Der aus Bächlingen stammende Historiker Wolfgang Schlauch hat eine Lücke in der hohenlohischen Literaturgeschichte geschlossen: Sein jüngstes Werk aus dem Crailsheimer Baier-Verlag zeichnet erstmals das faszinierende, aber weithin in Vergessenheit geratene Leben des Müllers Christoph Hubmann aus Hürden im Jagsttal nach, der anno 1880 in die USA auswanderte und dort sein Glück fand.

Gedichte aus der Feder von Christoph Hubmann zählten um die Jahrhundertwende zu den Bestsellern der M. Rückert’s Buchdruckerei in Gerabronn, wo auch der HT-Vorgänger „Vaterlandsfreund“ erschien.

Zur Buchvorstellung im Forum in den Arkaden in Crailsheim steuerte Stadtarchivar Folker Förtsch erstaunliche Zahlen und Fakten zur Auswanderung im 19. und 20. Jahrhundert bei. Vor allem die Deutschen in den USA bildeten nicht nur in New York wahrhafte „Pa­rallelgesellschaften“ mit eigenen Metzgereien, Brauereien, Zeitungen bis hin zu Clubs, in denen die deutsche Kultur und Sprache hochgehalten wurden.

„Wirtschaftsflüchtlinge“ waren auch diese Deutschen, die Not und Drangsal in ihrer Heimat gegen ein neues Leben im gelobten Land jenseits des Atlantiks tauschten und dafür viele Gefahren und Risiken in Kauf nahmen – die historischen Parallelen zur heutigen, viel diskutierten Migration sind mit Händen greifbar.

In eine wirtschaftliche Schieflage war auch der im Jahr 1834 geborene Müller Christoph Hubmann geraten. Sein gesamter Besitz wurde 1880 zwangsversteigert. Im September dieses Jahres setzte er seinen Plan um, in den USA ein neues Leben zu beginnen: Mit seiner Frau Barbara und mit acht (!) von insgesamt zehn Kindern aus erster und zweiter Ehe im Alter von 16, 15, 12, 11, 9, 7, 5 und 3 Jahren startete er die lange und gefährliche Reise über den Großen Teich.

Genervt von Zischeleien

Der virile Müller hatte zudem die Nase gestrichen voll von den doppelmoralischen Zischeleien im Jagsttal, als seine zweite Gattin nur sechs Monate nach der Hochzeit ein Kind gebar. Um möglichst unerkannt zu seiner Liebschaft nach Langenburg zu kommen, hatte er einen von der Straße nach Hürden abzweigenden Pfad angelegt, auf dem er Bächlingen umgehen konnte.

In Stillwater im überaus fruchtbaren US-Bundesstaat Minnesota avancierte Christoph Hubmann am Weißbärsee unweit der Hauptstadt St. Paul zu einem erfolgreichen Farmer inmitten der großen „German Community“, dem der Verlust der alten Heimat Hohenlohe bis zu seinem Tod im Jahr 1911 allerdings große Seelenpein bereitete.

Obwohl er das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und seine großen Freiheiten in den höchsten Tönen lobte, kreisten seine elegischen Gedichte, die er zur Veröffentlichung nach Gerabronn schickte, immer wieder um die Schönheiten des Jagsttals und seiner unvergleichlichen Natur.

Christoph Hubmann empfahl sogar ein neues Wappentier für die gesamte Nation: „Nehmt die deutschen Adler oder Geier von der Fahn‘: Pflanzt als Deutschlands Zeichen doch den Reiher stolz daran.“

Das gründlich recherchierte Buch von Wolfgang Schlauch besticht zudem durch eine Fülle von Dokumenten und Bildern. Und nicht zuletzt glänzt das Werk mit einer großen Auswahl von Hubmann-Gedichten.

3200 Auswanderer im Oberamt Crailsheim


Aus Württemberg wanderten zwischen 1815 und 1870 rund 500.000 Menschen in die USA aus – jeder fünfte Bewohner kehrte seiner Heimat den Rücken. Bis zum Ersten Weltkrieg suchten dort 3200 Menschen aus dem Oberamt Crailsheim ihr Glück. – allein aus der Stadt Crailsheim kamen 700 Auswanderer.

Info Das Buch „Von Hohenlohe nach Amerika – Christoph Hubmann, Jagstmüller, Farmer. Dichter“ aus dem Baier-­Verlag in Crailsheim wird heute um 19 Uhr auch in der alten Schule in Langenburg vorgestellt. haz