Untermünkheim In einem Monat bis nach Paris

Der historische Stich zeigt einen Viehmarkt in Frankreich um das Jahr 1800.
Der historische Stich zeigt einen Viehmarkt in Frankreich um das Jahr 1800.
FRIEDER KRUMREIN 26.03.2012
Liefen Hohenloher Ochsen wirklich bis nach Paris? Das Thema Buf de Hohenlohe interessiert hierzulande viele Bauern wie Städter.

Der Bürgersaal beim Rößler-Museum war voll besetzt. Das Thema interessierte Geschichtskundige, aber auch Normalbürger: Wie war das damals mit den Hohenloher Mastochsen, die nach Paris getrieben wurden?

Heiner Werner aus Vellberg hatte sich seit langem mit dem hohenlohischen Ochsenhandel mit Frankreich im 18. und 19. Jahrhundert beschäftigt. Anhand von Dokumenten, Bildern, Zahlen und Befragungen präsentierte er dem Publikum eine Vielzahl von Fakten.

Im 18. Jahrhundert gelangten Hohenloher Bauern ins Ochsenhandelsgeschäft. Besonders die zweite Hälfte soll in Hohenlohe eine goldene Zeit für den Viehhandel gewesen sein, weil die Fleischnachfrage aus dem französischen Raum anstieg. 1865 heißt es in der Öhringer Oberamtsbeschreibung: "Das Buf de Hohenlohe ist in Paris bis auf unsere Zeit die Bezeichnung für gutes Ochsenfleisch."

Für die etwa 600 Kilometer lange Strecke bis Paris brauchte der Ochsenzug rund einen Monat. In Paris gelangten die meisten Tiere auf den berühmten Markt von Poissy im Westen der Stadt. Hier wurden um 1800 Woche für Woche mehr als 10000 Tiere aufgetrieben. Rindfleisch war gefragt.

Heute, so bilanzierte Werner seine Befragungen in Frankreichs Städten, können die Franzosen mit Buf de Hohenlohe nichts mehr anfangen. Gründe dafür sind die Versorgung mit Fleisch einheimischer Rassen wie dem weißen Charolais-Rind, veränderte Märkte in Frankreich und vor allem das Erliegen des Handels von Schlachtvieh mit dem Nachbarn Deutschland.

Bei deutschen Gourmets, so Heiner Werner, habe Buf de Hohenlohe aber gute Chancen, wieder zu einem Begriff zu werden. Dafür stünden die Aktivitäten hiesiger Rinderzüchter, deren Fleisch die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall vertreibt. Deren Chef, Rudolf Bühler aus Wolpertshausen, hat Heiner Werner für seine Forschungen den Kulturlandschaftspreis 2011 verliehen.