Auftritt der Blaufelder Alpträume jedoch ist etwas ganz Besonderes. Bei ihnen wird nur ein Instrument gespielt: das Alphorn.

„Eigentlich war das mit den Alp­hörnern Zufall“, sagt Karl-Heinz Ziegelbauer aus Blaufelden. Zusammen mit Bernd Sohns, den Brüdern Erwin und Andreas Bach sowie Reiner Wucherer spielt der 48-Jährige in der etwas anderen Combo. „Wir sind alle im Posaunenchor und waren 2011 unterwegs, um Instrumente auszuprobieren. Am Ende des Tages haben wir ein Alphorn in einer Ecke stehen sehen. Das wollten wir dann auch noch testen.“

Der Klang hat dem Quintett gefallen und bereits auf dem Heimweg beschlossen die Freunde deshalb folgendes: Wenn Ziegelbauer es schaffe, ein Alphorn selbst zu bauen, und dieses auch klinge, dann kaufe sich der Rest jeweils ein eigenes Horn. Drei Monate später war das Horn fertig – und die Blaufelder Alpträume geboren. „Ein bisschen Alkohol“, das gibt Ziegelbauer schmunzelnd zu, „war bei der Namenswahl vermutlich auch im Spiel“.

Anfangs ausgehöhlte Fichten

„Mit Holz zu arbeiten macht mir schon immer großen Spaß. Ich baue auch unsere Türen selbst“, erzählt der Blaufeldener. Ein Schreiner ist er aber nicht, sondern Postbeamter. „Morgens Posthorn, abends Alphorn“, sagt er und lacht laut.

„Ich hab mich erst einmal mit der Materie auseinandergesetzt. Die historisch ersten Alphörner waren krumm gewachsene Bergfichten, die man halbiert und ausgehöhlt hat“, erklärt Ziegelbauer. Er selbst fertigt seine Hörner hingegen in Einzelteilen. Dazu verleimt er jeweils mehrere Holzklötze für die drei Rohrteile und den Becher vorn. Im Anschluss gibt er ihnen von außen ihre Form, und bricht sie dann entlang der Leimnähte wieder auseinander. Nur so kann er Becher und Rohr in mühevoller Handarbeit mit dem Beitel, einem Holzmeißel, aushöhlen. „Gerade das dünne Handrohr erlaubt keine Fehler. Rutscht man einmal ab, dann kann man von Neuem anfangen“, so Ziegelbauer. Für manche Teile braucht er daher bis zu drei Anläufe. Trotz aller Schwierigkeiten war aufhören nie eine Option für den Hobbyschreiner, im Gegenteil: „Wenn ich etwas machen will, dann lässt mich das nicht mehr los.“

Länge macht den Ton

Sechs Hörner hat er so in sieben Jahren gebaut. Dafür nutzte der 48-Jährige schon verschiedene Holzarten – und sammelte manche Erfahrung: So ist zum Beispiel ein Horn aus Ahorn nicht nur deutlich schwerer zu fertigen als eines aus Eschenholz, es spielt sich auch härter. Außerdem hat sich Walnussöl beim Ölen der Instrumente bewährt.

Die Länge von 3,68 Meter hat sich bei den sechs selbstgemachten Hörnern ebenfalls als gut erwiesen. Im Unterschied zu vielen anderen Blechblasinstrumenten ist ein Alphorn in seiner Länge nicht flexibel. Die Länge ist jedoch entscheidend für die Stimmung, also den Grundton des Instrumentes. 3,68 Meter steht für eine F-Stimmung.

Mit seinen Alphornplänen ist der 48-Jährige noch lange nicht am Ende: „Ich will unbedingt ein Horn aus einem Fichten-Krümmling machen. Einen solchen Stamm zu halbieren, auszuhöhlen und zu spielen, das wäre ein Traum.“ Allerdings sind Krümmlinge in Hohenlohe nicht zu finden und der Raum in der heimischen Werkstatt begrenzt.

Großer Spaß für Touristen

Auftritte der Blaufelder Alpträume kann man übrigens unregelmäßig in Rothenburg erleben. Manchmal fährt das Quintett spontan und in voller Tracht in die alte Reichsstadt und spielt auf dem Rathausplatz. Und das zur großen Freude der vornehmlich ausländischen Touristen. Auch auf manchen kirchlichen Feiern spielen sie auf. Dabei werden sie jedoch nur selten als Blaufelder Alpträume angekündigt, sondern als Alphorngruppe Blaufelden.

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