Bundestagsabgeordneter von Stetten widerspricht Im Schatten des Rapper-Clans

"Mein Bezirk - hast du hier Lust, vorbeizuschauen?" Der Bundestag scheint Skandal-Rapper Bushido (Mitte) - hier mit dem CDU-Abgeordneten Christian von Stetten (links) auf der Zuschauertribüne - eher zu langweilen. Foto: dpa
"Mein Bezirk - hast du hier Lust, vorbeizuschauen?" Der Bundestag scheint Skandal-Rapper Bushido (Mitte) - hier mit dem CDU-Abgeordneten Christian von Stetten (links) auf der Zuschauertribüne - eher zu langweilen. Foto: dpa
Region / KARSTEN DYBA 26.07.2012
Unterhält der Künzelsauer Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten Geschäftsbeziehungen zu einem kriminellen Araber-Clan? Entsprechenden Vorwürfen von Spiegel TV widerspricht der CDU-Politiker.

"Traurig anzusehn" findet Anis Mohamed Youssef Ferchichi für gewöhnlich die "Politiker mit Dankesreden". Man könne eben keinem trauen, rappt der Berliner in seinem Lied "Die Art, wie wir leben." Doch den Bundestagsabgeordneten von Stetten und die CDU findet der Mann jetzt "ganz cool". Bekannt ist Ferchichi als Bushido, seines Zeichens Skandal-Rapper mit umstrittenen Songtexten. Dass er im Abgeordnetenbüro des konservativen Freiherrn ein Praktikum absolvierte, hatte Aufsehen erregt.

Aber war Bushido ein ganz normaler Praktikant? Ein Bericht des Fernsehmagazins"Spiegel-TV" streut Zweifel. Von Stetten, der Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand und als Konzertveranstalter tätig ist, soll geschäftliche Kontakte zur libanesischen Großfamilie A. unterhalten.

Konkret geht es um einen Scheck von Stettens in Höhe von 37.000 Euro, den Adnan C. 2009 bei der Berliner Sparkasse eingereicht hat. Bei einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche sei die Staatsanwaltschaft auf den Vorgang aufmerksam geworden, bestätigte deren Sprecher gestern. Das Verfahren sei eingestellt worden.

Es habe sich um die "Bezahlung einer im Rahmen einesüblichen Geschäftsvorganges erfolgten Getränkelieferung" gehandelt, ließ von Stettens Anwalt mitteilen. Doch Adnan C.s Firma handelt laut Handelsregister mit Immobilien. Spiegel TV rechnet den Geschäftsmann dem Umfeld der Familie A. zu.

"Natürlich kenne ich ihn", bestätigte von Stetten am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Adnan C. habe bei ihm eine größere Menge Energy-Drinks bestellt und im Voraus bezahlt, dann aber die Bestellung storniert. Mit dem Scheck habe er ihm das Geld zurückgeben wollen, erklärte gestern von Stettens Berliner Anwalt, Ben Irle.Sein Mandant habe sich von 2008 bis 2011 bei der "Markteinführung eines Energy-Drinks engagiert". Den Umfang der Bestellung erklärt der Anwalt so: C. habe"bei der Marktdurchdringung eines Energy-Drinks mitwirken" wollen.

Über Adnan C. hat von Stetten auch Bushido kennengelernt. Der Rapper räumt ein, der Familie A. nahe zu stehen. Dass der Clan mit organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht wird, sei ihm aber "scheißegal", schreibt die BZ. Einer von sechs Brüdern der Familie gilt als Drahtzieher eines Überfalls auf ein Poker-Turnier im Berliner Hyatt-Hotel. Andere seien wegen verschiedener Gewalt-, Drogen- und Rotlicht-Delikte ins Visier der Ermittler geraten, berichtet Spiegel-TV. Dem Clan seien kaum Straftaten nachzuweisen, soll ein Ermittler der BZ erklärt haben. "Sie hat eine Routine darin entwickelt, heikle Aufgaben weiterzudelegieren", zitiert das Blatt. Im Zusammenhang mit einem Prozess gegen einen der Brüder soll Adnan C. wegen uneidlicher Falschaussage angeklagt worden sein, meldet die BZ.

Adnan C. bestreite jegliche kriminelle Machenschaften. Er habe dem Abgeordneten polizeiliche Führungszeugnisse aus den Jahren 2009 und 2011 vorgelegt, schreibt Anwalt Irle. Von Stettens Fazit: Adnan C. ist "sauber".

Mit "guten Freunden" wolle das Milieu von seinen kriminellen Machenschaften ablenken, erklärt der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, im Spiegel-TV-Beitrag. "Hohe politischeÄmter sind da natürlich höchst willkommen." Ein solches Motiv sei ihm von Bushido nicht bekannt, lässt von Stetten wissen. Ihm sei aber bekannt gewesen,"dass Herr Ferchichi ein Rapper und kein Klosterschüler ist", schreibt der Anwalt.

"Hut ab", soll Bushido nach seinem Praktikumüber von Stettens Arbeit gesagt haben. Der"Respect", wie es unter Rappern heißt, ist ganz beiderseits: Er habe Bushido als "intelligent wahrgenommen" und würde ihn jederzeit wieder einladen, sagte von Stetten dem Magazin Stern."Mein Bezirk", singt der Rapper in einem Lied und fordert auf: "Hast du hier Lust, vorbeizuschaun?" Von Stetten winkt ab. Sein Anwalt: "Unser Mandant hat und möchte auch keinen Kontakt zu einem etwaigen Milieu haben."

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