Pädagogik In der Manege werden Kinder zu gleichberechtigten Partnern

Gestern wurde im Zirkuszelt bei der Rosengartenhalle den ganzen Tag fleißig geprobt: Die Kinder der Grundschule sind unter Anleitung der Familie Sperlich hochkonzentriert bei der Arbeit.
Gestern wurde im Zirkuszelt bei der Rosengartenhalle den ganzen Tag fleißig geprobt: Die Kinder der Grundschule sind unter Anleitung der Familie Sperlich hochkonzentriert bei der Arbeit. © Foto: Foto: cito
Rosengarten / Beatrice Schnelle 04.07.2018

Eigentlich brauchte man im großen Zirkuszelt hinter der Rosengartenhalle keine Scheinwerfer, so hell leuchten die Augen der 207 Grund- und Vorschulkinder, die sich um die Manege versammelt haben. Aufregung, Vorfreude und Staunen spiegeln sich in den Gesichtern. Für drei Tage darf jeder und jede hier als Star im Licht der Manege glänzen.

Die Leiterin der Grundschule Rosengarten ist mit verantwortlich dafür, dass der „1. Ostdeutsche Projektcircus Andre Sperlich“ seit 2010 die Herzen der süddeutschen Schulkinder erobert. Die Einladung von drei Schulen mussten damals vorliegen, damit die Zirkusleute die Anreise aus ihrer Heimat Sachsen-Anhalt finanziell stemmen konnten: „Da sind schnell mal 2000 Euro nur für den Sprit weg“, gibt der 32-jährige Direktor Patrick Sperlich zu bedenken. Dorothea Staudenmaier überzeugte auf Anregung einer befreundeten Direktorin ihre Mitarbeiter und den Gemeinderat von der Idee. Zudem holte sie noch eine weitere Schulleiterin in Vaihingen/Enz ins Boot. Inzwischen habe sich der gute Ruf der Sperlichs „wie ein Lauffeuer“ im Süden verbreitet, freut sich die Pädagogin über den gelungenen Coup.

Freiwillige helfen mit

Das Kollegium ihrer Grundschule befindet alle vier Jahre über den „Projektcircus“-Besuch. Der Beschluss sei dieses Mal nicht einstimmig gewesen, räumt Staudenmaier ein, und Sperlich erklärt, warum das so ist: „Die Lehrkräfte müssen drei Tage von morgens bis abends hier sein und die Kindergruppen begleiten.“ Noch mehr Rosengartener haben mitgeholfen, um den Kindertraum zum dritten Mal wahr zu machen: Die „unglaubliche Summe“ von 5000 Euro sei von Sponsoren aus der Gemeinde zusammengetragen worden.

Die Hälfte der Spenden wird an den Haller Verein MUT weitergereicht, der damit ein Schule in Togo aufbaut, der Rest des Geldes fließt ins Zirkusprojekt. Beim Aufbau des Zeltes hätten mehr als 60 Freiwillige Hand angelegt, die Gemeindeverwaltung stelle den Platz kostenlos zur Verfügung und zahle darüber hinaus für Strom und Wasser.

 Mit 16 Mitgliedern ihrer seit fünf Generationen bestehenden Zirkusfamilie und einem blumengeschmückten „Wohnwagen-Dorf“ sind die Sperlichs vor Ort. „Bei uns gestalten die Kinder das Programm ganz alleine“, beschreibt Patrick Sperlich das Konzept. In stilechten Kostümen werden die Kleinen zu Zauberern, Artisten, Jongleuren, Piraten, Clowns, Taubenkindern, Seiltänzern, Trapez-, Fakir- und Feuerkindern. Bei der Zusammenstellung der Gruppen achtet er auf eine bunte Altersmischung, die dabei helfe, den himmelweiten Unterschied zwischen erster bis vierter Klassenstufe spielend zu überwinden: „Nach der Arbeit mit uns gehen die Kinder ganz anders miteinander um und wissen sich als gleichberechtigte Partner zu schätzen.“

 Wer 2014 noch als Vorschulkind dabei war, gehört dieses Mal zu den „Alten“, die schwierigere Aufgaben übernehmen dürfen. So etwa Sinan, Nick und Devid, alle drei zehn Jahre alt. Sinan findet Feuerspucken „megagut“, Nick platzt vor Stolz, dass er endlich Clown sein darf und Devid weiß noch vom letzten Mal, warum Fakire nicht leiden: „Weil sich das Körpergewicht auf viele Nägel gleichmäßig verteilt.“

 Info Am heutigen Mittwoch sind die Rosengartener Kinder im Zirkuszelt hinter der Rosengartenhalle in Westheim noch zweimal zu bewundern: Um 10 und um 17 Uhr heißt es „Manege frei“ für die jeweils zweistündige Vorstellung.

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