Fichtenberg Im Süden Polens unterwegs

Fichtenberg / TS/RS 08.06.2013
Der Fichtenberger Freundeskreis Proszowice hatte eine Reise ins südlichen Polen organisiert. 35 Teilnehmer reisten durch Nieder- und Oberschlesien, das Heiligkreuzgebirge bis nach Krakau und Proszowice.

Der Fichtenberger Freundeskreis Proszowice unternimmt regelmäßig mehrtägige Fahrten nach Polen. Jetzt gings für zehn Tage in den Süden. Bei der Routenplanung verlässt man sich gerne auf Kasimir Rabsztyn, einen der geistigen Väter der Partnerschaft. Ihm sei es auch nun wieder zu verdanken gewesen, dass viel Neues gesehen und manches Verbindende entdeckt wurde, schreibt Prof. Dr. Theo Simon in seinem Reisebericht.

Am Pfingstsonntag gings mit dem Flugzeug von München nach Breslau, der Metropole Schlesiens. Noch am selben Nachmittag besuchten die 35 Teilnehmer die Jahrhunderthalle, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die Kuppel dieser Stahlbeton-Halle hat einen Durchmesser von 65 Metern und war bei Fertigstellung 1913 das größte freitragende Bauwerk der Welt.

Am nächsten Tag gabs eine Führung auf die Dominsel, durch die Universität und die Altstadt. Eindruck hinterlässt auch das Denkmal vor der Kirche St. Maria mit den Worten des Breslauer Bischofs Boleslaw Kominek in polnischer und deutscher Sprache von 1956: "Wir vergeben und bitten um Vergebung." Am Nachmittag wurde das ehemalige Gut der Familie von Moltke bei Kreisau besucht, wo einst der Kreisauer Kreis tagte, eine Widerstandsorganisation gegen die Hitlerregierung.

Von Hirschberg gings am nächsten Tag ins Riesengebirge, begleitet von Rübezahlgeschichten. Mit der Seilbahn und zu Fuß gelangten die Reisenden auf die 1602 Meter hohe Schneekoppe. Ein herrlicher Ausblick bot sich über die Gebirgslandschaft Polens und Tschechiens. Nach einem Besuch des Wohnhauses von Gerhart Hauptmanns in Agnetendorf wurde noch eine Stadtführung in Hirschberg angeboten.

An den folgenden beiden Tagen wurde häufig Halt gemacht. An der ehemaligen Zisterzienserabtei Grüssau beispielsweise, die heute Benediktinerinnen beheimatet und von wo aus Benediktinermönche nach den Krieg nach Bad Wimpfen aussiedeln mussten. Im Schloss Fürstenstein bei Waldenburg, wo einst Daisy von Pless lebte, eine Tante Winston Churchills; in der habsburgischen, später preußischen Festungsstadt Glatz; im Schloss Kunzendorf; in Patschkau mit der mittelalterlichen Stadtmauer und im Renaissance-Schloss Oberglogau, in dem Beethoven 1806 seine fünfte Symphonie komponierte.

Über Wisla und das Brauereistädtchen Zywiec erreichte die Gruppe dann Auschwitz. Mehr als drei Stunden dauerte die Führung durch die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau; einer sei ungerührt geblieben, berichtet Prof. Dr. Theo Simon.

Der Wallfahrtsort Tschenstochau ist das wichtigste Pilgerziel polnischer Katholiken. Im Paulinerkloster befindet sich das Bild der "Schwarzen Madonna". Auf dem Rasenplatz davor kamen zu Gottesdiensten der beiden letzten Päpste Zehntausende zusammen. Im Heiligkreuzgebirge wurde eine keltische Eisenverhüttungsstätte und das Oblatenkloster Heilig Kreuz, in Krakau die ehemalige Emaillefabrik Oskar Schindlers besichtigt.

Am letzten Nachmittag befand sich die Gruppe in Proszowice, der Partnerstadt Fichtenbergs. Die Reisenden wurden im Bruder-Albert-Heim, das vom Freundeskreis unterstützt wird, aufgenommen. Grüße wurden übermittelt, Geschenke ausgetauscht, Kinder sangen und tanzten für die Gäste. Mit einem gemeinsamen Abend in Krakau endete die Reise.