Im politischen Sandkasten

Straßenbauen? Im richtigen Leben kein Problem: Mit Schäufelchen und Förmchen planieren zwei Buben ihren Sandkasten, wie es ihnen gefällt. Archivfoto
Straßenbauen? Im richtigen Leben kein Problem: Mit Schäufelchen und Förmchen planieren zwei Buben ihren Sandkasten, wie es ihnen gefällt. Archivfoto
KARSTEN DYBA 08.03.2014

Ein Bundestagswahlkreis lässt sich manchmal durchaus mit dem Sandkasten eines kommunalen Kindergartens vergleichen: Da werden Straßen angelegt und Burgen gebaut - manchmal sogar Luftschlösser.

Im Sandkasten des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten gibt es viele Burgen und eine große Straße: die Autobahn 6. Die hätte er jetzt gerne noch ein bisschen breiter gehabt. Da aber der kommunale Kindergarten kein Geld für eine neue, breitere Sandkastenschaufel hat, versucht der Abgeordnete, das Geld anderswo aufzutreiben. Private Investoren sollens richten.

Bislang hatte er den Wahlkreis-Sandkasten für sich allein. Jetzt aber will die rote Annette von der Nachbargruppe, die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade, mitsandeln. Private Investoren? Nur, wenn sie Mindestlöhne zahlen! Und weil sie neuerdings im Verkehrsausschuss sitzt, vereinbart sie dazu gleich ein Gespräch mit der Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Dorothee Bär (CSU).

Eingeladen: Sämtliche Abgeordnete in der Region - egal welche Parteifarbe ihre Förmchen haben. Es sagen zu: Die Heilbronner Josip Juratovic von der SPD und Thomas Strobl von der CDU, der gebürtige Künzelsauer Eberhard Gienger (CDU) sowie der Grünen-Abgeordnete aus Kirchberg, Harald Ebner. Das fand der schwarze Freiherr gar nicht gut. Mit einem geharnischten Brief an Sawade sollte die Sache geklärt werden: Ein "Anfängerfehler" sei es, solche Gesprächsrunden öffentlich anzukündigen. Er praktiziere dies gerade deshalb so erfolgreich, "weil Stillschweigen vereinbart ist und sich alle daran halten".

Sawade ficht das nicht an: "Ich werde auch weiterhin meine Kontakte und Termine offen bekannt geben", sagt sie, denn sie betreibe einen anderen Politikstil. Vielleicht habe der Kollege von Stetten damit ein Problem. Oder ists die plötzliche Konkurrenz? Dann plötzlich sagen Gienger und Strobl wieder ab. Und Dorothee Bär möchte den Termin auch lieber verschieben. "Versprochen ist versprochen!", nagelt Sawade die Staatssekretärin fest. Das Gespräch feiert sie nun als Erfolg: Die Frage der Finanzierung stelle sich frühestens in einem Jahr.

Von Stetten dagegen bruddelt, Sawade und Ebner hätten "eine völlig andere Auffassung der Aufgaben eines Abgeordneten". Er jedenfalls wolle die Autobahn schneller bauen und "keine Rücksicht mehr auf zögerliche Abgeordnetenkollegen nehmen".

Sandkastengerangel? Pah! Sawade schüttelt den Kopf: "Ich spiele nicht im Sandkasten, ich mache reelle Politik!"

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